{"id":38122,"date":"2026-07-23T14:56:31","date_gmt":"2026-07-23T11:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/tdcenter.org\/?p=38122"},"modified":"2026-08-15T17:05:22","modified_gmt":"2026-08-15T14:05:22","slug":"das-arsenal-der-erfahrung-die-wachsende-rolle-der-ukraine-als-sicherheitsanbieterin-in-europa-und-daruber-hinaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdcenter.org\/it\/2026\/07\/23\/das-arsenal-der-erfahrung-die-wachsende-rolle-der-ukraine-als-sicherheitsanbieterin-in-europa-und-daruber-hinaus\/","title":{"rendered":"Das Arsenal der Erfahrung: Die wachsende Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieterin in Europa und dar\u00fcber hinaus"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-quick-download-button-download-button aligncenter qdbn-wrapper\"><div class=\"qdbn\" data-plugin-name=\"qdbn\" data-style=\"small\" data-file=\"hide-file\" data-size=\"hide-size\" data-icon-position=\"left\"><div class=\"qdbn-download-button-inner\"><button type=\"button\" data-button-type=\"small\" class=\"g-btn f-l\" style=\"background-color:#0e107b;color:#ffffff;border-radius:25px\" data-attachment-id=\"57025\" data-page-id=\"18850\" data-post-id=\"\" data-have-external=\"false\" data-external-url=\"\" data-wait-duration=\"0\" data-target-blank=\"true\" data-msg=\"Please wait...\" data-member=\"0\" data-has-icon-dark=\"false\" title=\"PDF herunterladen\"><span class=\"download-btn-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\" width=\"20\" height=\"20\" aria-hidden=\"true\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M18 11.3l-1-1.1-4 4V3h-1.5v11.3L7 10.2l-1 1.1 6.2 5.8 5.8-5.8zm.5 3.7v3.5h-13V15H4v5h16v-5h-1.5z\"><\/path><\/svg><\/span><span>PDF herunterladen<\/span><\/button><p class=\"up\" style=\"border-radius:0\"><i class=\"fi fi-pdf\"><\/i><\/p><p class=\"down\" style=\"border-radius:0\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 24 24\" width=\"20\" height=\"20\" aria-hidden=\"true\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M10 4H4c-1.1 0-1.99.9-1.99 2L2 18c0 1.1.9 2 2 2h16c1.1 0 2-.9 2-2V8c0-1.1-.9-2-2-2h-8l-2-2z\"><\/path><\/svg><span class=\"file-size\">15 MB<\/span><\/p><\/div><\/div><quick-download-button-info class=\"qdb-btn-info\"><\/quick-download-button-info><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine befindet sich in einem grundlegenden Wandel ihrer Sicherheitsidentit\u00e4t: von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Abh\u00e4ngigkeit von externer Unterst\u00fctzung hin zum Aufbau eigener F\u00e4higkeiten und zunehmend auch zum Export dieser F\u00e4higkeiten sowie ihrer beispiellosen operativen Erfahrungen an Partnerstaaten. Mehr als vier Jahre des Angriffskrieges haben die Ukraine zu einem Land gemacht, dessen kampferprobte F\u00e4higkeiten und innovative Verteidigungsindustrie einen strategischen Vorteil darstellen, den Europa, so der EU-Kommissar f\u00fcr Verteidigung und Raumfahrt Andrius Kubilius, \u201ekeine Zeit zu verlieren\u201c habe, zu integrieren, und der zugleich f\u00fcr Partner weit \u00fcber Europa hinaus von gro\u00dfem Nutzen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Wandel vollzieht sich in einem zunehmend gef\u00e4hrlichen Sicherheitsumfeld in Europa. Zivile und milit\u00e4rische Entscheidungstr\u00e4gerInnen der NATO-Mitgliedstaaten betrachten die M\u00f6glichkeit einer russischen milit\u00e4rischen Aggression nicht mehr als ein entferntes Risikoszenario, sondern als grundlegende Planungsannahme. Diese Einsch\u00e4tzung wird durch anhaltende F\u00e4higkeitsl\u00fccken innerhalb des B\u00fcndnisses sowie durch die Bestrebungen der Trump- Regierung verst\u00e4rkt, das Engagement der Vereinigten Staaten f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheit zu reduzieren. Sofern es in Russland nicht zu einem Staatszerfall kommt, wird das Land aus dem Krieg mit einer kampferfahrenen Armee und im Krieg bew\u00e4hrten Anpassungsf\u00e4higkeiten hervorgehen. Zudem hat Moskau bereits die Voraussetzungen f\u00fcr eine intensivere Phase der milit\u00e4rischen Wiederherstellung und Aufr\u00fcstung in der Nachkriegszeit geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alle Quellenangaben zu dieser Forschungsarbeit sind im vollst\u00e4ndigen PDF-Dokument enthalten.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-1024x768.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-37773\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-1024x768.webp 1024w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-600x450.webp 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-768x576.webp 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-1536x1152.webp 1536w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f-16x12.webp 16w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\u0437\u0430\u0432\u0430\u043d\u0442\u0430\u0436\u0435\u043d\u043d\u044f.webp 1760w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: The Associated Press. (6. Januar 2026). Gro\u00dfbritannien und Frankreich w\u00fcrden im Rahmen eines Friedensplans \u201emilit\u00e4rische Hubs\u201c in der Ukraine errichten. NPR. <a href=\"https:\/\/www.npr.org\/2026\/01\/06\/g-s1-104730\/progress-ukraine-talks-paris-uncertain\">https:\/\/www.npr.org\/2026\/01\/06\/g-s1-104730\/progress-ukraine-talks-paris-uncertain<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehren aus diesem Krieg verbreiten sich inzwischen auch \u00fcber Europa hinaus. Staaten, die \u00fcber die F\u00e4higkeiten und die nachweisliche Bereitschaft verf\u00fcgen, ihre Nachbarn zu bedrohen, insbesondere China und Iran, analysieren und \u00fcbernehmen ukrainische und russische Innovationen und passen diese f\u00fcr ihre eigenen strategischen Zwecke an. Vor diesem Hintergrund gewinnt der in diesem Bericht untersuchte Wandel zus\u00e4tzlich an Dringlichkeit: Es geht nicht nur darum, ob sich die Ukraine zu einer Anbieterin von Sicherheit entwickeln kann, sondern auch darum, ob die derzeit entstehende institutionelle Architektur rechtzeitig dauerhaft verankert werden kann, bevor sich dieses Zeitfenster schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Bericht wird der Wandel der Ukraine anhand von drei Dimensionen untersucht. Zun\u00e4chst untersucht der Bericht die Innovationen auf dem Gefechtsfeld sowie die Rahmenbedingungen der Verteidigungszusammenarbeit, durch die die Ukraine und ihre Partner ihre Verteidigungsbeziehungen neu gestaltet haben. Dabei vollzieht sich der \u00dcbergang von kurzfristiger Nothilfe hin zu einer nachhaltigen industriellen Integration und einem strukturierten Wissenstransfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschlie\u00dfend analysiert der Bericht, wie dieser Wandel institutionell verankert wird. In Europa erfolgt dieser Prozess entlang eines integrativen Ansatzes durch bilaterale Sicherheitsabkommen, Partnerschaften zur gemeinsamen R\u00fcstungsproduktion sowie Vereinbarungen zum Wissenstransfer, in denen die ukrainischen Erfahrungen aus dem Krieg ausdr\u00fccklich als der zu vermittelnde strategische Mehrwert benannt werden. Au\u00dferhalb Europas verl\u00e4uft dieser Wandel auf einem vielf\u00e4ltigeren, h\u00e4ufig kommerziell-strategisch gepr\u00e4gten Weg, bei dem Partner im Austausch gegen materielle und strategische Vorteile Zugang zu den kampferprobten F\u00e4higkeiten und den operativen Erfahrungen der Ukraine anstreben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend richtet der Bericht den Blick auf die Rolle der Ukraine in der Nachkriegszeit. Er argumentiert, dass die derzeit entstehenden institutionellen Strukturen den entscheidenden Mechanismus darstellen, um einen zeitlich begrenzten Vorteil auf dem Gefechtsfeld in den dauerhaften Status eines Sicherheitsgaranten umzuwandeln. Der Wert der ukrainischen Kriegserfahrungen wird mit dem Ende des Krieges nicht verschwinden, jedoch allm\u00e4hlich abnehmen, sobald der existenzielle Innovationsdruck nachl\u00e4sst. Zudem wird diese Abwertung voraussichtlich nicht in einem Umfeld stabiler Nachkriegsverh\u00e4ltnisse stattfinden: Die heute entstehende institutionelle Architektur k\u00f6nnte sich vielmehr unter Bedingungen einer anhaltenden oder sogar zunehmenden Bedrohung bew\u00e4hren m\u00fcssen. Ob sie sich als belastbar genug erweisen wird, um diesen Vorteil in eine dauerhafte Rolle der Ukraine als Sicherheitsgarant zu \u00fcberf\u00fchren, bildet die zentrale Fragestellung dieses Berichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-wichtigste-erkenntnisse\"><strong><strong>Wichtigste Erkenntnisse<\/strong><\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die ukrainische Verteidigungsindustrie hat sich parallel zu ihrem traditionellen, staatlich gepr\u00e4gten Modell grundlegend erweitert.<\/strong> Eine wachsende Zahl neuer privater Unternehmen im Bereich der Verteidigungstechnologie mit schnelleren Beschaffungs- und Entwicklungszyklen hat sich als dynamische zus\u00e4tzliche Ebene etabliert. Auch die Zivilgesellschaft spielte bei diesem Wandel eine pr\u00e4gende Rolle: Sie trug dazu bei, F\u00e4higkeitsl\u00fccken zu schlie\u00dfen, die bestehende staatliche Strukturen nicht abdecken konnten, und f\u00f6rderte die informellen R\u00fcckkopplungsmechanismen zwischen Zivilgesellschaft und Streitkr\u00e4ften, die heute das Fundament des ukrainischen Innovations\u00f6kosystems bilden.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das ukrainische Verteidigungsbeschaffungsmodell hat sich von einer \u00fcberwiegend auf externer Unterst\u00fctzung basierenden Struktur zu einem Modell entwickelt, das zunehmend auf eigener Produktion beruht.<\/strong> Zwischen 2024 und 2025 stieg der Anteil der Beschaffungsvertr\u00e4ge f\u00fcr Waffen, Ausr\u00fcstung und Munition, die an ukrainische Hersteller vergeben wurden, von 46 % auf 82 % des gesamten Beschaffungsvolumens. Gleichzeitig sank der Anteil milit\u00e4rischer Importe von 54 % auf 18 %.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Das ukrainische Drohnen\u00f6kosystem ist nicht nur aufgrund seines Umfangs, sondern vor allem wegen seiner au\u00dfergew\u00f6hnlichen Entwicklungs-geschwindigkeit von strategischer Bedeutung.<\/strong> Kennzeichnend ist ein Innovations- und Anpassungszyklus von lediglich sechs Wochen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber eine weltweit einzigartige operative Erfahrung im Bereich der Drohnenabwehr.<\/strong> Zwar befindet sich eine vollst\u00e4ndig integrierte Architektur zur Abwehr unbemannter Systeme noch im Aufbau, doch die Nachfrage der Partner nach Zugang zu den operativen Erkenntnissen und F\u00e4higkeiten der Ukraine ist bereits heute hoch und nimmt weiter zu.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die auf dem Gefechtsfeld gewonnenen Daten stellen einen eigenst\u00e4ndigen strategischen Wert dar.