
Stepan Rusyn, Koordinator des deutsch-ukrainischen Partnerschaftsprogramms am Transatlantic Dialogue Center, war bei TVP World (Polens englischsprachigem 24/7-Nachrichtensender) zu Gast, um über die aktuellen Dynamiken in den Beziehungen der Ukraine zu den Vereinigten Staaten und Europa sowie über die realistischen Rahmenbedingungen für den Weg der Ukraine zur EU-Mitgliedschaft zu sprechen.
Rusyn betonte, dass Deutschland weiterhin eine wichtige Fürsprecherrolle für die Ukraine in Washington spielt und gemeinsam mit anderen europäischen Partnern daran arbeitet, den Krieg auf der amerikanischen Agenda zu halten, auch wenn sich die Aufmerksamkeit der USA zunehmend auf den Iran und den Nahen Osten verlagert. Er unterstrich, dass die transatlantische Koordination zur Ukraine voraussichtlich bestehen bleibt, solange die USA weiterhin Geheimdienstinformationen liefern und US-Waffensysteme bereitstellen, die von europäischen Verbündeten finanziert werden. Zugleich warnte er, dass größere neue Initiativen seitens der USA in naher Zukunft unwahrscheinlich seien.
Außerdem hob er den geplanten Austausch von rund 500 Kriegsgefangenen als eines der wenigen wirklich praktischen Ergebnisse der laufenden Ukraine–Russland-Verhandlungen hervor. Da Berichten zufolge weiterhin über 6.000 ukrainische Kriegsgefangene in russischer Haft sind und sich etwa 4.000 russische Kriegsgefangene in der Ukraine befinden, bestehe Potenzial für weitere Austausche – auch wenn umfassendere diplomatische Durchbrüche kurzfristig unwahrscheinlich bleiben.
Mit Blick auf die europäische Perspektive der Ukraine stellte Rusyn klar, dass der EU-Beitritt das zentrale strategische Ziel der Ukraine bleibt, der Zeitplan jedoch sowohl durch politische als auch durch prozedurale Realitäten begrenzt ist. Er verwies auf zunehmende Diskussionen darüber, den EU-Erweiterungsrahmen an die aktuelle Sicherheitslage anzupassen, unter anderem durch ein mögliches Modell der „schrittweise Integration“. Gleichzeitig betonte er, dass Fortschritte bei den Grundvoraussetzungen – insbesondere Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung – entscheidend bleiben werden, da wichtige EU-Mitgliedstaaten wie Polen, Deutschland und Frankreich bei diesen Kriterien voraussichtlich keine Kompromisse akzeptieren.
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