TDC veranstaltete die virtuelle Diskussion „Von der Unabhängigkeit zur Souveränität: Mexiko und die Ukraine vor den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“

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10. September 2026

Am 10. September veranstaltete das Transatlantic Dialogue Center (TDC) eine virtuelle Diskussion mit dem Titel „Von der Unabhängigkeit zur Souveränität: Mexiko und die Ukraine vor den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“. Die spanischsprachige Online-Veranstaltung fand anlässlich des mexikanischen Unabhängigkeitstags statt und knüpfte zugleich an den ukrainischen Unabhängigkeitstag am 24. August an. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Souveränität unter den heutigen internationalen Bedingungen bedeutet, wobei mexikanische und ukrainische Perspektiven zusammengeführt wurden.

An der Diskussion nahmen Oleksandr Slyvchuk, Koordinator des Spanien- und Lateinamerika-Partnerschaftsprogramms beim TDC, Yadira Gálvez Salvador, Professorin und Forscherin am Zentrum für Internationale Beziehungen der Fakultät für Politik- und Sozialwissenschaften der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM), sowie Samuel Abraham Stone Canales, Koordinator der Graduiertenprogramme für Internationale Beziehungen und Politikwissenschaft an der Universidad de las Américas Puebla (UDLAP), teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Edoardo Luna, einem Experten für internationale Beziehungen mit Erfahrung in der öffentlichen Diplomatie zwischen der EU und Mexiko.

Die Diskussion brachte die unterschiedlichen historischen und geopolitischen Erfahrungen Mexikos und der Ukraine miteinander ins Gespräch. Die Teilnehmenden erörterten, wie Staaten im 21. Jahrhundert ihre Souveränität ausüben, ihre Entscheidungsfreiheit ohne Isolation bewahren und asymmetrische wirtschaftliche, militärische, technologische und informationelle Abhängigkeiten verringern können, die ihre nationale Handlungsfähigkeit einschränken.

Ein zentrales Thema der Diskussion war, dass strategische Autonomie weder Isolation noch vollständige Selbstversorgung bedeutet. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, souveräne Entscheidungen zu treffen, Partnerschaften zu diversifizieren und zu verhindern, dass externe Abhängigkeiten zu Druckmitteln werden. Vor diesem Hintergrund reflektierten die Teilnehmenden über die enge wirtschaftliche Verflechtung Mexikos mit den Vereinigten Staaten, die erhebliche Vorteile gebracht, zugleich aber auch Verwundbarkeiten geschaffen hat. Sie betonten die Notwendigkeit, Mexikos internationale Beziehungen breiter aufzustellen, ohne dabei eine asymmetrische Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen.

Die Erfahrungen der Ukraine eröffneten eine weitere Perspektive auf Souveränität unter Druck. Die Teilnehmenden wiesen darauf hin, dass die Ukraine trotz ihrer fortbestehenden Abhängigkeit von internationalen Partnern ihre eigenen Fähigkeiten deutlich ausgebaut hat, insbesondere bei der Produktion von Drohnen, Raketen und Munition. Externe Unterstützung kann in diesem Sinne dazu beitragen, nationale Kapazitäten zu stärken, anstatt sie zu ersetzen.

Die Diskussion befasste sich auch mit dem Prinzip der Nichteinmischung. Die Rednerinnen und Redner betonten, dass Nichteinmischung nicht mit Gleichgültigkeit gleichgesetzt werden darf, wenn die Souveränität und territoriale Integrität eines anderen Staates gewaltsam verletzt werden. Für Mexiko als Mittelmacht liegt die Verteidigung einer regelbasierten internationalen Ordnung zugleich im eigenen strategischen Interesse, denn rechtliche Normen tragen dazu bei, den Einsatz von Gewalt durch Großmächte zu begrenzen.

Die Teilnehmenden thematisierten zudem die Herausforderung durch russische Propaganda und Einflussnahme auf den Informationsraum in Mexiko als Teil des umfassenderen Problems hybrider Kriegsführung und der Aushöhlung der regelbasierten internationalen Ordnung. Als konkreter humanitärer Schritt wurde eine mögliche Beteiligung Mexikos an der Internationalen Koalition für die Rückkehr ukrainischer Kinder diskutiert. Damit könnte Mexiko die Rückkehr von Kindern unterstützen, die von Russland zwangsweise verschleppt wurden, und zugleich seiner Tradition der Neutralität sowie seinem Engagement für die Menschenrechte treu bleiben.

Zum Abschluss der Diskussion wurde betont, dass Souveränität nicht nur eine historische Errungenschaft, sondern auch eine fortwährende Verantwortung ist. Sowohl Mexiko als auch die Ukraine brauchen langfristige Strategien, um ihre nationalen Fähigkeiten zu stärken, Partnerschaften zu diversifizieren und ihren Handlungsspielraum in einem zunehmend instabilen internationalen Umfeld zu erweitern.

Eine Aufzeichnung der Diskussion ist unter folgendem Link verfügbar.


TDC dankt Oleksandr Slyvchuk, Yadira Gálvez Salvador und Samuel Abraham Stone Canales für ihre Beiträge sowie Edoardo Luna für die Moderation der Diskussion. Unser Dank gilt außerdem Botschafter Rubén Beltrán für seine schriftlichen Reflexionen und César Edoardo Santos für seinen Beitrag zur Vorbereitung der Veranstaltung. Ebenso danken wir COMEXI, dem Zentrum für Internationale Beziehungen und der Fakultät für Politik- und Sozialwissenschaften der UNAM, der UDLAP, GAPAC sowie allen, die dazu beigetragen haben, diesen ukrainisch-mexikanischen Dialog zu ermöglichen.

Die Veranstaltung fand im Rahmen eines Projekts statt, das von der International Renaissance Foundation unterstützt wird.