
Oleksandr Slyvchuk, Koordinator des Programms für die Zusammenarbeit mit Spanien und Lateinamerika am Transatlantic Dialogue Center, veröffentlichte anlässlich des 35. Jahrestages der ukrainischen Unabhängigkeit einen Gastbeitrag, in dem er die historische Kontinuität der Ukraine nachzeichnet, die Moskau seit mehr als einem Jahrhundert auszulöschen versucht.
In dem Artikel argumentiert Slyvchuk, dass die Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 keinen Neubeginn darstellte, sondern die Fortsetzung einer jahrhundertelangen Staatlichkeit, von der Kiewer Rus und dem Kosakenstaat bis zur 1917 ausgerufenen Ukrainischen Volksrepublik. Zudem hebt er die Rolle der ukrainischen Exilregierung hervor, die mehr als siebzig Jahre sowjetischer Herrschaft überdauerte und 1992 in Kyjiw offiziell die Symbole staatlicher Autorität übergab.
Slyvchuk erklärt, dass Moskau wiederholt versuchte, diese historische Kontinuität zu zerstören, unter anderem durch den Holodomor, die stalinistischen Säuberungen und die systematische Russifizierung von Sprache, Bildung und Kultur. Dennoch scheiterten diese Bemühungen. Beim Referendum von 1991 stimmten mehr als 90 Prozent der Ukrainerinnen und Ukrainer für die Unabhängigkeit, auch auf der Krim sowie in Donezk und Luhansk, also genau in jenen Regionen, die Russland seit 2014 besetzt.
Der Gastbeitrag stellt zudem einen zentralen Gegensatz zwischen dem ukrainischen Unabhängigkeitskampf von 1918 bis 1921 und der Reaktion des Landes nach 2014 heraus. Nach der russischen Annexion der Krim brach die Ukraine nicht zusammen. Stattdessen baute sie ihre Armee nahezu von Grund auf neu auf, reformierte ihre Institutionen und bereitete sich in den folgenden acht Jahren auf die groß angelegte Invasion vom 24. Februar 2022 vor.
Slyvchuk betont, dass es bei Russlands Invasion nicht in erster Linie um Territorium geht, sondern um die Weigerung des Kremls, die endgültige Auflösung der Sowjetunion zu akzeptieren. Als deutliches Beispiel für Moskaus Leugnung des Existenzrechts der Ukraine als eigenständiger Staat verweist er auf Wladimir Putins Artikel vom Juli 2021 „Über die historische Einheit von Russen und Ukrainern“.
Abschließend warnt Slyvchuk, dass territoriale Zugeständnisse kein pragmatischer Kompromiss wären, sondern eine direkte Bedrohung für die Kontinuität der ukrainischen Staatlichkeit darstellen würden. Jedes Zugeständnis an einen Aggressor verschafft lediglich Zeit bis zum nächsten Angriff, während Moskaus letztendliches Ziel unverändert bleibt, die vollständige Kontrolle über die Ukraine. Wie der Artikel abschließend festhält, wird Unabhängigkeit niemals ein für alle Mal errungen, sondern muss jeden Tag aufs Neue bewahrt werden.
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