<\/strong> Ein im M\u00e4rz 2026 verabschiedetes Rahmenwerk f\u00fcr den Austausch von KI-Trainingsdaten im Kampfbereich mit Partnern formalisiert die bisherige Ad-hoc-Zusammenarbeit und schafft einen offiziellen Weg f\u00fcr die Ukraine, das Ausgangsmaterial bereitzustellen, auf dessen Grundlage milit\u00e4rische KI-Systeme der n\u00e4chsten Generation entwickelt werden k\u00f6nnen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung l\u00e4sst sich deutlich leichter \u00fcbertragen als die dazugeh\u00f6rige Doktrin, operative Konzepte oder institutionelle Mechanismen.<\/strong> Die Partner der Ukraine erleben diese L\u00fccke bereits in der Praxis, unter anderem bei gemeinsamen \u00dcbungen, die die operative \u00dcberlegenheit der ukrainischen Streitkr\u00e4fte verdeutlichen. Gleichzeitig beginnt die Ukraine, ihre Beteiligung an grundlegenden Ausbildungsprogrammen im Ausland schrittweise zu reduzieren. F\u00fchrende ukrainische VertreterInnen weisen darauf hin, dass westliche Ausbildungsprogramme zunehmend von den aktuellen Realit\u00e4ten des modernen Gefechtsfeldes abgekoppelt seien.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Ukraine bestimmt zunehmend selbst die Rahmenbedingungen ihrer Verteidigungsbeziehungen und nimmt nicht einfach nur das an, was ihre Partner ihr anbieten.<\/strong> Mit der Initiative \u201eBuild in Ukraine\u201c verlangt sie von ausl\u00e4ndischen Partnern den Aufbau lokaler Produktionskapazit\u00e4ten in der Ukraine. Gleichzeitig erm\u00f6glicht die Initiative \u201eBuild with Ukraine\u201c die Lizenzierung ukrainischer Entwicklungen an Produktionsstandorte in Partnerstaaten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Auf europ\u00e4ischer Ebene entwickelt sich ein integrativer Ansatz schrittweise von politischen Absichtserkl\u00e4rungen hin zu konkreten Mechanismen der Verteidigungszusammenarbeit. <\/strong>Die Fallstudien zu den Partnerschaften der Ukraine mit dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Deutschland, D\u00e4nemark und den Niederlanden zeigen ein weitgehend einheitliches Muster. Zun\u00e4chst schaffen bilaterale Sicherheitsabkommen den politischen Rahmen der Zusammenarbeit. Anschlie\u00dfend werden diese Partnerschaften durch spezialisierte Instrumente praktisch umgesetzt. Bis 2026 haben alle untersuchten Partnerschaften eine fortgeschrittene Phase erreicht, die durch Vereinbarungen \u00fcber gemeinsame Produktion, Lizenzierungsmodelle und Mechanismen zum Datenaustausch gekennzeichnet ist.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Au\u00dferhalb Europas entsteht parallel ein kommerziell-strategischer Kooperationspfad, der ebenfalls langfristige Partnerschaften hervorbringt. <\/strong>Die Beweggr\u00fcnde der beteiligten Staaten sind jedoch deutlich vielf\u00e4ltiger als in Europa, und die Zusammenarbeit ist institutionell weniger stark verankert. So haben Golfstaaten, die sich mit der Bedrohung durch russisch modifizierte iranische Drohnen konfrontiert sehen, zehnj\u00e4hrige Kooperationsabkommen mit der Ukraine geschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarungen tauschen sie Abfangsysteme, Finanzmittel und Energieressourcen gegen ukrainisches Know-how im Bereich der Drohnentechnologie aus. Dar\u00fcber hinaus entstehen auch in anderen Weltregionen neue Partnerschaften, unter anderem mit Japan.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Integration der Ukraine in die Verteidigungs\u00f6kosysteme ihrer Partner stellt einen strukturellen Vorteil dar, den Russland mit seinen internationalen Kooperationen nicht nachbilden kann. <\/strong>W\u00e4hrend Russland auf Lieferungen und Unterst\u00fctzung aus China, dem Iran und Nordkorea angewiesen ist, wird die Ukraine zunehmend in die Verteidigungs\u00f6kosysteme technologisch f\u00fchrender Staaten eingebunden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der \u00dcbergang der Ukraine zu einem dauerhaften Sicherheitsgaranten nach dem Krieg h\u00e4ngt weniger von ihren milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten als vom politischen Willen ihrer Partner ab, die eingegangenen Verpflichtungen auch dann aufrechtzuerhalten, wenn der unmittelbare Kriegsdruck nachl\u00e4sst.<\/strong> Die derzeit entstehenden Strukturen, darunter Vereinbarungen \u00fcber gemeinsame R\u00fcstungsproduktion, Klauseln zur gegenseitigen Unterst\u00fctzung sowie Lizenzierungsmodelle, bilden den institutionellen Mechanismus, mit dem ein zeitlich begrenzter Vorteil auf dem Gefechtsfeld in eine langfristige Rolle der Ukraine als Sicherheitsgarant in einem sich weiter verschlechternden Sicherheitsumfeld \u00fcberf\u00fchrt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-kriegsinnovationen-der-ukraine\"><strong>Kriegsinnovationen der Ukraine<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vier Jahre seit Beginn der russischen Vollinvasion haben die Ukraine dazu gezwungen, ein Modell milit\u00e4rischer Innovation zu entwickeln, das sich grundlegend von den in Friedenszeiten entstandenen Innovationsmodellen ihrer Partner unterscheidet. Diese Innovationen reichen von Hightech-L\u00f6sungen, etwa dem Einsatz ukrainischer luft- und bodengest\u00fctzter unbemannter Systeme zur Einnahme russischer Stellungen, bis hin zu einfachen, aber wirkungsvollen Gegenma\u00dfnahmen wie dem gro\u00dffl\u00e4chigen Einsatz von Schutznetzen zur Abwehr von Drohnenangriffen. Dieses Modell zeichnet sich durch hohe Geschwindigkeit, gro\u00dfe Skalierbarkeit, knappe Ressourcen, dezentrale Strukturen sowie eine enge Verzahnung zwischen \u00f6ffentlichem und privatem Sektor aus und wird durch einen intensiven technologischen Wettbewerb mit Russland vorangetrieben. Die Ukraine entwickelt Innovationen in den Bereichen milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung, Doktrin und operative Verfahren, Organisationsstrukturen sowie im zivil-milit\u00e4rischen Innovations\u00f6kosystem. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass diese Innovationen inzwischen gezielt f\u00fcr internationale Partner aufbereitet werden, die bestrebt sind, die ukrainischen Erfahrungen vom Gefechtsfeld f\u00fcr ihre eigenen Streitkr\u00e4fte und milit\u00e4rischen Institutionen zu \u00fcbernehmen und an ihre Bed\u00fcrfnisse anzupassen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nachfolgend dargestellten Innovationen konzentrieren sich beispielhaft auf unbemannte Systeme, die elektronische Kampff\u00fchrung, Daten- und Gefechtsmanagement sowie operative Anpassungsf\u00e4higkeit. Sie stehen stellvertretend f\u00fcr ein wesentlich breiteres Spektrum ukrainischer Innovationen auf dem Gefechtsfeld, zu dem unter anderem auch Befestigungssysteme, Systeme zur nachrichtendienstlichen Aufkl\u00e4rung, digitale Resilienz sowie die Gefechtsmedizin geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37752\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-2.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-2-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-2-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-2-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pr\u00e4sidialamt der Ukraine. (14. April 2026). <em>Wolodymyr Selenskyj und Friedrich Merz wurden sieben Drohnenmodelle vorgestellt, die von ukrainischen Unternehmen hergestellt werden und f\u00fcr die bereits Absichtserkl\u00e4rungen \u00fcber die m\u00f6gliche Gr\u00fcndung ukrainisch-deutscher Joint Ventures unterzeichnet wurden.<\/em><a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/volodimiru-zelenskomu-ta-fridrihu-mercu-prodemonstruvali-sim-103829\"> https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/volodimiru-zelenskomu-ta-fridrihu-mercu-prodemonstruvali-sim-103829<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Diese Innovationen unterscheiden sich jedoch erheblich hinsichtlich ihrer \u00dcbertragbarkeit auf die Streitkr\u00e4fte der Partnerstaaten<\/strong>. Die wissenschaftliche Literatur zur Diffusion milit\u00e4rischer Innovationen zeigt, dass sich materielle Innovationen \u2013 insbesondere neue Waffensysteme und milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung \u2013 im Allgemeinen wesentlich leichter verbreiten als die operativen Konzepte, institutionellen Anpassungen und organisatorischen Ver\u00e4nderungen, die f\u00fcr ihren wirksamen Einsatz erforderlich sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-neugewichtung-der-verteidigungszusammenarbeit\">Neugewichtung der Verteidigungszusammenarbeit<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Art und Weise, wie Partner Zugang zu ukrainischen Innovationen erhalten, bestimmt sowohl, was transferiert werden kann, als auch, wie lange diese Transfers andauern. Aus diesem Grund bildet die Untersuchung der sich entwickelnden Beziehungen der Ukraine im Verteidigungs-bereich den Ausgangspunkt f\u00fcr diesen Bericht.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-vom-empfanger-zum-hersteller\" class=\"wp-block-heading\">Vom Empf\u00e4nger zum Hersteller<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die internationale Koalition, die sich 2022 zur Unterst\u00fctzung der ukrainischen Verteidigung gebildet hatte, weicht einer grundlegend anderen Konstellation, da die ukrainische verteidigungsindustrielle Basis (VIB) mittlerweile den Gro\u00dfteil des Bedarfs an der Front in den meisten Ausr\u00fcstungskategorien deckt. Seit 2022 hat sich die ukrainische VIB erheblich ausgeweitet. Neben dem traditionellen, staatlich gepr\u00e4gten Modell ist eine Vielzahl neuer privater Unternehmen im Bereich der Verteidigungstechnologie entstanden, die mit deutlich schnelleren Beschaffungs-, Entwicklungs- und Einf\u00fchrungszyklen arbeiten. JSC Ukrainian Defence Industry (ehemals UkrOboronProm) sowie die ihr angeschlossenen staatlichen Strukturen behalten zwar ihre dominierende Stellung in den traditionellen R\u00fcstungsbereichen, doch das private Innovations\u00f6kosystem \u2013 dem weniger aus strategischer Planung als aus der Notwendigkeit heraus Handlungsspielr\u00e4ume er\u00f6ffnet wurden \u2013 stellte bis 2025 in einigen Sektoren bereits bis zu 90 % der Produktion und entwickelte sich zum wichtigsten Motor der Innovationen auf dem Gefechtsfeld. Zwischen 2024 und 2025 stieg der Anteil der Beschaffungsvertr\u00e4ge f\u00fcr Waffen, Ausr\u00fcstung und Munition, die an ukrainische Hersteller vergeben wurden, von 46 % auf 82 % des gesamten Beschaffungsvolumens, w\u00e4hrend der Anteil milit\u00e4rischer Importe von 54 % auf 18 % zur\u00fcckging.