Überblick über die jüngsten russischen Falschmeldungen

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März 25, 2022

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Fake: Ukrainer halten russische Spezialisten im Kernkraftwerk Riwne als Geiseln

Die russische Vertretung bei der IAEA verbreitet die Meldung, die Ukraine halte im Kernkraftwerk Riwne angeblich russische Nuklearspezialisten gewaltsam fest. Alles, was mit Nuklearanlagen zu tun hat, bleibt die beste Schauergeschichte, mit der sich die Russen Angst einjagen lassen. Tatsächlich arbeiten im KKW Riwne jedoch keine Nuklearspezialisten aus Russland. Das geht aus einer Erklärung von Energoatom, dem ukrainischen Betreiber von Kernenergieanlagen, hervor. Nach den vorliegenden Informationen handelte es sich lediglich um vier bewaffnete russische Wachleute, die kürzlich die Fracht – Brennelemente, die schon vor Beginn der „Spezialoperation“ an das KKW Riwne geliefert worden waren – begleitet hatten. Seitdem bewachten sie diese bis zur Entladung und Übergabe an die ukrainische Seite gemäß ihren vertraglichen Verpflichtungen. Nun, da die Fracht bereits entladen wurde und die Wachleute das Gelände des Kernkraftwerks verlassen haben, haben sie es nicht eilig, das Staatsgebiet der Ukraine zu verlassen. Vielleicht kehren sie nicht so schnell in ihre Heimat zurück, weil diese den Krieg überhaupt erst entfesselt hat? Übrigens sind sie gut untergebracht, erhalten alles Notwendige und wohnen aus freien Stücken in einem Hotel. Im Kernkraftwerk Saporischschja befinden sich dagegen tatsächlich 11 Nuklearspezialisten, die Rosatom, den russischen Betreiber von Kernenergieanlagen, vertreten und die ganz gewiss niemand eingeladen hat. Sie sind mit Hilfe der russischen Invasionstruppen in das Kraftwerk gelangt und halten sich dort unrechtmäßig auf. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man Meldungen über „Geiseln“ teilt.

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Fake: Russland richtet einen humanitären Korridor ein, damit 67 ausländische Schiffe ukrainische Häfen verlassen können. Ausländische Schiffe können bisher wegen der Gefahr ukrainischer Minen und Beschuss nicht auslaufen.

Wie üblich versucht Russland weiterhin, jemanden zu retten und Hilfe anzubieten, auch wenn niemand darum gebeten hat, denn diese Hand ist blutgetränkt. Vor seinen „Korridoren“ nimmt sich längst jeder in Acht. Nun will Russland Schiffe aus ukrainischen Häfen „retten“. Zuvor hatten die Russen verkündet, die Ukrainer hätten das Seegebiet vermint und nun trieben 420 Minen im Schwarzen Meer. Nun ja, eine dreiste Lüge… Das ist ein typisches Vorgehen der Russen: laut zu schreien, jemand begehe ein Verbrechen, um jeden Verdacht von sich selbst abzulenken. Zunächst einmal: Woher haben sie so genaue Angaben über die Zahl der treibenden Minen? Wie kann jemand sie zählen und ihren Standort kennen? Für jemanden, der diese Minen tatsächlich gelegt hat, ist das ganz einfach. Das legt nahe, dass es sich um Russlands schmutziges Werk handelt – sofern es nicht bloß eine weitere Fake-Geschichte ist, die noch mehr Länder dazu einschüchtern soll, den gesamten Schiffsverkehr im Schwarzen Meer einzustellen. Russland ist schließlich der Ansicht, dass nicht nur die Ukraine und Russland Angst haben sollten, sondern auch Bulgarien, Rumänien und die Türkei. Sie alle sind NATO-Verbündete – ihre Sorge soll also ruhig wachsen, nicht wahr? Sie könnte tatsächlich wachsen, und zwar nicht nur wegen der russischen Aggression, sondern auch wegen ihrer Dummheit. Bei Kriegsbeginn lagen etwa 80 Schiffe in ukrainischen Häfen, die meisten davon ausländische. Einige wurden sogar angegriffen, eines wurde versenkt. Einige Besatzungsmitglieder wurden verletzt, andere getötet. Nachdem nun die Minengefahr beschworen wurde, will der Kreml offensichtlich den Besatzungen ausländischer Schiffe noch mehr Angst einjagen, damit sie nicht nur ukrainische Häfen, sondern auch jene der ukrainischen Nachbarn am Schwarzen Meer meiden. Während Russland die Rolle des „Befreiers“ spielt, könnte es tatsächlich einen sicheren Korridor räumen (indem es jene 420 Minen wieder einsammelt), damit alle ihm dankbar sind und seine Lügen glaubwürdiger erscheinen.

