
Am 22. Januar 2026 teilte Alina Rohach, Projektleiterin des Spanien- und Lateinamerika-Partnerschaftsprogramms beim Transatlantic Dialogue Center, ihre Einschätzungen mit Escenario Mundial (einem in Argentinien ansässigen Medienunternehmen für internationale Angelegenheiten und Geopolitik) darüber, wie die ukrainische Gesellschaft den vierten Winter des russischen Angriffskrieges angesichts fortgesetzter Angriffe auf die Energieinfrastruktur übersteht.
Rohach erläuterte, wie systematische Angriffe auf Strom- und Wärmesysteme den Alltag in Kyjiw und anderen Städten grundlegend verändern und Menschen sowie Unternehmen dazu zwingen, sich an Stromausfälle und unvorhersehbare Versorgungsfenster anzupassen. Sie verwies auf den Angriff vom 9. Januar als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie diese Angriffe sich unmittelbar auf die humanitäre Lage auswirken: Teile der Hauptstadt waren während einer extremen Kältewelle von Ausfällen bei Strom, Heizung und Wasserversorgung betroffen, als die Temperaturen auf etwa –15 °C sanken, und einige Wohngebäude blieben bis zu 72 Stunden lang ohne Heizung.
Über den technischen Schaden hinaus betonte Rohach den übergeordneten Zweck der Kampagne: die soziale Stabilität zu untergraben, indem die Vorhersehbarkeit des Alltagslebens angegriffen wird. Sie hob zudem die historische Dimension dieser Angriffe hervor und wies darauf hin, dass der gezielte Einsatz der winterlichen Härte als Druckmittel tief im kollektiven Gedächtnis der Ukraine verankert ist. Dies spiegele sich in den Vergleichen wider, die viele Ukrainerinnen und Ukrainer mit dem Holodomor von 1932–1933 ziehen, als das Leiden der Zivilbevölkerung als Instrument der Herrschaft genutzt wurde, und präge maßgeblich, wie die Gesellschaft die heutigen Energieangriffe interpretiert. Vor diesem Hintergrund unterstrich sie, dass die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit nicht auf der Erwartung eines schnellen Kriegsendes beruhe, sondern auf einem nüchternen Verständnis seiner voraussichtlichen Dauer und einem anhaltenden Bekenntnis zu Souveränität und Verantwortlichkeit, selbst in Zeiten der Ermüdung und Unsicherheit.
Durch die Zusammenarbeit mit internationalen Medien trägt das Spanien- und Lateinamerika-Partnerschaftsprogramm des TDC dazu bei, in der Ukraine verankertes Fachwissen einem lateinamerikanischen Publikum zugänglich zu machen und das internationale Bewusstsein für Russlands Krieg und seine Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung zu stärken.
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