

Der bevorstehende NATO-Gipfel in Vilnius stellt für die Ukraine einen entscheidenden Moment dar und rückt die Ambitionen und Position des Landes in den globalen Fokus. Er bietet der Ukraine eine bedeutende Gelegenheit, ihre Haltung, Bestrebungen und aktuellen Herausforderungen gegenüber der breiteren westlichen Gemeinschaft erneut darzulegen. Die Ukrainer hoffen, dass der Gipfel positive Ergebnisse bringen wird, insbesondere hinsichtlich der Sicherung der Unterstützung durch die NATO-Mitglieder angesichts der andauernden russischen groß angelegten Invasion. Neben der Stärkung des ukrainischen Militärs durch umfangreiche und kontinuierliche Waffenlieferungen sollte das Bündnis einen klaren Fahrplan für die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine zum frühestmöglichen realisierbaren Zeitpunkt vorlegen.
Die Verbündeten sollten erkennen, dass die Mitgliedschaft der Ukraine der NATO einen Mehrwert bringen und ihrem Daseinszweck neues Leben einhauchen wird. Die Furcht vor einer hypothetischen russischen Eskalation muss die NATO nicht davon abhalten, ihre Mission zur Gewährleistung der Sicherheit im gesamten nordatlantischen Raum zu erfüllen.
Seit über neun Jahren besetzt Russland die ukrainische Krim und Teile der Regionen Donezk und Luhansk, seit mehr als 500 Tagen führt Russland einen groß angelegten Krieg gegen die Ukraine. Während dieses turbulenten Zeitraums hat die Ukraine Europa geschützt, da Russland offensichtlich nicht über die Kapazitäten verfügt, an mehreren Fronten zu kämpfen. Die entschlossene Haltung der Ukraine hemmt die russischen Expansionsziele in der Region und gibt der NATO zugleich die Möglichkeit, die Verteidigung Europas zu stärken. Die Einladung der Ukraine in die NATO bedeutet, das Bündnis für die Zukunft zu stärken. Es wäre unklug, das Potenzial der ukrainischen Streitkräfte zu ignorieren, die zu den leistungsstärksten und erfahrensten der Welt gehören.
Die ukrainische Gesellschaft unterstützt den euroatlantischen Kurs des Landes eindeutig, da inzwischen mehr als 80 % der Bürgerinnen und Bürger für einen NATO-Beitritt der Ukraine stimmen würden. Das ist der höchste Wert in der Geschichte. Darüber hinaus unterstützen auch die Menschen in den NATO-Mitgliedstaaten die Einladung der Ukraine in das Bündnis.
Im Interesse des Friedens muss die NATO ein starker geopolitischer Akteur in der euroatlantischen Region und weltweit bleiben. Jeder Versuch, den Aggressor zu beschwichtigen, erinnert an die Vorkriegszeit von 1938–1939. Wir alle wissen, dass solche beschwichtigenden Haltungen westlicher Führungspersönlichkeiten Europa bereits für sechs schreckliche Jahre in den Zweiten Weltkrieg geführt hatten. Nur eine entschlossene Haltung gegenüber dem Aggressor und die Wiederherstellung einer regelbasierten Ordnung
sowie des Völkerrechts können künftig den Weltfrieden sichern.
Jeder Tag der Lieferung westlicher Ausrüstung und der Ausbildung von Soldaten bringt die Ukraine den NATO-Standards näher. Die Ukraine ist bereit, alle Voraussetzungen für eine NATO-Mitgliedschaft zu erfüllen, und hat nun mit Finnland und Schweden ein hervorragendes Beispiel für einen beschleunigten NATO-Beitritt.
Der NATO-Gipfel in Vilnius könnte den Beginn des Einladungsprozesses für die Ukraine markieren. Seit 2014 arbeitet die Ukraine gewissenhaft daran, die Mitgliedschaftskriterien zu erfüllen, und der Gipfel bietet eine perfekte Plattform, um ihre Fortschritte und ihr Engagement hervorzuheben. Diese Bemühungen sollten nicht durch den andauernden Krieg überschattet werden, wodurch Putin ein Vetorecht über die NATO-Erweiterung eingeräumt würde.
Der Weg der Ukraine zur NATO-Mitgliedschaft erfordert die einstimmige Unterstützung aller Verbündeten; 23 Länder haben ihre Haltung bereits erklärt. Die jüngste Unterstützung kam vom türkischen Präsidenten Erdoğan, der erklärte, die Ukraine verdiene es, NATO-Mitglied zu werden.
Die Verbündeten arbeiten nun unermüdlich an der besten Lösung, um die Sicherheit der Ukraine zu gewährleisten. Doch die Aufnahme der Ukraine in die NATO, mit der das auf dem NATO-Gipfel 2008 in Bukarest gegebene Versprechen erfüllt würde, wäre der beste Weg, dies zu erreichen.
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