
Am 4. März 2026 waren Oleksandr Slyvchuk, Koordinator des Spanien- und Lateinamerika-Partnerschaftsprogramms am Transatlantic Dialogue Center (TDC), und Alina Rohach, Projektmanagerin desselben Programms, zu einem Live-Interview bei Imagen Radio zu Gast, das von Pascal Beltrán del Río moderiert wurde.
Auf die Frage nach der „tatsächlichen Stimmung“ in der Ukraine nach vier Jahren beschrieb Rohach eine Gesellschaft, die nach einem besonders harten Winter und anhaltenden Angriffen weit hinter der Frontlinie mit Erschöpfung und Frustration lebe – und dennoch entschlossen sei, Widerstand zu leisten, weil die Ukrainerinnen und Ukrainer die Tragweite des Krieges als Frage der Freiheit und des Überlebens als unabhängiger Staat verstünden.
Slyvchuk bezeichnete den Krieg als eine langfristige Konfrontation und nicht als einen Konflikt mit einer „schnellen Lösung“. Er behauptete, dass die Ukraine ihren Widerstand gefestigt habe und die Erwartungen an einen schnellen Frieden unrealistisch seien, während Russland weiterhin eine Bedrohung darstelle. Daher bereite sich die Ukraine auf eine lang andauernde Konfrontation vor.
Beide Gesprächsteilnehmende erörterten eine sich verändernde globale Landschaft, in der multilaterale Instrumente an Wirkung verlieren und die Gefahr besteht, dass Aggression normalisiert wird. Slyvchuk betonte, dass die Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer damaligen Form „nicht mehr existiert“, und stellte einen Zusammenhang zwischen der heutigen turbulenten Phase und den 2014 begonnenen und 2022 eskalierten russischen Maßnahmen als Teil einer umfassenderen globalen Konfrontation her.
Ein zentraler Teil des Gesprächs widmete sich der Rolle Lateinamerikas. Rohach betonte die Bedeutung des Aufbaus von Verständnis und Zusammenarbeit in der gesamten Region. Slyvchuk äußerte sich kritischer und wies darauf hin, dass eine Unterstützung, die sich auf Abstimmungen in der UNO beschränkt, keine praktischen Ergebnisse bringe, insbesondere da pro-russische Narrative in Teilen Lateinamerikas weiterhin weit verbreitet seien.
Mit Blick auf konkrete Handlungsmöglichkeiten hob Rohach die humanitäre Zusammenarbeit hervor – darunter Initiativen zur Rückführung der von Russland verschleppten ukrainischen Kinder sowie damit verbundene Mechanismen zur Verantwortlichkeit. Slyvchuk ging direkt auf Desinformation ein, widersprach dem Narrativ, die NATO habe den Krieg „provoziert“, und betonte, dass Russland für die Angriffe und die Schädigung der Zivilbevölkerung verantwortlich sei. Daher seien verlässliche Informationen und ein proaktives Engagement von entscheidender Bedeutung.
Sehen Sie sich das vollständige Interview von Imagen Radio über den Link an.
Dieses Projekt wurde von der International Renaissance Foundation unterstützt.