
Am 7. Mai veranstaltete das Transatlantic Dialogue Center (TDC) gemeinsam mit der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) eine öffentliche akademische Diskussion mit dem Titel „Ukraine-Lateinamerika-Beziehungen in den zeitgenössischen internationalen Beziehungen: Politisches, wirtschaftliches und diplomatisches Potenzial“.
Der Vortrag wurde von Oleksandr Slyvchuk, Koordinator des Spanien- und Lateinamerika-Partnerschaftsprogramms beim TDC, gehalten, mit Kommentaren von José Joel Peña Llanes, hauptamtlichem Professor an der Fakultät für Höhere Studien Acatlán der UNAM. Die Diskussion brachte Studierende der Internationalen Beziehungen (vorwiegend von der UNAM, aber auch von anderen Universitäten), WissenschaftlerInnen sowie KollegInnen aus Thinktanks zusammen, um sich über die Zusammenarbeit und die Perspektiven zwischen der Ukraine und Lateinamerika auszutauschen.
Zu den zentralen Punkten, die während der Diskussion angesprochen wurden, zählten:
- die Stärken und Grenzen der Ukraine-Lateinamerika-Zusammenarbeit: gemeinsame demokratische Werte und eine ähnliche Vorstellung von internationaler Ordnung, jedoch historisch begrenzte Aufmerksamkeit, eine bescheidene diplomatische Präsenz und geringe Handelsvolumina;
- wie das gegenseitige Interesse an der Ukraine und Lateinamerika seit 2022 infolge der großangelegten russischen Invasion stark zugenommen hat;
- das sich wandelnde Informationsumfeld: Während kremlfreundliche Desinformation Anfang 2022 stärker sichtbar war, hat sich der Raum für Propaganda im Laufe der Zeit verengt, die Sympathie für die Ukraine ist gewachsen, und Narrative wie „Nazis in der Ukraine“ sind zunehmend an den Rand gedrängt worden;
- eine anhaltende Herausforderung in der Region: die Wahrnehmung der USA und der NATO als Gegner und die Notwendigkeit, klar zu erklären, dass Russland sich mit seinem Angriff auf die Ukraine nicht „gegen die NATO verteidigt“ und dass die Behauptung, die NATO-Erweiterung habe den Krieg „provoziert“, ein Mythos ist;
- die Bedeutung, ein weiteres tief verwurzeltes Missverständnis auszuräumen: Russland ist kein Verteidiger „linker“ Ideen oder schutzbedürftiger Gruppen – dieses Narrativ wurzelt in der Rahmensetzung der Sowjetzeit, während Russland heute rechtsextreme, revisionistische Positionen vertritt und systematisch gegen das Völkerrecht verstößt;
- eine ermutigende Erkenntnis: Die akademische Gemeinschaft Mexikos interpretiert den russisch-ukrainischen Krieg größtenteils zutreffend, auch als Verletzung des Völkerrechts – auch wenn Mexikos langjährige Neutralität weiterhin ein vorsichtiges Engagement bei einigen internationalen Initiativen im Zusammenhang mit dem Krieg prägt;
- das erhebliche ungenutzte Potenzial für die Ukraine-Maxiko-Zusammenarbeit, insbesondere auf akademischer und medialer Ebene: Das starke Interesse der UNAM an einer Partnerschaft mit ukrainischen Partnern zeigt konkrete nächste Schritte auf, darunter Austauschprogramme, gemeinsame Vorlesungen, Podiumsdiskussionen, Debatten sowie eine vertiefte Zusammenarbeit, die dazu beiträgt, die bisherige Lücke im nachhaltigen Engagement zu schließen.
Wir danken der UNAM und allen Teilnehmenden für eine engagierte und inhaltlich substanzielle Diskussion. Als Mitorganisator dieses Austauschs freut sich das TDC darauf, die Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen und der mexikanischen akademischen und Expertengemeinschaft weiter auszubauen.