Cover image for: Ukraine’s ‘Future Force’ Interview Series: Unmanned Ground Vehicles for Ukraine’s Defense (part 2)

Interviewreihe „Future Force“ der Ukraine: Unbemannte Bodenfahrzeuge für die ukrainische Verteidigung (Teil 2)

Clock Icon 3 min read
Mai 11, 2026

Inhalt

Am 11. Mai 2026 führte Maksym Chebotarov, Koordinator des US-Ukraine-Partnerschaftsprogramms beim Transatlantic Dialogue Center, ein Interview mit Ihor Shmyryov, Leiter der UGV-Abteilung von Brave1.

Brave1 ist eine von der ukrainischen Regierung unterstützte Plattform für Verteidigungstechnologien, die darauf ausgerichtet ist, die Entwicklung, Erprobung und Einführung von Innovationen zur Stärkung der ukrainischen Fähigkeiten auf dem Gefechtsfeld zu beschleunigen. Sie dient als zentrale Koordinationsstelle, die Entwickler von Verteidigungstechnologien mit den Bedürfnissen des Sicherheits- und Verteidigungssektors zusammenbringt und Lösungen von ersten Ideen bis hin zum praktischen Einsatz unterstützt.

Kontext

Der hochintensive Krieg in der Ukraine hat die „Wirkzone“ weit über die unmittelbare Frontlinie hinaus ausgeweitet. Drohnen ermöglichen eine dauerhafte Überwachung und schnelle Präzisionsschläge und schaffen damit de facto eine „Kill Zone“, in der alltägliche Bewegungen – Truppenrotationen, Nachschubfahrten und Evakuierungen – ebenso gefährlich sein können wie der direkte Kampf.

Inhalt

In diesem Umfeld entwickeln sich unbemannte Bodenfahrzeuge (UGVs) von einer Nischenfähigkeit zu einem zunehmend routinemäßig eingesetzten Instrument. Statt als futuristische Ergänzung zu dienen, werden sie für praktische Aufgaben auf dem Gefechtsfeld eingesetzt: zur Versorgung von Stellungen, zur Verringerung der Gefährdung auf den gefährlichsten Routen und zur Evakuierung verwundeter Soldaten, wenn der Einsatz von Menschen nicht mehr vertretbar ist.