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die internationale Koalition, die sich 2022 zur Unterst\u00fctzung der ukrainischen Verteidigung gebildet hatte, weicht einer grundlegend anderen Konstellation, da die ukrainische verteidigungsindustrielle Basis (VIB) mittlerweile den Gro\u00dfteil des Bedarfs an der Front in den meisten Ausr\u00fcstungskategorien deckt. Seit 2022 hat sich die ukrainische VIB erheblich ausgeweitet. Neben dem traditionellen, staatlich gepr\u00e4gten Modell ist eine Vielzahl neuer privater Unternehmen im Bereich der Verteidigungstechnologie entstanden, die mit deutlich schnelleren Beschaffungs-, Entwicklungs- und Einf\u00fchrungszyklen arbeiten. JSC Ukrainian Defence Industry (ehemals UkrOboronProm) sowie die ihr angeschlossenen staatlichen Strukturen behalten zwar ihre dominierende Stellung in den traditionellen R\u00fcstungsbereichen, doch das private Innovations\u00f6kosystem \u2013 dem weniger aus strategischer Planung als aus der Notwendigkeit heraus Handlungsspielr\u00e4ume er\u00f6ffnet wurden \u2013 stellte bis 2025 in einigen Sektoren bereits bis zu 90 % der Produktion und entwickelte sich zum wichtigsten Motor der Innovationen auf dem Gefechtsfeld.<sup>[9]<\/sup> Zwischen 2024 und 2025 stieg der Anteil der Beschaffungsvertr\u00e4ge f\u00fcr Waffen, Ausr\u00fcstung und Munition, die an ukrainische Hersteller vergeben wurden, von 46 % auf 82 % des gesamten Beschaffungsvolumens, w\u00e4hrend der Anteil milit\u00e4rischer Importe von 54 % auf 18 % zur\u00fcckging.<sup>[10]<\/sup><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"766\" height=\"296\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38123\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-2.png 766w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-2-600x232.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-2-18x7.png 18w\" sizes=\"(max-width: 766px) 100vw, 766px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nach den Worten von Arsen Schumadilow, Direktor von Ukrainian Defence Procurement Agency, <em>\u201cerm\u00f6glicht die Konzentration auf den Binnenmarkt den Herstellern, ihre Produktion auszuweiten, die Einf\u00fchrung von Innovationen zu beschleunigen und die Streitkr\u00e4fte mit L\u00f6sungen zu versorgen, die den tats\u00e4chlichen Anforderungen der Front entsprechen, w\u00e4hrend die Abh\u00e4ngigkeit von externen Lieferanten verringert wird.\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch gibt es weiterhin kritische Waffensysteme und Munitionsarten, etwa die in den USA hergestellten Luftabwehrraketen f\u00fcr die Patriot-Systeme, die weltweit nur in begrenzter St\u00fcckzahl verf\u00fcgbar sind und derzeit nicht durch andere Systeme ersetzt werden k\u00f6nnen. Durch die Entwicklung neuer Finanzierungsmodelle und gezielte Investitionen in Schl\u00fcsselbereiche der ukrainischen Verteidigungsindustrie arbeiten Kyjiw und seine Partner jedoch daran, diese F\u00e4higkeitsl\u00fccken schrittweise zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Lagerbest\u00e4nde der Geberstaaten seit 2022 kontinuierlich zur\u00fcckgegangen sind, haben die Ukraine und ihre Partner ihre Unterst\u00fctzung zunehmend auf Modelle der direkten Finanzierung sowie der gemeinsamen Produktion umgestellt. In Europa verfolgen diese Modelle ausdr\u00fccklich einen integrativen Ansatz: Sie sollen die Ukraine tiefer in die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur einbinden, w\u00e4hrend das Land gleichzeitig seinen Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union und zur NATO anstrebt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferhalb Europas sind die Beweggr\u00fcnde vielf\u00e4ltiger, wobei wirtschaftlich-strategische \u00dcberlegungen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen und Kooperationsabkommen tendenziell weniger institutionell verankert sind. Die meisten Partner lassen sich dennoch eher von konkreten Sicherheitsbedenken in ihren eigenen Regionen leiten als von rein transaktionalen Interessen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-12.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37775\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-12.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-12-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-12-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-12-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kushnikov, V. (26. Februar 2025). Die Produktionskapazit\u00e4t der ukrainischen R\u00fcstungsindustrie stieg um 75 %. Militarnyi. <a href=\"https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/production-capacity-of-ukrainian-defense-industry-increased-by-75\/\">https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/production-capacity-of-ukrainian-defense-industry-increased-by-75\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-modelle-der-verteidigungszusammenarbeit\" class=\"wp-block-heading\">Modelle der Verteidigungszusammenarbeit<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sogenannte \u201ed\u00e4nische Modell\u201c erm\u00f6glicht es Regierungen von Partnerstaaten, Vertr\u00e4ge mit vorab zugelassenen ukrainischen Unternehmen f\u00fcr die Beschaffung von Waffen unmittelbar zu finanzieren beziehungsweise zu erstatten. 2025 mobilisierte dieses Modell Finanzmittel in H\u00f6he von mehr als 2 Milliarden US-Dollar und damit rund das Vierfache der 538 Millionen Euro, die 2024 bereitgestellt wurden. Ein aktueller Bericht von RAND Europe, der im Auftrag des ukrainischen Ministeriums f\u00fcr digitale Transformation erstellt wurde, kommt zu dem Schluss, dass dieser Ansatz \u201cdie gr\u00f6\u00dften Hindernisse f\u00fcr eine gemeinsame Produktion umgeht<em>\u201d und \u201cdie derzeit beste verf\u00fcgbare M\u00f6glichkeit darstellt, [die Ukraine] praktisch zu unterst\u00fctzen, ohne die europ\u00e4ischen Munitionsbest\u00e4nde weiter zu ersch\u00f6pfen<\/em>.\u201d Zudem hat D\u00e4nemark begonnen, \u00fcber denselben Mechanismus Finanzmittel aus Schweden, Norwegen, den Niederlanden sowie aus eingefrorenen russischen Verm\u00f6genswerten zu b\u00fcndeln und damit den urspr\u00fcnglich bilateralen Mechanismus zu einer multilateralen Finanzierungsplattform auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Partnerstaaten haben bilaterale Kredit- und Kooperationsrahmen f\u00fcr die gemeinsame R\u00fcstungsproduktion geschaffen, die eine deutlich tiefere industrielle Integration erm\u00f6glichen als das d\u00e4nische Modell. So unterzeichneten das Vereinigte K\u00f6nigreich und die Ukraine im Juli 2024 ein Exportkreditabkommen, um die Umsetzung ihres Bilateral Security Agreement (BSA) voranzutreiben. Das Abkommen sieht Exportkredite bis zu einer Obergrenze von 2 Milliarden Pfund Sterling vor, die durch die britische Exportkreditagentur abgesichert werden und Laufzeiten von bis zu 15 Jahren haben. Dar\u00fcber hinaus schreibt es vor, dass mindestens 20 % des Inhalts jedes Vertrags aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich stammen m\u00fcssen. Erfasst werden die Beschaffung von Verteidigungsg\u00fctern, Technologietransfer, Lizenzvergaben sowie Bau- und Dienstleistungen. Anders als das d\u00e4nische Modell ist dieser Ansatz darauf ausgerichtet, die Beteiligung der britischen Industrie sicherzustellen und langfristige kommerzielle Beziehungen zu f\u00f6rdern, anstatt sich auf die unmittelbare Finanzierung und Lieferung von Waffen zu konzentrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der EU-Ebene stellt die Initiative Security Action for Europe (SAFE) Finanzmittel in H\u00f6he von 150 Milliarden Euro bereit, die in erster Linie der gemeinsamen Beschaffung von Verteidigungsg\u00fctern durch die EU-Mitgliedstaaten dienen, zugleich aber auch eine Beteiligung der Ukraine erm\u00f6glichen. Das Instrument schreibt vor, dass mindestens 65 % der Wertsch\u00f6pfung eines durch SAFE finanzierten Projekts auf Unternehmen aus EU-Mitgliedstaaten, den Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation (EFTA) oder der Ukraine entfallen m\u00fcssen. Damit wird die Ukraine formell in die europ\u00e4ischen Lieferketten der Verteidigungsindustrie eingebunden. F\u00fcnfzehn der neunzehn 2026 eingereichten nationalen Programme enthalten Projekte unter Beteiligung der Ukraine. Die Ukraine kann sowohl als Zulieferer innerhalb europ\u00e4ischer Verteidigungslieferketten als auch als Empf\u00e4nger von im Rahmen des Programms beschaffter Ausr\u00fcstung profitieren, wenngleich ihr tats\u00e4chlicher Beteiligungsumfang derzeit noch begrenzt sein d\u00fcrfte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"594\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37753\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-3.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-3-600x381.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-3-768x487.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-3-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Khomenko, V. (6. Oktober 2025). Selenskyj: Die Ukraine produziert monatlich 40 Artilleriesysteme &#8220;Bohdana&#8221;. Militarnyi. <a href=\"https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/zelensky-ukraine-produces-40-bohdana-artillery-systems-a-month\/\">https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/zelensky-ukraine-produces-40-bohdana-artillery-systems-a-month\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erg\u00e4nzt wird SAFE durch das European Defence Industry Programme (EDIP) mit einem Finanzvolumen von 1,5 Milliarden Euro. Dieses Programm stellt Zusch\u00fcsse und weitere F\u00f6rderinstrumente zur Verf\u00fcgung, um die europ\u00e4ische Verteidigungsindustrie durch Modernisierung, den Ausbau von Produktionskapazit\u00e4ten und technologische Entwicklung zu st\u00e4rken. Innerhalb des Programms sind 300 Millionen Euro ausdr\u00fccklich f\u00fcr die weitere Integration der ukrainischen Verteidigungsindustrie in die europ\u00e4ische R\u00fcstungslandschaft vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Instrumente sind Bestandteil einer umfassenderen europ\u00e4ischen Architektur, mit der die Ukraine schrittweise in die Verteidigungsstrukturen der Europ\u00e4ischen Union eingebunden wird. Das Wei\u00dfbuch der Europ\u00e4ischen Union zur europ\u00e4ischen Verteidigung \u2013 Bereitschaft 2030 bezeichnet die Ukraine als <em>\u201cFrontlinie der europ\u00e4ischen Sicherheit\u201d<\/em> und sieht vor, ihre Gefechtserfahrungen durch Ausbildungsprogramme, gemeinsame Beschaffungsvorhaben sowie die Integration ihrer Verteidigungsindustrie in die europ\u00e4ische VIB nutzbar zu machen. Au\u00dferdem umfasst der geplante Mehrj\u00e4hrige Finanzrahmen der EU f\u00fcr den Zeitraum 2028-2034 flexible Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Ukraine im Umfang von bis zu 100 Milliarden Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz ihrer erheblichen Bedeutung unterliegen diese unterschiedlichen Ans\u00e4tze jedoch realen Einschr\u00e4nkungen. Kriegsbedingte Beschr\u00e4nkungen beim Technologietransfer und bei Exporten, die im Abschnitt &#8216;Gemeinsam das Arsenal aufbauen&#8217; n\u00e4her behandelt werden, stellen die Ukraine vor schwierige