

Am 25. und 26. April kam es in der nicht anerkannten Pridnestrowischen Moldauischen Republik zu mehreren Terroranschlägen. Insbesondere wurde das MGB-Gebäude in Tiraspol mit Granatwerfern beschossen. Einen Tag später waren in der Stadt Explosionen zu hören. Die Regierung der „Republik“ machte unmissverständlich deutlich, dass die Ukraine und Moldau schuld seien. Am 26. April begannen die ersten Flüchtlinge aus Transnistrien zu fliehen. Kurz nach diesen Ereignissen hielt die moldauische Präsidentin M. Sandu eine Sitzung des Sicherheitsrates ab. Am 1. Mai veröffentlichte die britische Zeitung The Times einen Artikel, dem zufolge der Kreml beschlossen habe, in Moldau einzumarschieren und von dort aus eine neue Front gegen die Ukraine zu eröffnen, insbesondere gegen Odesa und die Region Odesa aus westlicher Richtung.

Das bedeutet: Die Ereignisse in Transnistrien entwickeln sich nach dem typischen „Donezk“-Szenario, bei dem eine äußere Bedrohung künstlich geschaffen, eine Evakuierung angekündigt und anschließend in der „L/DNR“ mobilisiert wurde, was mit einer umfassenden russischen Invasion der Ukraine endete.
Russland erhöht die Komplexität der Herausforderungen und versucht, zusätzliche potenzielle Kriegsherde nahe den Grenzen von NATO und EU zu schaffen. Das nächste Epizentrum könnte der Balkan sein. Serbien steht bereits im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Vor allem aber hat der Kreml bewiesen, dass eine recht einfache, von Hitler eingeführte Methode, „den Aggressor als Opfer darzustellen“, auch in unserer Zeit anwendbar ist. Auf der Makroebene versucht Russland, Europa und den kollektiven Westen zu destabilisieren. Auf der Mikroebene erzeugt es zusätzliche Bedrohungen für die Ukraine und schafft unter anderem Voraussetzungen für eine umfassendere Invasion der Südukraine, die Bildung eines Landkorridors nach Transnistrien und die mögliche Besetzung Moldaus, falls der Westen völlig untätig bleibt.