
Oleksandr Slyvchuk, Koordinator des Kooperationsprogramms Spanien und Lateinamerika beim Transatlantic Dialogue Center, war bei Actualidad Radio in Florida, USA, zu Gast, um über den Unabhängigkeitstag der Ukraine, die Unmöglichkeit territorialer Zugeständnisse und mögliche Szenarien für die Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine zu sprechen.
Im Interview erklärte Slyvchuk, dass der Unabhängigkeitstag der Ukraine während des groß angelegten Krieges eine neue Bedeutung gewonnen habe. Wie er anmerkte, bezeichnen viele HistorikerInnen den derzeitigen Krieg inzwischen als einen Krieg um die Unabhängigkeit der Ukraine, da sich die Motive Russlands nicht verändert hätten: Moskau bestreitet weiterhin das Recht der Ukraine, als souveräner Staat zu existieren.
Slyvchuk betonte, dass territoriale Zugeständnisse kein realistischer Weg zu einem Frieden seien. Er warnte davor, dass in der Ukraine kein Friedensabkommen akzeptiert würde, das die Abtretung ukrainischer Gebiete vorsieht, da ein solcher Schritt einem „Selbstmord des Staates“ gleichkäme. Seiner Ansicht nach würden Zugeständnisse Russland nicht aufhalten, sondern Moskau lediglich dazu ermutigen, später erneut nach weiteren ukrainischen Gebieten zu greifen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Rolle der Vereinigten Staaten. Slyvchuk betonte, dass Washington durch Sanktionen, politischen Druck und militärische Unterstützung über einen einzigartigen Einfluss auf den Kreml verfüge. Er wies darauf hin, dass weder die Ukraine noch Europa wichtige Fähigkeiten der USA vollständig ersetzen könnten, darunter insbesondere Patriot-Raketen. Daher sei die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine von entscheidender Bedeutung.
Mit Blick auf die innenpolitische Lage in der Ukraine erklärte Slyvchuk, dass ein breiter Konsens darüber bestehe, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj weiterhin der legitime politische Führer des Landes in Kriegszeiten sei. Viele UkrainerInnen seien mit seiner Arbeit zufrieden, auch wenn die Belastung durch den Krieg ihn sichtbar erschöpft habe.
Abschließend skizzierte Slyvchuk zwei mögliche Szenarien für die Beendigung des Krieges: einen eingefrorenen Konflikt entlang der derzeitigen Frontlinie oder einen inneren Zusammenbruch des Regimes von Wladimir Putin, da die Unzufriedenheit innerhalb Russlands weiter zunehme. Er betonte, dass Russland derzeit keinen Frieden anstrebe, sondern weiterhin ukrainisches Territorium besetzen wolle.
Das vollständige Interview mit Oleksandr Slyvchuk können Sie über den Link oder direkt hier unten ansehen:
Bitte beachten Sie, dass das Gespräch auf Spanisch geführt wird.