Überblick über die jüngsten russischen Falschmeldungen

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April 1, 2022

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Falschmeldung: USA schicken laut RIA Novosti ehemalige Soldaten der afghanischen Nationalarmee in das Kriegsgebiet in der Ukraine.

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Da kommen sie also, die „ausgebildeten Afghanen“. Jetzt behauptet Russlands RIA Novosti, die Amerikaner würden Afghanen in die Ukraine schicken, um dem Land bei der Abwehr der russischen Invasion zu helfen. Ihre geschätzte Zahl haben sie sogar schon berechnet. Dem Medienunternehmen zufolge soll es sich um eine Gruppe von 400 ehemaligen Angehörigen der afghanischen Nationalarmee handeln, die mit amerikanischen Waffen ausgerüstet sind. Den Russen wird erzählt, die USA seien bereit, in der Ukraine mithilfe ehemaliger Angehöriger der afghanischen Nationalarmee zu kämpfen. Die Quelle eines solchen Berichts bleibt, wie üblich, geheim; alles läuft auf eine „anonyme Quelle“ hinaus. Kein Wunder, denn es gibt schlicht keine Fakten oder öffentlichen Erklärungen, die die Absicht der USA bestätigen, Truppen in die Ukraine zu entsenden. Das Medium nennt nicht einmal die Herkunft oder die ungefähre Stellung der Quelle. So viel zur Glaubwürdigkeit der „anonymen“ Quelle … Doch der Kreml sucht einfach nach neuen Wegen, die eigene Bevölkerung einzuschüchtern und das Angstniveau hochzuhalten! Solche Aussagen sollen den Glauben befördern, Russland sei kein Aggressor, sondern lediglich gezwungen, die angebliche Bedrohung durch die USA oder die NATO zu beseitigen. Joe Biden hat wiederholt erklärt, dass US-Militär keinen Fuß in die Ukraine setzen werde. Das sagte er lange bevor Russland seine „Sonderoperation“ begann, und daran hat sich seither nichts geändert. Nun ja, abgesehen davon, dass er nach dem 24. Februar erklärte, amerikanische Truppen würden nicht am Krieg zwischen Russland und der Ukraine teilnehmen, sondern die NATO-Verbündeten in Osteuropa verstärken. In Polen bekräftigte Biden, dass die amerikanischen Streitkräfte in Europa nicht am Krieg teilnehmen, sondern die NATO-Verbündeten schützen sollen. Übrigens brach die afghanische Nationalarmee unter dem Ansturm der Taliban faktisch zusammen, nachdem die USA im August 2021 ihre Truppen abgezogen hatten. Die Armee ließ ihre Stützpunkte, Waffen und Fahrzeuge zurück, die anschließend von den Taliban übernommen wurden. Militärangehörige wurden mit den letzten Flügen aus Kabul evakuiert, doch viele einfache Soldaten blieben in Afghanistan. Wir müssen also erst noch herausfinden, welche Kräfte die russischen Medien genau behaupten, die Amerikaner sollten in der Ukraine einsetzen.

Falschmeldung: Einwohner von Charkiw werden von Neonazis blockiert und von Kämpfern als menschliche Schutzschilde festgehalten.

Russische Verteidigungsvertreter haben ein Update zur Lage in Charkiw veröffentlicht. Ein Militärvertreter behauptete laut TASS, die ukrainischen Kräfte hinderten die Bewohner daran, aus der Stadt zu fliehen.

Einwohner von Charkiw werden angeblich von Neonazis blockiert und von Kämpfern als menschliche Schutzschilde festgehalten. Außerdem würden Nationalisten laut dem Vertreter schwere Militärausrüstung in Wohngebieten aufstellen und Feuerstellungen in Wohnblöcken einrichten. Dies alles geschehe durch Kämpfer, die einen direkten Befehl aus Kyjiw ausführten, beliebiges Eigentum und Ausrüstung der Zivilbevölkerung zu nutzen, die sie benötigten, Wohnungen zu betreten und dort Feuerstellungen einzurichten, heißt es in dem Bericht. Bei der geringsten Unzufriedenheit der Eigentümer dürften die Kräfte sie angeblich auf der Stelle erschießen. Ähnliche Schauergeschichten wurden bereits über Mariupol verbreitet, die Stadt, die Russland zufolge von … den Ukrainern selbst zerstört wurde (wie bitte?!). Sowohl Mariupol als auch Charkiw stehen unter ständigem Beschuss durch die russischen Befreier – nur weil sie sich nicht ergeben wollten. Natürlich war das für die russischen Truppen ein herber Rückschlag, denn man hatte ihnen versprochen, die Einheimischen würden sie mit Blumen empfangen, während die ukrainischen Kräfte innerhalb weniger Tage die Waffen niederlegen würden. Die Realität vor Ort erwies sich jedoch als völlig anders. Wenn sie sich also nicht ergeben, müssen sie zerstört werden. Das ist die russische Logik. Gleichzeitig muss ein weiteres Märchen erfunden werden, um russische Handlungen zu rechtfertigen und irgendwelche mythischen „Nationalisten“ zu verurteilen. Doch die Wahrheit ist völlig anders. Tatsächlich war Charkiw einst eine Russland gegenüber recht loyale Stadt – bis der Kreml den Krieg entfesselte. Jetzt ist es allein Russlands Schuld, dass sich alles auf den Kopf gestellt hat. Wie man sagt: Zwischen Liebe und Hass liegt nur ein Schritt. In diesem Fall ist es ein Schuss. Hier einige Zahlen, um sich ein Bild zu machen … Der Bürgermeister der Stadt berichtet regelmäßig über die Zerstörung und die Opfer und erklärt, dass er nicht aufgeben wird. Durch russischen Beschuss und Luftangriffe in Charkiw wurden bereits fast 1.200 Wohnblöcke, 53 Kindergärten, 69 Schulen und 15 Krankenhäuser zerstört. Die russische Armee greift, so betonte er, gezielt Wohngebiete an. Es handelt sich nicht nur um einzelne Häuser, sondern um ganze Viertel. Die Bewohner sind flächendeckendem Bombardement ausgesetzt und gezwungen, in Kellern und U-Bahn-Stationen Schutz zu suchen. Die Russen eröffnen wahllos das Feuer mit Mehrfachraketenwerfersystemen vom Typ Grad und Smerch. Erst kürzlich beschossen russische Truppen ein örtliches Postamt, töteten sechs Menschen und verletzten 17. Dies sind alles Informationen aus offenen Quellen, die sich leicht überprüfen lassen. Charkiw wird also von russischen „Befreiern“ angegriffen und nicht von ukrainischen „Nazis“, „Kämpfern“ oder wem auch immer „blockiert“.