
Vom 4. bis 8. Mai 2026 organisierten das Transatlantic Dialogue Center (TDC) und das Zentrum Liberale Moderne (LibMod) gemeinsam einen fünftägigen Arbeitsbesuch einer Delegation der ukrainischen NGO Magura in Berlin. Im Rahmen des Programms traf die Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Bundesregierung, Mitgliedern und Beratern des Bundestages, Sicherheitsexperten, Journalisten sowie Akteuren aus dem Bereich der Verteidigungstechnologie zusammen.
Der Besuch konzentrierte sich darauf, die Erfahrungen der Ukraine an der Front in eine praktische Zusammenarbeit mit deutschen Partnern zu überführen, insbesondere in den Bereichen militärische Digitalisierung, unbemannte Systeme, elektronische Kriegsführung, Ausbildung und Verteidigungsplanung.
Magura wurde von Angehörigen der 47. mechanisierten Brigade der Ukraine gegründet, die Kampferfahrung mit beruflicher Expertise in Recht, IT und Management verbinden. Die Organisation bietet spezialisierte militärische Ausbildungen an, wirkt an Bildungsangeboten für die Plattform Army+ mit, arbeitet an Lösungen im Bereich der elektronischen Kriegsführung und baut ein Analysezentrum auf, um die im Krieg gewonnenen Erkenntnisse zu sichern und institutionell zu verankern.
Während des Besuchs traf die Delegation mit Vertreterinnen und Vertretern der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr sowie deutscher Unternehmen aus den Bereichen Verteidigung und Technologie zusammen.
Im Mittelpunkt der Gespräche standen Drohnen, unbemannte Bodenfahrzeuge, Sensoren, Lagebilderfassung und elektronische Kriegsführung. Eine zentrale Erkenntnis aus den Erfahrungen der Ukraine war, wie schnell Technologien auf dem Gefechtsfeld veralten. Ein System, das heute effektiv funktioniert, kann innerhalb weniger Monate seinen Vorteil verlieren, wenn sich der Gegner entsprechend anpasst.
Um mit diesem Innovationszyklus Schritt zu halten, reicht eine schnellere Beschaffung allein nicht aus. Entscheidend sind kontinuierliche Tests, direktes Feedback von militärischen Anwendern, eine enge Zusammenarbeit mit Entwicklern sowie regulatorische Rahmenbedingungen, die eine schnelle Weiterentwicklung von Technologien ermöglichen.
Ein zentraler Programmpunkt des Besuchs war die Expertendiskussion „Ukraine gestaltet die Zukunft der Kriegsführung: Lehren für die europäische Sicherheitspolitik“ im LibMod Salon. An der Diskussion nahmen Vertreter von Magura sowie Stepan Rusyn, Koordinator des German-Ukrainian Partnership Program am TDC, teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daria Malling vom LibMod. Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Sicherheits- und Verteidigungskreisen in Deutschland nahmen an der Veranstaltung teil.
Die Diskussion hob zwei Aspekte der ukrainischen Erfahrungen hervor, die für die europäische Verteidigung besonders relevant sind: die Fähigkeit, miteinander vernetzte digitale Instrumente auf Grundlage der Bedürfnisse der Soldaten zu entwickeln und rasch zu skalieren, sowie den sich beschleunigenden technologischen Wettbewerb bei unbemannten Systemen und in der elektronischen Kriegsführung.
Die Teilnehmenden betonten, dass technologische Überlegenheit zunehmend nicht allein vom Besitz eines bestimmten Systems abhängt, sondern von der Fähigkeit, Technologien schneller als der Gegner zu integrieren, anzupassen und zu ersetzen. Einzelne Lösungen können dabei nicht isoliert eingesetzt werden: Unbemannte Plattformen benötigen widerstandsfähige Kommunikationssysteme, elektronische Kriegsführung muss mit nachrichtendienstlichen Fähigkeiten verknüpft sein und technologische Innovationen müssen durch entsprechende Doktrinen und Ausbildung unterstützt werden.
Das Programm umfasste zudem einen vertraulichen Austausch mit Beraterinnen und Beratern von Bundestagsabgeordneten sowie ein parlamentarisches Frühstück. Bei diesen Treffen wurde erörtert, wie Erfahrungen vom ukrainischen Gefechtsfeld systematischer in deutsche verteidigungspolitische Entscheidungsprozesse einfließen könnten, einschließlich der Bewertung, wie sich deutsche Ausrüstung und Ausbildung unter realen Einsatzbedingungen bewähren.
Eine solche Zusammenarbeit kann beiden Seiten zugutekommen: Ukrainische Einheiten können Lösungen erhalten, die besser an die operativen Realitäten angepasst sind, während deutsche Institutionen und Hersteller direkte Erkenntnisse von einem der technologisch dynamischsten Gefechtsfelder der Welt gewinnen.
Die Ukraine bleibt auf internationale Unterstützung angewiesen, zugleich haben ihre Erfahrungen aus dem Krieg sie zu einer wichtigen Quelle praktischer Expertise für die Zukunft der europäischen Verteidigung gemacht. Der direkte Austausch zwischen ukrainischen Praktikern und deutschen Entscheidungsträgern, militärischen Institutionen, Experten und der Industrie kann dazu beitragen, diese Erfahrungen in eine langfristige Zusammenarbeit zu überführen.
TDC und LibMod danken der Magura-Delegation sowie allen deutschen Partnern, die zum Programm beigetragen haben.