politische Abw\u00e4gungen und erschweren eine weitergehende Zusammenarbeit mit ihren Partnern. Hinzu kommen Bedenken hinsichtlich Korruption und mangelnder Transparenz bei der ukrainischen Verteidigungsbeschaffung, insbesondere im Rahmen geschlossener Verfahren in sicherheitsrelevanten Bereichen, die die Kooperation zus\u00e4tzlich beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus ist keineswegs gew\u00e4hrleistet, dass der politische Wille zur Unterst\u00fctzung der Ukraine auch in der Nachkriegszeit in gleichem Ma\u00dfe bestehen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Insgesamt bedeuten diese Mechanismen einen Wandel: Die Ukraine entwickelt sich von einem passiven Empf\u00e4nger von Sicherheitshilfe zu einem aktiven Akteur, der die Bedingungen seiner Verteidigungsbeziehungen mitgestaltet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-unbemannte-systeme-und-elektronische-kriegsfuhrung\"><strong>Unbemannte Systeme und elektronische Kriegsf\u00fchrung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Von zentraler Bedeutung f\u00fcr die sich entwickelnde Rolle der Ukraine als Sicherheitsgarant sind ihre F\u00e4higkeiten im Bereich unbemannter Systeme: sowohl die Plattformen selbst, die angesichts russischer Gegenma\u00dfnahmen in einem Ausma\u00df getestet und kontinuierlich verbessert werden, wie es kein anderer Partner erlebt hat, als auch das einzigartige Innovations\u00f6kosystem, das diese Plattformen entwickelt, anpasst und aktualisiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Ukraine bei bestimmten Systemen auf Partner angewiesen ist, stellt sie den Gro\u00dfteil ihrer Drohnen im eigenen Land und in gro\u00dfem Ma\u00dfstab her. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums produzierte die Ukraine 2025 vier Millionen Drohnen und strebt f\u00fcr 2026 eine Produktion von sieben Millionen an. Die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber die Kapazit\u00e4t, j\u00e4hrlich 10 Millionen Drohnen herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"596\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38125\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1.png 799w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-600x448.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-768x573.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-16x12.png 16w\" sizes=\"(max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Untrennbar mit diesen Drohnenf\u00e4higkeiten verbunden ist das \u00d6kosystem der elektronischen Kriegsf\u00fchrung der Ukraine, das einige der folgenreichsten Anpassungszyklen des Krieges vorangetrieben hat und eine eigenst\u00e4ndige F\u00e4higkeitsschicht darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-das-innovationsokosystem-fur-drohnen\" class=\"wp-block-heading\">Das Innovations\u00f6kosystem f\u00fcr Drohnen<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erfolgreiche Innovationsprozess der Ukraine im Bereich der Drohnen basiert auf dem, was die ForscherInnen der Kyiv School of Economics, Olena Bilousowa, Kateryna Olchowyk und Lucas Risinger, als <em>\u201eschnellen Zyklus aus \u201aEntwicklung \u2013 Erprobung im Einsatz \u2013 Modifikation \u2013 Erprobung im Einsatz\u2018\u201c<\/em> bezeichnen. Dieser Zyklus erm\u00f6glicht es der ukrainischen Drohnentechnologie, sich etwa alle sechs Wochen weiterzuentwickeln. Oder, wie Anatolij Motkin behauptet hat, ist die Ukraine mittlerweile eine <em>\u201eDrohnen-Supermacht\u201c<\/em>, die sich <em>\u201enicht nur durch ihren Umfang, sondern auch durch die Geschwindigkeit und Anpassungsf\u00e4higkeit ihrer Entwicklungszyklen\u201c<\/em> auszeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Leistungsf\u00e4higkeit der unbemannten Systeme der Ukraine ist mehr als die Summe ihrer Hardware. <\/strong>Die Drohne selbst ist das Ergebnis einer unterst\u00fctzenden Architektur, die Sensor- und Navigationssysteme, auf Echtzeit-Kampffdaten trainierte milit\u00e4rische KI, f\u00fcr drohnenreiche Umgebungen angepasste F\u00fchrungs- und Leitsysteme sowie einen Innovationszyklus auf dem Schlachtfeld umfasst, der mit den russischen Gegenma\u00dfnahmen Schritt h\u00e4lt. Ohne dieses umfassendere \u00d6kosystem w\u00fcrde die Hardware unabh\u00e4ngig von ihren technischen Spezifikationen hinter den Erwartungen zur\u00fcckbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Oder, wie es der Leiter der Abteilung f\u00fcr Investor Relations bei Brave1 ausdr\u00fcckte: <em>\u201cDrohnen sind das Werkzeug. Die Infrastruktur ist die Waffe.\u201d<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"660\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37754\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-4.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-4-600x423.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-4-768x542.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-4-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Hontz, E. K. (29. Januar 2026). Der ukrainische Verteidigungstechnologiesektor kann eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr die wirtschaftliche Sicherheit spielen. Atlantic Council (UkraineAlert). <a href=\"https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/blogs\/ukrainealert\/ukraines-defense-tech-sector-can-play-a-key-role-in-economic-security\/\">https:\/\/www.atlanticcouncil.org\/blogs\/ukrainealert\/ukraines-defense-tech-sector-can-play-a-key-role-in-economic-security\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Besonderheit des ukrainischen Drohnen\u00f6kosystems stellt selbst einen strategischen Mehrwert dar, aus dem internationale Partner wichtige Erkenntnisse gewinnen k\u00f6nnen. <\/strong>Wie Bilousowa, Olchowyk und Risinger hervorheben, zeichnet sich dieses \u00d6kosystem durch eine \u201e<em>Dezentralisierung der Beschaffung<\/em>\u201c aus, die es erm\u00f6glicht, <em>\u201cneue Technologien rasch zu testen,<\/em> <em>anzupassen und zu skalieren, ohne langwierige b\u00fcrokratische Genehmigungsverfahren abwarten zu m\u00fcssen\u201d. <\/em>Ukrainische Einheiten an der Front k\u00f6nnen Drohnentechnologie auf unterschiedlichen Wegen unmittelbar beschaffen, \u00fcber das Verteidigungsministerium, Initiativen auf Brigadeebene, Freiwilligen- und Privatstiftungen oder \u00f6ffentliche Spendenkampagnen. Zugleich bilden sie einen zentralen Bestandteil eines kontinuierlichen R\u00fcckkopplungsprozesses mit Ingenieuren und Herstellern von Drohnen, indem sie fortlaufend Daten vom Gefechtsfeld bereitstellen, die der Weiterentwicklung und Verbesserung der Systeme dienen. Einsatzkr\u00e4fte k\u00f6nnen M\u00e4ngel innerhalb weniger Stunden an die Entwicklerteams melden; erweist sich ein Drohnensystem im Einsatz als unzureichend, kann es kurzfristig aus dem operativen Einsatz genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Ukraine hat begonnen, diesen R\u00fcckkopplungsmechanismus auch f\u00fcr internationale Partner zu \u00f6ffnen.<\/strong> \u00dcber die Plattform \u201eTest in Ukraine\u201c von Brave1, die im Juli 2025 eingerichtet wurde, k\u00f6nnen ausl\u00e4ndische Unternehmen ihre Systeme unter realen Gefechtsbedingungen entweder eigenst\u00e4ndig oder im Rahmen delegierter Tests erproben lassen. Dabei erhalten sie strukturierte R\u00fcckmeldungen von ukrainischem Milit\u00e4rpersonal. Nach den Worten des damaligen Ministers f\u00fcr digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, hat die Ukraine \u201eein \u00d6kosystem geschaffen, in dem Forschung und Entwicklung unmittelbar auf dem Gefechtsfeld stattfinden\u201c, und die Plattform \u201emacht diese Erfahrungen f\u00fcr internationale Partner zug\u00e4nglich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch auf Regierungsebene hat das ukrainische Verteidigungsministerium Verfahren geschaffen, die es Start-ups erm\u00f6glichen, Prototypen innerhalb k\u00fcrzester Zeit direkt an die Front zu bringen und dort unter Einsatzbedingungen zu testen. Bew\u00e4hren sich diese Systeme im Gefecht, werden sie anschlie\u00dfend in die regul\u00e4ren Beschaffungsprogramme des Verteidigungsministeriums aufgenommen. Dar\u00fcber hinaus hat das Ministerium seine Beschaffungsplanung auf einen Bottom-up-Ansatz umgestellt: Priorit\u00e4ten und F\u00e4higkeitsanforderungen werden nun unmittelbar aus den Bedarfen der Einheiten an der Front abgeleitet.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-ukrainische-drohnen-auf-dem-schlachtfeld\" class=\"wp-block-heading\">Ukrainische Drohnen auf dem Schlachtfeld<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bis 2025 griffen ukrainische Drohnenoperatoren mehr als 80 % aller Ziele auf dem Gefechtsfeld an. Dabei kamen unterschiedliche Systeme zum Einsatz, von Kurzstreckendrohnen bis hin zu Langstreckensystemen, die in der Lage sind, russische Ziele in einer Entfernung von mehr als 2.500 Kilometern von der ukrainischen Grenze zu treffen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine entwickelt ihre F\u00e4higkeiten zudem dom\u00e4nen\u00fcbergreifend weiter. So wurden beispielsweise Seedrohnen eingesetzt, um die russische Schwarzmeerflotte aus ihren westlichen Operationsgebieten zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Eine vergleichbare Entwicklung ist auch bei unbemannten Bodensystemen zu beobachten. Diese wurden zun\u00e4chst vor allem f\u00fcr logistische Aufgaben und die Evakuierung Verwundeter eingesetzt, \u00fcbernehmen inzwischen jedoch zunehmend unmittelbare Gefechtsaufgaben. Allein in der ersten H\u00e4lfte des Jahres 2026 vergab die Ukraine Auftr\u00e4ge f\u00fcr 25.000 unbemannte Bodenfahrzeuge (UGVs), um vollst\u00e4ndig robotisierte Frontlogistik sowie erweiterte Einsatzm\u00f6glichkeiten bei Angriffsoperationen zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Drohnen \u00fcbernehmen inzwischen auch v\u00f6llig neuartige Einsatzprofile. So wurde die Marinedrohne Magura V7 im Jahr 2025 erstmals eingesetzt, um russische Kampfflugzeuge des Typs Su-30 abzuschie\u00dfen.<\/strong> \u00dcberdies entwickelt die Ukraine luft- und seegest\u00fctzte \u201eMutterschiffe\u201c f\u00fcr Drohnen, die deren Einsatzreichweite erheblich erweitern und die Durchf\u00fchrung verschiedenster Missionsarten erm\u00f6glichen sollen. Parallel dazu arbeitet die Ukraine an Unterwasserdrohnen f\u00fcr die Minenabwehr sowie f\u00fcr Aufkl\u00e4rungs-, \u00dcberwachungs- und Nachrichtengewinnungsmissionen und passt Drohnensysteme f\u00fcr Luft-Boden-Angriffe an.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"500\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37757\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-5.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-5-600x321.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-5-768x410.