Wichtigste Erkenntnisse

Cover image for: Ukraine’s ‘Future Force’ Interview Series: Unmanned Ground Vehicles for Ukraine’s Defense (part 2)
  • Strategisches Ziel mit dem Menschen im Mittelpunkt: Die grundlegende Aufgabe von UGVs besteht darin, Menschen in gefährlichen Einsatzrollen auf dem Gefechtsfeld zu ersetzen, um Verluste zu minimieren und die Überlebenschancen zu erhöhen.
  • Ausgleich numerischer Nachteile: Da der Ukraine die großen personellen Reserven ihres Gegners fehlen, werden Innovation und Robotik als der einzige Weg betrachtet, um auf Augenhöhe kämpfen zu können.
  • Rasche Entwicklung des Sektors: Die Ukraine hat innerhalb von nur vier Jahren eine umfangreiche UGV-Industrie von Grund auf aufgebaut – trotz ständiger Bombardierungen und kritischer Herausforderungen für die Infrastruktur, darunter Stromausfälle.
  • Dominanz im Bereich Logistik: Die Logistik ist derzeit der am weitesten entwickelte Einsatzbereich. In einigen Brigaden übernehmen Roboter inzwischen bis zu 90 % aller Nachschubmissionen und transportieren Lebensmittel, Munition und Ausrüstung.
  • Spezialisierte Verwundetenevakuierung: Speziell für Evakuierungen entwickelte Roboter verfügen über „weiche“ Fahrwerke und geschützte Kapseln, um Verwundete schnell zu bergen, ohne das Leben weiterer Angehöriger der Einheit oder herkömmlicher Fahrzeugführer zu gefährden.
  • Ferngesteuerte Pionieraufgaben: Roboter werden zunehmend für gefährliche Aufgaben wie das Verlegen und Räumen von Minen, das Anbringen von Stacheldraht sowie den Betrieb ferngesteuerter Bagger eingesetzt.
  • Verteidigungs- und Kampffähigkeiten: Mit Geschütztürmen oder Panzerabwehrwaffen ausgerüstete UGVs können Verteidigungslinien über längere Zeit halten. In einem Fall hielt ein Roboter eine Stellung fast zwei Monate lang, während der Bediener in sicherer Entfernung blieb.
  • Luftabwehr im kleinen Maßstab: Automatisierte Türme wie der „Chyschak“ (ukrainisch: „Raubtier“) werden eingesetzt, um FPV-Drohnen und Shahed-Loitering-Munition mithilfe optischer, akustischer und radarbasierter Sensoren abzuschießen.
Cover image for: Ukraine’s ‘Future Force’ Interview Series: Unmanned Ground Vehicles for Ukraine’s Defense (part 2)
  • Automatisierungsstandard Level 4: Die Ukraine verfolgt ein Automatisierungsmodell nach „Level 4“, bei dem die meisten Prozesse automatisiert sind, die endgültige Entscheidung über Bewegung, Schussabgabe oder Detonation jedoch stets von einem menschlichen Bediener getroffen wird.
  • Veränderte Rolle der Soldaten: NRKs beseitigen nicht den Bedarf an Soldaten, sondern verändern deren Aufgaben. Soldaten werden zunehmend von Sturmtruppen zu Bedienern, Ingenieuren und Technikern und damit aus der unmittelbaren „Kill Zone“ heraus verlagert.
  • Neue Einheitsstrukturen: Das Militär bildet spezialisierte Robotikbataillone, beispielsweise NC13 innerhalb der 3. Sturmbrigade, und integriert NRKs in bestehende Einheiten, um traditionelle Logistikfahrzeuge wie Pick-ups zu ersetzen.
  • Die Kennzahl „E-Points“: Der Erfolg wird anhand eines statistischen Systems namens „E-Points“ gemessen. Dabei wird die Effizienz von UGVs anhand der Anzahl der Missionen, der transportierten Tonnage und der Entfernung zur Frontlinie bewertet.
  • Integration in die Militärdoktrin für Partner: Eine zentrale Lehre für die NATO und europäische Partner besteht darin, Robotikeinheiten dringend formell in die Militärdoktrin zu integrieren. Andernfalls werden Finanzierung und Ausbildung weiterhin hinter dem tatsächlichen Bedarf zurückbleiben.
  • Unabhängigkeit bei Komponenten: Es besteht ein strategischer Bedarf, Alternativen zu in China hergestellten Komponenten zu entwickeln, die derzeit in zahlreichen Drohnen- und Robotersystemen eingesetzt werden.
  • Gemeinsame Skalierung und Produktion: Die Ukraine setzt sich für Joint Ventures mit europäischen Herstellern und der Automobilindustrie ein. Dabei sollen Europas Produktionskapazitäten mit der auf dem Gefechtsfeld bewährten ukrainischen Expertise verbunden werden.
  • Konnektivität und elektronische Kampfführung: Aufgrund der intensiven Störmaßnahmen entwickelt sich die Branche weg von herkömmlicher Funkkommunikation hin zur Integration von Starlink und faseroptischer Steuerung, um auch in umkämpften Umgebungen eine zuverlässige Kommunikation zu gewährleisten.

Die im Interview geäußerten und auf dieser Website veröffentlichten Ansichten, Gedanken und Meinungen stammen ausschließlich von den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern und spiegeln nicht zwangsläufig die Ansichten des Transatlantic Dialogue Center, seiner Ausschüsse oder angeschlossener Organisationen wider. Die wichtigsten Erkenntnisse werden zur Unterstützung der Diskussion bereitgestellt und stellen keine offiziellen politischen Positionen dar.