Fake: Russen finden ukrainische Medaillen „Eroberung der Krim“

Hier folgt also ein weiterer Versuch, Russlands „Spezialoperation“ in der Ukraine zu rechtfertigen und zu erklären, warum sie dringend und unvermeidlich gewesen sei. Tatsächlich wird den Russen seit den ersten Kriegstagen erzählt, die Ukraine habe angeblich geplant, die vorübergehend besetzten Gebiete der Regionen Luhansk und Donezk mit Gewalt zurückzuerobern. Dasselbe habe angeblich für die von Russland rechtswidrig annektierte Krim gegolten. Propagandisten behaupteten zudem, die Ukraine habe einen Angriff auf Russland oder Belarus vorbereitet. Einfach so. Deshalb habe Russland durch den Einmarsch in die Ukraine angeblich einen „Präventivschlag“ geführt! Nun veröffentlichte die Kreml-Agentur RT auf ihrem Telegram-Kanal ein Foto von angeblichen Medaillen „Eroberung der Krim“, die die Ukrainer bereits geprägt hätten. In sozialen Netzwerken werden jetzt Fotos dieser „Medaillen“ aktiv verbreitet, die angeblich bei einer Einberufungsstelle in den inzwischen von russischen Truppen besetzten Teilen der Region Cherson entdeckt wurden. Die Russen behaupten auch, die genauen Termine dieser ukrainischen „Operation“ seien bekannt: Die Ukraine habe angeblich geplant, die Krim im Frühjahr 2022 mit Unterstützung der NATO-Verbündeten zurückzuerobern. Das Absurde an dieser Fake-Geschichte ist die Zahl der Fehler, die die russischen Drahtzieher bei der Herstellung dieser „Auszeichnungen“ gemacht haben. Auf der zusammen mit der Medaille ausgehändigten „Urkunde“ steht, sie sei durch eine präsidentielle „Anordnung“ erlassen worden (tatsächlich müsste es ein „Dekret“ sein). Zudem sind Selenskyjs Initialen mit „V.A.“ angegeben, während sie auf Ukrainisch „V.O.“ lauten. Auch die Papierqualität, auf der die Urkunde gedruckt wurde, ist so schlecht, dass sie jeder Kritik spottet. Der Urkunde fehlen außerdem eine Seriennummer und ein Stempel, doch das ist noch nicht alles… Schon die Bezeichnung der Medaille ist zweifelhaft. Hätte die Ukraine solche Medaillen herstellen wollen, hätte sie sie „Befreiung“ und nicht „Eroberung“ genannt.

Fake: „Nationalisten“ erschießen Zivilisten in Tschernihiw, weil sie die Stadt verlassen wollen

In ihrem jüngsten Bericht erzählen russische Verteidigungsvertreter eine weitere Horrorgeschichte über ukrainische „Nationalisten“ und behaupten diesmal, sie erschössen in Tschernihiw Zivilisten, die um Erlaubnis bitten, die Stadt in sicherere Gebiete verlassen zu dürfen. Außerdem wird behauptet, mehr als die Hälfte der 120.000 noch in der Stadt verbliebenen Einwohner seien krank und erhielten keine medizinische Hilfe. Doch wessen Schuld ist es überhaupt, dass diese Menschen keine angemessene medizinische Versorgung bekommen? Liegt es nicht an Russlands „Befreiungsbemühungen“, dass die Krankenhäuser von Tschernihiw ebenso wie der Rest der Stadt ohne Strom sind? Vor der Invasion war die Stadt ein blühender Ort, bis jene russischen „Befreier“ kamen und versuchten, sie zu belagern. Tschernihiw ist übrigens eine der großen ukrainischen Städte, die geografisch relativ nah an Russland liegen, und die Menschen dort waren den Russen gegenüber im Allgemeinen positiv eingestellt. Heute ist ihre Haltung jedoch genau gegenteilig. Dennoch versucht die russische Propaganda, die eigene Bevölkerung auch mit solchen Horrorgeschichten davon zu überzeugen, die Einwohner von Tschernihiw hätten von der Herrschaft monströser Nationalisten befreit werden müssen… Erinnern Sie sich daran, wie Menschen getötet wurden, als sie für Brot anstanden? Den Russen wurde erzählt, nicht die Invasionstruppen seien für dieses Verbrechen verantwortlich. Nun wird ihnen erzählt, die Nationalisten erschössen ihre eigenen Leute. Mit diesen Behauptungen versuchen die russischen Verteidigungsvertreter lediglich, die eigenen Bürger einzuschüchtern und ihnen einzureden, dass der Krieg richtig sei. Nach der Logik der russischen Regierung sind alle, die die Ukraine unterstützen, Nazis. Doch das tun 141 UN-Mitgliedstaaten ebenso wie der Papst, Elon Musk und das Olympische Komitee… Sind sie alle ebenfalls Nazis? Oder hat vielmehr in Russland der Nationalsozialismus ein erschreckendes Ausmaß erreicht? Wurde er vielleicht den Russen eingeimpft? Unterdessen ist in Tschernihiw eine echte Katastrophe zu beobachten: Die Stadt steht am Rande des Überlebens, ihre Außenbezirke wurden durch Artilleriebeschuss und Bombardierungen ausgelöscht. Die Hälfte der Bevölkerung ist bereits geflohen, und unter den verbliebenen 130.000 befinden sich tatsächlich viele Kranke und Schwache. Heute ist Tschernihiw vollständig von Kyjiw abgeschnitten, weil die Russen die Brücke über den Fluss Desna bombardierten, über die humanitäre Hilfe in die Stadt gebracht und Zivilisten evakuiert worden waren. Nun berichten Einheimische, die Russen erstellten Listen von Zivilisten für eine Evakuierung in die russische Region Kursk. Indem sie Tschernihiws Verbindung zur Hauptstadt gekappt haben, haben die Russen seine Einwohner praktisch zu Geiseln gemacht und zwingen sie zur Evakuierung nach Russland; die Einheimischen weigern sich jedoch weiterhin und widersetzen sich den Drohungen mit Repressalien. Das sind nicht nur Kriegsverbrechen, sondern Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs fallen.