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-5-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Kosoy, D. (17. Oktober 2025). Die ukrainische Seedrohne \u201eMagura\u201c \u2013 das Letzte, was ein russisches Kriegsschiff sehen m\u00f6chte. UNITED24 Media. <a href=\"https:\/\/united24media.com\/war-in-ukraine\/ukraines-magura-sea-drone-the-last-thing-a-russian-warship-wants-to-see-12586\">https:\/\/united24media.com\/war-in-ukraine\/ukraines-magura-sea-drone-the-last-thing-a-russian-warship-wants-to-see-12586<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auch aus wirtschaftlicher Sicht erweisen sich die offensiven Drohnensysteme der Ukraine als \u00e4u\u00dferst effizient. <\/strong>So kamen bei der Operation \u201eSpinnennetz\u201c im Juni 2025 117 First-Person-View-Drohnen mit St\u00fcckkosten von jeweils rund 1.000 US-Dollar gegen 40 russische Flugzeuge zum Einsatz, wobei mehrere strategische Bomber zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt wurden. Dar\u00fcber hinaus ver\u00e4ndern die sich kontinuierlich weiterentwickelnden Drohnentaktiken und operativen Konzepte der Ukraine die Geografie des Gefechtsfeldes grundlegend. Kleine taktische Drohnen erm\u00f6glichen es den ukrainischen Streitkr\u00e4ften, entlang der Frontlinie auf beiden Seiten eine etwa 20 Kilometer breite Todeszone zu schaffen.Eine eigenst\u00e4ndige Kategorie von Mittelstrecken-Drohnen mit Starrfl\u00fcgeln, darunter die Systeme Fire Point FP-2 und Hornet, hat die ukrainische Schlagreichweite auf mehr als 200 Kilometer hinter der Kontaktlinie ausgedehnt. Dadurch wurde Russland gezwungen, Versorgungsdepots und logistische Infrastruktur deutlich weiter in das eigene Hinterland zu verlegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"583\" height=\"330\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38126\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-1.png 583w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-1-1-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-komponentenabhangigkeiten\" class=\"wp-block-heading\">Komponentenabh\u00e4ngigkeiten<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00e4hrend die Ukraine Anfang 2024 wertm\u00e4\u00dfig zu etwa 90 % auf Importe chinesischer Drohnenkomponenten angewiesen war, strebt sie nun an, diese Teile entweder im Inland oder aus den Vereinigten Staaten und der Europ\u00e4ischen Union zu beziehen, wobei der Anteil Chinas bis Mitte 2025 auf rund 38 % sinken wird.<\/strong> In der Ukraine hergestellte Komponenten machen mittlerweile 85 % der Flugwerke, 70 % der Steuerungsverbindungen und 55 % der analogen Videosender f\u00fcr Drohnen aus, jedoch nur 12 % der Elektromotoren und 14 % der W\u00e4rmebildkameras.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"568\" height=\"317\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38127\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-2.png 568w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-2-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Regionale Verteilung der UAS-Komponentenimporte<br>(Quelle: Staatliches Statistikamt der Ukraine)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch bleibt die Ukraine bei bestimmten Schl\u00fcsselkomponenten weiterhin auf Lieferungen aus China angewiesen. Eine besonders schwer zu \u00fcberwindende Abh\u00e4ngigkeit betrifft Neodym-Eisen-Bor-Magnete, die f\u00fcr den Antrieb von Drohnenmotoren unverzichtbar sind. Eine vollst\u00e4ndige Lokalisierung der Produktion kann dieses Problem derzeit nicht l\u00f6sen. China kontrolliert mehr als 80 % der weltweiten Produktion dieser Magnete, w\u00e4hrend sich die ukrainischen Vorkommen seltener Erden, die diese Abh\u00e4ngigkeit theoretisch verringern k\u00f6nnten, in den von Russland besetzten Gebieten befinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell stellt die fortbestehende Abh\u00e4ngigkeit der Ukraine von chinesischen Komponenten eine strukturelle Schwachstelle mit einer ausgepr\u00e4gten geopolitischen Dimension dar. Sowohl Exportbeschr\u00e4nkungen als auch ein m\u00f6glicher Konflikt um Taiwan k\u00f6nnten bereits bei begrenzten Unterbrechungen der Lieferketten die ukrainische Drohnenproduktion erheblich beeintr\u00e4chtigen. China hat bereits seine Bereitschaft gezeigt, Exportbeschr\u00e4nkungen gegen\u00fcber europ\u00e4ischen R\u00fcstungsunternehmen einzusetzen, denen eine Zusammenarbeit mit Taiwan zugeschrieben wird. Ein Konflikt um Taiwan k\u00f6nnte daher einerseits die Nachfrage der Partner nach ukrainischen F\u00e4higkeiten weiter erh\u00f6hen, andererseits jedoch genau jene Lieferketten unterbrechen, die f\u00fcr deren Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung unverzichtbar sind.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-drohnenabwehrfahigkeiten\" class=\"wp-block-heading\">Drohnenabwehrf\u00e4higkeiten<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Diese Innovationen erstrecken sich auch auf Systeme zur Drohnenabwehr \u2013 einen Bereich von besonderem Interesse f\u00fcr die Partner der Ukraine, die sich gegen Drohnenangriffe sch\u00fctzen wollen, ohne auf kostspielige Gegenma\u00dfnahmen angewiesen zu sein. <\/strong>Die Ukraine ist gezwungen, ihre F\u00e4higkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln, um auf neue russische Drohnentechnologien und Einsatzverfahren zu reagieren. Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die Entwicklung modularer Drohnenabwehrsysteme, \u201edie auf unterschiedlichsten Plattformen montiert werden k\u00f6nnen \u2013 von Hubschraubern bis hin zu unbemannten Wasserfahrzeugen\u201c. Da einige russische Angriffsmethoden auf kosteng\u00fcnstigen Drohnen basieren, werden diese h\u00e4ufig in gro\u00dfen Schw\u00e4rmen eingesetzt und erfordern daher eine entsprechend kosteng\u00fcnstige ukrainische Reaktion. Wie auch die offensiven ukrainischen Drohnensysteme haben ukrainische Abfangdrohnen eine bemerkenswerte Kosteneffizienz bewiesen. Bis Juni 2025 hatten 281 Abfangdrohnen mit Gesamtkosten von etwa 450.000 US-Dollar russische unbemannte Systeme im gesch\u00e4tzten Wert von rund 25 Millionen US-Dollar abgeschossen. Dies entspricht einem Verh\u00e4ltnis von ungef\u00e4hr 55 US-Dollar an verursachtem Verlust pro eingesetztem US-Dollar.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"506\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37758\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-6.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-6-600x324.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-6-768x415.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-6-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Kirichenko, D. (15. April 2026). Die Luftabwehr der Ukraine \u2013 Weltklasse und auf dem Vormarsch. CEPA. <a href=\"https:\/\/cepa.org\/article\/ukraines-air-defenses-world-class-and-improving\/\">https:\/\/cepa.org\/article\/ukraines-air-defenses-world-class-and-improving\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abfangdrohnen stellen jedoch nur eine Ebene einer umfassenderen Architektur zur Drohnenabwehr dar, die sich in der Ukraine noch im Entwicklungsprozess befindet. Diese Architektur umfasst zudem eine Erfassungsebene mit akustischen Sensornetzen und Radarsystemen, die Bedrohungen in geringer H\u00f6he erkennen k\u00f6nnen, wo herk\u00f6mmliche Radarsysteme an ihre Grenzen sto\u00dfen. Hinzu kommen mobile Gruppen der bodengest\u00fctzten Kurzstrecken-Luftverteidigung (SHORAD) sowie eine Ebene der elektronischen Kampff\u00fchrung, die Drohnen ohne kinetische Abfangma\u00dfnahmen neutralisieren kann. Dieser mehrschichtige Ansatz reduziert die Notwendigkeit, teure Abfangsysteme gegen vergleichsweise kosteng\u00fcnstige Drohnen einzusetzen. Der entscheidende Wert liegt daher nicht allein in der Abfangdrohne als Plattform, sondern in der integrierten Gesamtarchitektur, zu der Partnerstaaten Zugang erhalten m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie Mychajlo Lopatin, Julija Murawska und Mark Opgenorth feststellen, befindet sich die ukrainische Architektur zur Drohnenabwehr weiterhin auf dem Weg zu einer vollst\u00e4ndig integrierten F\u00e4higkeit, und in einzelnen Bereichen bestehen noch L\u00fccken. Dennoch bem\u00fchen sich Partnerstaaten, die mit vergleichbaren Drohnenbedrohungen konfrontiert sind, unmittelbar um Zugang zu den operativen Erfahrungen der Ukraine. Dabei steht weniger die institutionelle Reife des gesamten ukrainischen Systems im Mittelpunkt als vielmehr die au\u00dfergew\u00f6hnliche Tiefe der auf dem Gefechtsfeld gewonnenen praktischen Erfahrungen.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-elektronische-kriegsfuhrung-und-kunstliche-intelligenz\" class=\"wp-block-heading\">Elektronische Kriegsf\u00fchrung und K\u00fcnstliche Intelligenz<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die oben beschriebene Drohnenkriegsf\u00fchrung kann nicht losgel\u00f6st von der elektromagnetischen Umgebung betrachtet werden, in der sie stattfindet. <strong>Allgemeiner betrachtet stellt die elektronische Kampff\u00fchrung eine eigenst\u00e4ndige und grundlegende F\u00e4higkeitsebene im ukrainischen \u00d6kosystem auf dem Gefechtsfeld dar. <\/strong>Der rasante Fortschritt bei Drohneninnovationen erfolgte parallel zur Entwicklung hochentwickelter St\u00f6r- und Funkfrequenzerkennungssysteme. Mitte 2024 sahen sich ukrainische Streitkr\u00e4fte erstmals mit nicht st\u00f6rbaren Drohnen konfrontiert, als Russland faseroptisch gesteuerte Systeme einf\u00fchrte. Die Bedrohung durch elektronische Kampff\u00fchrung hat Drohneneins\u00e4tze erheblich beeinflusst und die Entwicklung alternativer Navigations- und Kommunikationsverfahren erforderlich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ukrainische Reaktion hat einen der bedeutendsten Anpassungszyklen des Krieges ausgel\u00f6st: KI-gest\u00fctzte Systeme erm\u00f6glichen es Drohnen inzwischen, Ziele auch in Gebieten mit intensiver Signalst\u00f6rung zu erreichen, ohne dass sie von einem Operator gesteuert werden m\u00fcssen. Autonome Navigationssysteme k\u00f6nnen die Erfolgswahrscheinlichkeit von Drohnenangriffen erheblich erh\u00f6hen, indem sie die Abh\u00e4ngigkeit von Kommunikationsverbindungen beseitigen, die durch elektronische Kampff\u00fchrung verwundbar sind. Wie Kateryna Bondar erl\u00e4utert, <em>\u201ehat KI-gest\u00fctzte Navigations- und Zielerfassungssoftware die Erfolgsquote kosteng\u00fcnstiger Drohnenangriffe von etwa 20 % auf bis zu 70 % erh\u00f6ht, indem Faktoren wie unzureichende Bedienerfahrung, Stress und St\u00f6rungen durch elektronische Kampff\u00fchrung reduziert werden\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"444\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37759\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-7.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-7-600x285.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-7-768x364.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-7-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Odnokoz, P. (5. April 2024). Die Ukraine baut ihren Bestand an KI-gest\u00fctzten Drohnen aus: Von klein bis gro\u00df. Medium. <a href=\"https:\/\/medium.com\/illumination-curated\/ukraine-scales-up-its-ai-powered-drones-from-small-to-large-48920ecdb0a7\">https:\/\/medium.com\/illumination-curated\/ukraine-scales-up-its-ai-powered-drones-from-small-to-large-48920ecdb0a7<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Navigation und Zielerfassung entwickelt sich die begrenzte milit\u00e4rische KI (narrow combat AI) \u2013 also hochspezialisierte, f\u00fcr bestimmte Aufgaben entwickelte Module, die mit realen Gefechtsdaten trainiert werden \u2013 zu einer eigenst\u00e4ndigen Kategorie milit\u00e4rischer F\u00e4higkeiten. KI-gest\u00fctzte Drohnenabwehrsysteme, die im Rahmen des ukrainischen Brave1-Klusters entwickelt wurden, k\u00f6nnen feindliche Drohnen autonom erkennen, verfolgen und deren Flugbahn berechnen. Diese F\u00e4higkeit ist insbesondere gegen faseroptisch gesteuerte Drohnen von Bedeutung, die gegen\u00fcber elektronischer Kampff\u00fchrung weitgehend unempfindlich sind. Die Schlachtfelddaten, auf denen diese Module basieren und die im folgenden Abschnitt \u201cDaten- und Schlachfeldmanagement\u201d n\u00e4her behandelt werden, stellen selbst einen strategischen Verm\u00f6genswert dar, dessen Bedeutung f\u00fcr Partnerstaaten m\u00f6glicherweise mit der Bedeutung jeder von der Ukraine produzierten Hardware vergleichbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine hat zudem im Bereich der offensiven elektronischen Kampff\u00fchrung Innovationen entwickelt. Das im Inland entwickelte System Lima st\u00f6rt und t\u00e4uscht Satellitennavigationssignale, wodurch russische Raketen und Drohnen von ihren Flugbahnen abgebracht werden. Cascade Systems, der Hersteller von Lima, gibt an, dass das System innerhalb von 18 Monaten mehr als 20.500 Shahed-Drohnen neutralisiert und die Umleitung von Dutzenden ballistischen und Marschflugk\u00f6rpern erzwungen habe \u2013 und dies zu einem Bruchteil der Kosten kinetischer Abfangsysteme. Die NATO hingegen hat nach jahrzehntelangen Eins\u00e4tzen zur Aufstandsbek\u00e4mpfung der elektronischen Kampff\u00fchrung deutlich weniger Priorit\u00e4t einger\u00e4umt, wodurch eine F\u00e4higkeitsl\u00fccke entstanden ist, zu deren Schlie\u00dfung die ukrainischen Erfahrungen auf dem Gefechtsfeld einen einzigartigen Beitrag leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammengenommen tragen die Erfahrungen der Ukraine mit unbemannten Systemen und elektronischer Kampff\u00fchrung zu einer grundlegenden Neubewertung dessen bei, wie moderne Streitkr\u00e4fte das Verh\u00e4ltnis zwischen Kosten, Risiko und operativer Wirkung verstehen. Sowohl die Systeme selbst als auch die sie umgebende institutionelle Architektur, einschlie\u00dflich Taktiken und Truppenstrukturen, die sich parallel dazu entwickeln, sind f\u00fcr Partnerstreitkr\u00e4fte von unmittelbarer Bedeutung, da diese zunehmend mit den Herausforderungen moderner Kriegsf\u00fchrung konfrontiert sind.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-daten-und-schlachtfeldmanagement\" class=\"wp-block-heading\">Daten- und Schlachtfeldmanagement<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neben ihren F\u00e4higkeiten im Bereich der Drohnentechnologie verf\u00fcgt die Ukraine \u00fcber einen weiteren strategischen Verm\u00f6genswert: die enorme Menge an Daten, die durch mehr als vier Jahre eines hochintensiven Krieges entstanden ist. <\/strong>Diese Daten bilden das Rohmaterial f\u00fcr die Entwicklung milit\u00e4rischer KI-Systeme, an denen Partnerstaaten zunehmend Interesse zeigen. Die Ukraine sammelt und verarbeitet anschlie\u00dfend bis zu mehrere Dutzend Terabyte an Daten pro Tag. Um die Gr\u00f6\u00dfenordnung zu verdeutlichen: Zwischen Februar 2022 und Dezember 2024 erfasste eine ukrainische Nichtregierungsorganisation, die sich auf die Zentralisierung und Analyse von Aufnahmen aus 15.000 Drohneneinheiten an der Front konzentriert, zwei Millionen Stunden, beziehungsweise 228 Jahre, an Drohnenaufnahmen vom Gefechtsfeld.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die reinen Rohdaten hinaus hat die Ukraine eine Reihe von Gefechtsmanagementsystemen entwickelt, die Partnern Beispiele daf\u00fcr liefern, wie F\u00fchrung und Kontrolle in einer von Drohnen gepr\u00e4gten Kriegsf\u00fchrung digital organisiert werden k\u00f6nnen. Eine zentrale Rolle bei der F\u00e4higkeit der Ukraine, diese Daten in Echtzeit zu verarbeiten, spielen Softwarel\u00f6sungen, allen voran Delta. Das System Delta wurde bereits vor der Vollinvasion entwickelt und hat sich zu einem umfassenden \u00d6kosystem weiterentwickelt, das durch die enorme Menge an Daten angetrieben wird, die ukrainische Sensoren auf dem Gefechtsfeld erfassen. Inzwischen ist es auch als Anwendung verf\u00fcgbar und erm\u00f6glicht die Echtzeit\u00fcberwachung von Aktivit\u00e4ten auf dem Schlachtfeld. Das ukrainische Verteidigungsministerium genehmigte den Einsatz des Systems in s\u00e4mtlichen Verteidigungsstrukturen der Ukraine im Jahr 2023; bis August 2025 war Delta vollst\u00e4ndig integriert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung des Systems von einem Instrument zur Lagebilderstellung hin zu einer integrierten Plattform f\u00fcr das Gefechtsmanagement wurde insbesondere bei der NATO-\u00dcbung Hedgehog 2025 deutlich (die im Abschnitt \u201cDie Ukraine als Ausbilder\u201d ausf\u00fchrlicher behandelt wird), Dort simulierten ukrainische Teilnehmer mit Unterst\u00fctzung von Delta die Ausschaltung von zwei NATO-Bataillonen innerhalb eines halben Tages.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben existieren weitere spezialisierte Systeme mit unterschiedlichem Funktionsumfang und unterschiedlichem Reifegrad, von denen einige als Module in Delta integriert wurden. Das F\u00fchrungs- und Kontrollsystem Kropywa, das die Nichtregierungsorganisation Army SOS bereits im Zeitraum 2014\u20132022 entwickelte, unterst\u00fctzt die Erfassung eingehender Bedrohungen und die Koordinierung von Gegenangriffen. Vescha analysiert gleichzeitig und in Echtzeit Drohnenaufnahmen, w\u00e4hrend SkyMap eingehende Drohnenbedrohungen erfasst und Unterst\u00fctzung bei der Drohnenabwehr leistet. Zunehmend k\u00f6nnen diese Systeme, von denen viele auch offline betrieben werden k\u00f6nnen, was in umk\u00e4mpften Umgebungen von entscheidender Bedeutung ist, miteinander verkn\u00fcpft werden und spezifische Funktionen in ein umfassenderes integriertes Gefechtsmanagementsystem einbringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"526\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37763\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-8.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-8-600x337.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-8-768x432.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-8-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Militarnyi. (6. August 2025). Das DELTA-System l\u00e4sst sich auf alle F\u00fchrungsebenen skalieren. <a href=\"https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/delta-system-scalable-to-all-levels-of-command\/\">https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/delta-system-scalable-to-all-levels-of-command\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Genau dieses Daten\u00f6kosystem und die darin verankerte Arbeitsmethodik sind es, zu denen die Partner der Ukraine Zugang erhalten wollten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlachtfelddaten der Ukraine und ihre Software f\u00fcr das Gefechtsmanagement stellen zwei eigenst\u00e4ndige, jedoch miteinander verbundene Bereiche des Interesses f\u00fcr Partnerstaaten dar. Im M\u00e4rz 2026 schuf die Ukraine einen Rahmen f\u00fcr den Datenaustausch, der es Partnern erm\u00f6glicht, milit\u00e4rische KI-Module auf Grundlage realer operativer Datens\u00e4tze zu trainieren. Der Zugang ist daran gekn\u00fcpft, dass die Ukraine im Gegenzug die daraus entwickelten KI-Modelle erh\u00e4lt \u2013 eine Regelung, die dem Muster entspricht, dass Kyjiw zunehmend selbst die Bedingungen seiner Verteidigungsbeziehungen festlegt. Das Interesse der Partner an der ukrainischen Gefechtsmanagementarchitektur umfasst dagegen sowohl die m\u00f6gliche \u00dcbernahme konkreter Systeme wie Delta als auch die umfassendere Logik, wie F\u00fchrung und Kontrolle in der digitalen Ebene moderner Drohnenkriegsf\u00fchrung organisiert werden. Die Schlachtfelddaten und die Gefechtsmanagementarchitektur der Ukraine sind daher nicht lediglich Ressourcen, die \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, sondern ein lebendes \u00d6kosystem, dessen Wert weiter w\u00e4chst, je st\u00e4rker Partnerstaaten es in ihre eigenen Systeme integrieren \u2013 vorausgesetzt, die Ukraine sammelt weiterhin jene Kampferfahrungen, die keine Friedens\u00fcbung reproduzieren kann.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-adaptive-kriegsfuhrung\" class=\"wp-block-heading\">Adaptive Kriegsf\u00fchrung<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Kampferfahrungen der Ukraine haben Anpassungsmuster hervorgebracht, die untrennbar mit den dadurch erm\u00f6glichten F\u00e4higkeiten verbunden sind und in mancher Hinsicht wertvoller und wesentlich schwerer zu \u00fcbertragen sind als jede einzelne Plattform oder jedes einzelne System. <\/strong>Diese Muster spiegeln eine Streitkraft wider, die sich unter extremem Kampfdruck kontinuierlich anpasst, wobei Innovationsgeschwindigkeit und Anpassungsf\u00e4higkeit in Echtzeit oft Vorrang vor institutioneller Vollst\u00e4ndigkeit haben. Die folgende Diskussion konzentriert sich auf Einsatzkonzepte und Anpassungen bei der Beschaffung als anschauliche Beispiele, obwohl auch andere Formen der Anpassung stattfinden und ebenfalls das Interesse der Partner wecken.<\/p>\n\n\n\n<h6 id=\"h-operative-anpassung\" class=\"wp-block-heading\">Operative Anpassung<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Ukraine die Bedingungen einer extremen Transparenz des Gefechtsfeldes und einer hohen Drohnendichte, die heute ihr Einsatzumfeld pr\u00e4gen, ma\u00dfgeblich mitentwickelt hatte, war sie gezwungen, v\u00f6llig neue Ans\u00e4tze f\u00fcr den kombinierten Waffeneinsatz zu entwickeln, als Russland diese F\u00e4higkeiten ebenfalls \u00fcbernahm. Diese Ans\u00e4tze sind unmittelbar relevant f\u00fcr Partnerstreitkr\u00e4fte, die mit denselben Bedingungen konfrontiert sind. So haben ukrainische Kommandeure laut Jack Watling ein siebenphasiges Operationskonzept entwickelt (Aufkl\u00e4rung, Isolierung, Abnutzung, Fixierung, Unterdr\u00fcckung, Ann\u00e4herung und Vernichtung, Konsolidierung), um die Einnahme umk\u00e4mpfter Abschnitte des Gefechtsfeldes zu erm\u00f6glichen. Bei wirksamer Anwendung dieser Methodik konnte die Zahl der eigenen Verluste deutlich reduziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine hat zudem das Konzept des Mittelstreckenschlags als eigenst\u00e4ndige Einsatzkategorie etabliert. Dabei wird klar zwischen taktischen Drohneneins\u00e4tzen unmittelbar an der Front, Mittelstreckensystemen mit einer Reichweite von etwa 30 bis 300 Kilometern ab der Kontaktlinie sowie Langstreckensystemen unterschieden, die strategische Infrastruktur weit im von Russland kontrollierten Gebiet angreifen. Ukrainische Mittelstreckenoperationen mit Systemen wie FP-2, Hornet und Bulawa schlie\u00dfen die entscheidende L\u00fccke zwischen taktischen Angriffen mit First-Person-View-Drohnen und weitreichenden Schl\u00e4gen tief im russischen Hinterland. Dadurch erm\u00f6glichen sie die systematische Bek\u00e4mpfung logistischer Infrastruktur, von Luftabwehrsystemen und Drohnenkontrollzentren.<\/p>\n\n\n\n<h6 id=\"h-dezentralisierung-und-bottom-up-beschaffung\" class=\"wp-block-heading\">Dezentralisierung und Bottom-Up-Beschaffung<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch dezentrale Beschaffungsplattformen und Forschungs- und Entwicklungswerkst\u00e4tten auf Brigadeebene, in denen Einsatzkr\u00e4fte Systeme unmittelbar an der Front modifizieren und anpassen, verk\u00fcrzt die Ukraine den Zeitraum zwischen der Entstehung eines operativen Bedarfs und der Bereitstellung einer einsatzf\u00e4higen L\u00f6sung erheblich. Die Online-Beschaffungsplattformen <em>Brave1 Market<\/em> und <em>DotChain<\/em> bieten beispielsweise mindestens 150 Drohnenmodelle an, die Brigadekommandeure direkt bestellen k\u00f6nnen. Die Verteidigungsministerien der Partnerstaaten der Ukraine ben\u00f6tigen teilweise mehr als ein Jahr, um Softwareaktualisierungen in ihre Streitkr\u00e4fte zu integrieren, w\u00e4hrend spezialisierte Innovationsagenturen diesen Prozess auf etwa drei Monate verk\u00fcrzen k\u00f6nnen. Die Ukraine wiederum ist in der Lage, Softwareanpassungen innerhalb von nur zwei Wochen umzusetzen. Diese Dezentralisierung stellt aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Reaktionsf\u00e4higkeit einen erheblichen Vorteil dar. Gleichzeitig erschwert sie jedoch die Zusammenarbeit mit Partnerstaaten, die versuchen, sich in dieses System einzubinden, da sie zu geringerer Transparenz und uneinheitlichen Standards innerhalb der Streitkr\u00e4fte f\u00fchren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese dezentrale Kultur eines Bottom-up-Ansatzes hat tiefere historische Wurzeln. So begann die Nichtregierungsorganisation Aeroroswidka bereits nach der v\u00f6lkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 und der anschlie\u00dfenden Eskalation des Krieges im Donbas mit der Erprobung verschiedener digitaler Systeme zur Lagebilderstellung. Wie Kostiuk et al. argumentieren, <em>\u201ewurden diese Bem\u00fchungen nicht durch formale Doktrinen, sondern durch operative Notwendigkeiten bestimmt und legten den Schwerpunkt auf Geschwindigkeit, Zug\u00e4nglichkeit und Interoperabilit\u00e4t mit ziviler Hardware\u201c<\/em>. Das Ergebnis ist ein informeller Feedback-Kreislauf zwischen Mitarbeitern an der Front, Ingenieuren und Entwicklern, der seit mehr als einem Jahrzehnt zu einer Verk\u00fcrzung der Entwicklungszeiten f\u00fchrt. Diese Kultur entstand nicht aus organisatorischen \u00dcberlegungen heraus, sondern aus der Not heraus, da die Zivilgesellschaft Kompetenzl\u00fccken f\u00fcllte, die bestehende Institutionen nicht schlie\u00dfen konnten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"436\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-11.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37774\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-11.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-11-600x279.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-11-768x358.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-11-18x8.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Barkhush, A. (28. April 2025). Das ukrainische Unternehmen Brave1 startet den weltweit ersten Marktplatz f\u00fcr Kampftechnik, der Soldaten und Hersteller direkt miteinander verbindet. UNITED24 Media. <a href=\"https:\/\/united24media.com\/latest-news\/ukraines-brave1-launches-worlds-first-combat-tech-marketplace-directly-linking-soldiers-and-manufacturers-7922\">https:\/\/united24media.com\/latest-news\/ukraines-brave1-launches-worlds-first-combat-tech-marketplace-directly-linking-soldiers-and-manufacturers-7922<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dieser Lernmechanismus st\u00fctzte sich in erster Linie auf informelle horizontale Netzwerke, obwohl die Ukraine den Prozess zunehmend institutionalisiert hat, auch wenn das Risiko besteht, dass die gewonnenen Erkenntnisse kontextspezifisch sind, innerhalb der Streitkr\u00e4fte ungleichm\u00e4\u00dfig verteilt sind und sich nur schwer in dem Tempo, das das Schlachtfeld erfordert, in eine formelle Doktrin integrieren lassen.<\/strong> Dar\u00fcber hinaus besteht nach wie vor eine Organisationskultur, die sich \u00fcber drei Generationen erstreckt \u2013 sowjetisch ausgebildete F\u00fchrungsspitze, eine gemischte mittlere Generation und eine innovationsorientierte j\u00fcngere Kohorte, die f\u00fcr die ukrainischen Streitkr\u00e4fte einzigartig ist. Diese Generationenmischung tr\u00e4gt dazu bei zu erkl\u00e4ren, warum informelle Anpassungen so effektiv waren und warum es schwierig war, sie zu formalisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Hardware und bestimmte Softwareanwendungen der Ukraine lassen sich am einfachsten an Partner weitergeben. Einsatzkonzepte, die Beschaffungskultur und der zivil-milit\u00e4rische Feedback-Kreislauf sind schwieriger zu replizieren. Sie h\u00e4ngen von Bedingungen wie dem existenziellen Druck des Krieges, \u00fcber ein Jahrzehnt aufgebauten informellen Netzwerken und einer generationen\u00fcbergreifenden Streitmacht ab, die Experimente toleriert \u2013 Faktoren, die Partner nicht einfach importieren k\u00f6nnen. <\/strong>In der Ukraine erfolgt die Entwicklung bis zur Einsatzreife innerhalb weniger Wochen, w\u00e4hrend die herk\u00f6mmlichen Beschaffungsprozesse der Partnerl\u00e4nder Jahre dauern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-die-logik-des-transfers\" class=\"wp-block-heading\">Die Logik des Transfers<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Innovationen der Ukraine finden auf unterschiedliche Weise ihren Weg zu den Partnern. Ein in der wissenschaftlichen Literatur zur milit\u00e4rischen Diffusion beschriebenes allgemeines Muster, wonach sich Hardware leichter verbreitet als das sie umgebende \u00d6kosystem, zeigt sich im Fall der Ukraine ganz konkret. Dieses Muster tr\u00e4gt dazu bei zu erkl\u00e4ren, warum die Hardware-Innovationen der Ukraine unmittelbarer \u00fcbertragbar sind als ihr umfassenderes milit\u00e4risches \u00d6kosystem, da dies teilweise radikale Ver\u00e4nderungen in den milit\u00e4rischen Organisationen der Partner erfordern w\u00fcrde.<\/strong> Die \u00dcbertragung ukrainischer Systeme allein wird daher nicht automatisch zu einer vergleichbaren Leistungsf\u00e4higkeit der Partnerstreitkr\u00e4fte f\u00fchren. Die Differenz zwischen dem Transfer von Hardware und einer gleichwertigen Gefechtsleistung ergibt sich aus einer Vielzahl von operativen, institutionellen und umweltbedingten Faktoren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das weiter unten ausf\u00fchrlicher behandelte gemeinsame ukrainisch-britische Projekt OCTOPUS zeigt, wie unmittelbar die materielle Komponente \u00fcbertragen werden kann. Im Rahmen dieser Initiative stellte die Ukraine Konstruktionsdaten f\u00fcr Drohnen bereit, die britische Produktionslinien zur Herstellung kampferprobter Abfangdrohnen nutzen. Das zugrunde liegende \u00d6kosystem stellt hingegen eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Herausforderung dar. Nach Einsch\u00e4tzung von Moros ist das von der Ukraine in mehreren Bereichen aufgebaute <em>\u201ctiefe operative \u00d6kosystem \u00e4u\u00dferst schwer zu kopieren.\u201d<\/em> Selbst wenn ein Partnerstaat Milliarden oder Billionen Dollar investieren w\u00fcrde, k\u00f6nnte er<em> \u201cdie \u00fcber Jahre realer Kampferfahrung entstandene Verbindung aus Erfahrung, Integration und Geschwindigkeit der Weiterentwicklung nicht einfach reproduzieren.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zwei weitere Faktoren erschweren den Transfer zus\u00e4tzlich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erstens lassen sich nicht alle ukrainischen Erfahrungen unmittelbar auf andere Sicherheitskontexte \u00fcbertragen. So w\u00fcrde sich beispielsweise ein Krieg zwischen der NATO und Russland in wesentlichen Punkten von dem Krieg in der Ukraine unterscheiden. Daher m\u00fcssen Partnerstaaten bestimmte ukrainische Erkenntnisse an ihre eigenen Szenarien anpassen, anstatt sie unver\u00e4ndert zu \u00fcbernehmen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweitens kann selbst dort, wo ukrainische Erfahrungen grunds\u00e4tzlich \u00fcbertragbar sind, die Geschwindigkeit der Aufnahme und Umsetzung durch Partnerstaaten hinter dem Tempo ukrainischer Innovationen zur\u00fcckbleiben. Dadurch besteht die Gefahr, dass jene L\u00f6sungen, die Partner gerade \u00fcbernehmen, auf dem Gefechtsfeld bereits durch neuere Entwicklungen \u00fcberholt wurden. <\/strong>Dies ist eine direkte Folge jener von Moros hervorgehobenen \u201eGeschwindigkeit der Iteration\u201c, die zu den zentralen Vorteilen der Ukraine z\u00e4hlt: Genau jene Dynamik, die das ukrainische Innovations\u00f6kosystem schwer nachahmbar macht, sorgt zugleich daf\u00fcr, dass sich ukrainische Innovationen schneller weiterentwickeln, als Partner sie vollst\u00e4ndig aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-13.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37777\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-13.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-13-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-13-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-13-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Huskisson, S. (20. November 2025). In der Downing Street soll eine gro\u00dfe Drohne ausgestellt werden, um an den \u201eMut\u201c der Ukrainer zu erinnern. Daily Mirror. <a href=\"https:\/\/www.mirror.co.uk\/news\/politics\/downing-street-display-major-drone-36278108\">https:\/\/www.mirror.co.uk\/news\/politics\/downing-street-display-major-drone-36278108<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-vom-sicherheitskonsumenten-zum-sicherheitsanbieter\"><strong>Vom Sicherheitskonsumenten zum Sicherheitsanbieter<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 2026 beschrieb die stellvertretende Au\u00dfenministerin der Ukraine, Marjana Beza, einen weltweiten Wandel in der Wahrnehmung der Ukraine: <em>\u201evon der Ukraine \u2026 als Sicherheitskonsument hin zu \u2026 einem Sicherheitsanbieter\u201c. <\/em> <strong>Dieser Wandel folgt in Europa und in anderen Weltregionen unterschiedlichen Logiken. In Europa wird die Ukraine zunehmend in euroatlantische Sicherheitsstrukturen integriert, w\u00e4hrend die Beweggr\u00fcnde der Partner in anderen Regionen deutlich vielf\u00e4ltiger sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dieser Wandel vollzieht sich zudem vor dem Hintergrund einer tiefgreifenden strukturellen Ver\u00e4nderung: Die Vereinigten Staaten verfolgen unter der Trump-Regierung das Ziel, ihre F\u00fchrungsrolle in der europ\u00e4ischen Sicherheitspolitik allgemein und ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine im Besonderen zu reduzieren.<\/strong> W\u00e4hrend der Biden-Regierung begann die Entwicklung der Ukraine hin zu einer Rolle als Sicherheitsanbieter noch im Rahmen einer kontinuierlichen US-Unterst\u00fctzung, auch wenn deren Angemessenheit im Verh\u00e4ltnis zu den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen der Ukraine auf dem Gefechtsfeld umstritten war. Unter der Trump-Regierung findet dieser Prozess hingegen vor dem Hintergrund einer grundlegenden Neuausrichtung der US-Politik gegen\u00fcber der Ukraine statt, die durch einen aktiven R\u00fcckzug und ein insgesamt konfliktreicheres bilaterales Verh\u00e4ltnis gekennzeichnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Herausforderungen auf politischer Ebene lernen weiterhin Teile der US-Regierung und der amerikanischen Verteidigungsindustrie aus den ukrainischen Erfahrungen und erhalten Zugang zu ukrainischen Technologien. Die milit\u00e4rischen Beziehungen zwischen den Streitkr\u00e4ften der USA und der Ukraine sowie die kommerziellen Verbindungen zwischen den Verteidigungsindustrien sind weiterhin vergleichsweise stabil. Dazu geh\u00f6rt unter anderem eine im Januar 2026 geschlossene Vereinbarung zwischen Brave1 Dataroom und Palantir zur Entwicklung von KI-Systemen unter Nutzung ukrainischer Schlachtfelddaten. Obwohl die durch den R\u00fcckzug der USA entstehende L\u00fccke nicht von einem einzelnen Partner geschlossen werden kann, haben die Bem\u00fchungen um einen Ausgleich die europ\u00e4ische institutionelle Verankerung der Beziehungen zur Ukraine beschleunigt \u2013 mit dem Potenzial, langfristig tragf\u00e4higere Strukturen zu schaffen. Dar\u00fcber hinaus ist die ver\u00e4nderte US-Politik selbst einer der Faktoren, die die Ukraine dazu veranlassen, ihre Eigenst\u00e4ndigkeit und Selbstversorgung im Sicherheitsbereich weiter auszubauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gleichzeitig stellt die Integration der Ukraine in die Verteidigungs\u00f6kosysteme ihrer Partner sowohl einen strukturellen Vorteil als auch einen strategischen Hebel dar, den Russland nicht nachbilden kann. <\/strong>W\u00e4hrend die russische Verteidigungsentwicklung durch Sanktionen zunehmend isoliert wird und von einer schrumpfenden technologischen Basis abh\u00e4ngt, die durch Importe und Unterst\u00fctzung aus China, Iran und Nordkorea erg\u00e4nzt wird, bindet sich die Ukraine immer st\u00e4rker in die Verteidigungs\u00f6kosysteme der technologisch fortschrittlichsten Volkswirtschaften der Welt ein. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die langfristige Entwicklung ihrer verteidigungsindustriellen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-institutionalisierung-der-verteidigungsbeziehungen-in-europa-der-integrationistische-ansatz\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Institutionalisierung der Verteidigungsbeziehungen in Europa:<\/strong> <strong>Der integrationistische Ansatz<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Ukraine etabliert ihre Rolle als Sicherheitsanbieter in Europa durch zwei zentrale Mechanismen: die Integration ihrer Verteidigungsindustrie in europ\u00e4ische und euroatlantische Produktionsnetzwerke sowie den Transfer von Gefechtsfeldwissen an Partnerstreitkr\u00e4fte. <\/strong>Beide Mechanismen werden zunehmend durch formelle bilaterale und in einigen F\u00e4llen auch multilaterale Vereinbarungen institutionell verankert, wobei sich das Umsetzungstempo zwischen den einzelnen Partnern erheblich unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Integration der Ukraine erfolgt vor dem Hintergrund einer umfassenderen Intensivierung der Verteidigungszusammenarbeit in Europa. Eine aktuelle Analyse dieses Prozesses identifiziert mehr als 160 bilaterale und multilaterale Verteidigungsvereinbarungen, die seit 2014 zwischen EU-Mitgliedstaaten, dem Vereinigten K\u00f6nigreich und der Ukraine geschlossen wurden. Rund 80 % dieser Vereinbarungen entstanden nach Beginn der russischen Vollinvasion im Jahr 2022. Die Ukraine ist inzwischen umfassend in dieses Netzwerk eingebunden: 21 EU-Mitgliedstaaten verf\u00fcgen \u00fcber umfassende Verteidigungsabkommen mit Kyjiw.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"663\" height=\"370\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38128\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-3.png 663w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-3-600x335.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-3-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 663px) 100vw, 663px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h6 id=\"h-gemeinsam-das-arsenal-aufbauen\" class=\"wp-block-heading\">Gemeinsam das Arsenal aufbauen<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang der Ukraine vom Sicherheitskonsumenten zum Sicherheitsanbieter in Europa nimmt zunehmend durch Vereinbarungen \u00fcber gemeinsame Produktion, Lizenzierungsmodelle und eingebettete Industriepartnerschaftenkonkrete institutionelle Formen an. Die bilateralen Sicherheitsabkommen, die die Ukraine seit 2024 mit ihren Partnern abgeschlossen hat, schufen zun\u00e4chst politische Rahmenbedingungen f\u00fcr die Zusammenarbeit. Um jedoch von allgemeinen Verpflichtungen zu einer wirksamen praktischen Umsetzung \u00fcberzugehen, waren spezifischere Instrumente erforderlich. Die nachfolgend dargestellten Mechanismen zeigen, wie dieser Prozess fortschreitet und wie die Ukraine zunehmend selbst die Bedingungen der Zusammenarbeit mitgestaltet, anstatt lediglich die Angebote ihrer Partner anzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die ersten bilateralen Sicherheitsabkommen der Ukraine mit ihren Partnern waren vor allem politische Vereinbarungen und Signale einer langfristigen Unterst\u00fctzung. H\u00e4ufig blieben sie jedoch hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung der verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit relativ vage.<\/strong> So bleibt beispielsweise das Sicherheitsabkommen zwischen Deutschland und der Ukraine auf einer vergleichsweise allgemeinen Ebene: <em>\u201cDeutschland wird M\u00f6glichkeiten pr\u00fcfen, um die Beteiligung seiner Verteidigungsindustrie zu f\u00f6rdern und zu erleichtern, damit diese zur Entwicklung der ukrainischen Verteidigungsindustrie beitragen kann.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf EU-Ebene hat sich diese Architektur jedoch schnell weiterentwickelt. Die im November 2025 gestartete EUDIS Tech Alliance verbindet mehr als 40 europ\u00e4ische und ukrainische Verteidigungsunternehmen, die sich auf Drohnen- und Drohnenabwehrtechnologien konzentrieren. Die Architektur umfasst zudem die neu geschaffene Teilnahmeberechtigung ukrainischer Akteure am Europ\u00e4ischen Verteidigungsfonds mit einem Volumen von 8,4 Milliarden Euro, nachdem im Dezember 2025 eine entsprechende Regelung im Rahmen eines sogenannten \u201eMini-Defence Omnibus\u201c verabschiedet wurde. Hinzu kommt die EU-Ukraine Task Force f\u00fcr verteidigungsindustrielle Zusammenarbeit, deren Aufgabe darin besteht, die ukrainische Verteidigungsindustrie st\u00e4rker in das europ\u00e4ische \u00d6kosystem einzubinden. Dar\u00fcber hinaus ist die Ukraine berechtigt, am EU-Programm European Defence Projects of Common Interest teilzunehmen, das die Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie f\u00f6rdern soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um den Wissenstransfer als Bestandteil der Zusammenarbeit mit Kyjiw praktisch umzusetzen, hat die EU mit dem EU Defence Innovation Office (EUDIO) eine erste physische Pr\u00e4senz in Kyjiw geschaffen. Diese soll dazu beitragen, kampferprobte ukrainische Innovationen mit EU-Finanzierungsinstrumenten und europ\u00e4ischen Verteidigungsunternehmen zu verbinden. Ein konkretes Beispiel f\u00fcr diese Integration ist die gemeinsame Verwaltung der Initiative BraveTech EU durch EUDIO. Dieses mit 100 Millionen Euro ausgestattete Programm gilt als <em>\u201eerste strukturierte Verteidigungstechnologie-Kooperation [zwischen der EU und der Ukraine]\u201c<\/em> und verfolgt das Ziel, <em>\u201eForschung und Entwicklung, Tests sowie die Einf\u00fchrung von Dual-Use- und Gefechtsfeldtechnologien zu beschleunigen und dabei das ukrainische Innovations\u00f6kosystem mit den industriellen und institutionellen Kapazit\u00e4ten Europas zu verbinden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-14.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37779\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-14.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-14-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-14-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-14-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Europ\u00e4ische Kommission, Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Raumfahrt. (9. April 2025). <em>EU und Ukraine unterzeichnen Abkommen \u00fcber die Beteiligung der Ukraine an Teilen des EU-Raumfahrtprogramms<\/em>.<a href=\"https:\/\/defence-industry-space.ec.europa.eu\/eu-and-ukraine-sign-agreement-ukraines-participation-components-eu-space-programme-2025-04-09_en\"> https:\/\/defence-industry-space.ec.europa.eu\/eu-and-ukraine-sign-agreement-ukraines-participation-components-eu-space-programme-2025-04-09_en<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Drohnenf\u00e4higkeiten haben innerhalb dieser Architektur einen eigenen spezialisierten Entwicklungspfad hervorgebracht. Die im Mai 2026 angek\u00fcndigte EU-Ukraine Drone Alliance schafft ein von der Industrie getragenes \u00d6kosystem f\u00fcr Drohnen und Drohnenabwehr, das europ\u00e4ische und ukrainische Unternehmen ausdr\u00fccklich miteinander verbindet. Die ebenfalls 2026 gestartete European Drone Defence Initiative, die bis Ende 2027 ihre volle Einsatzf\u00e4higkeit erreichen soll, zielt darauf ab, ein mehrschichtiges kontinentales Drohnenabwehrsystem aufzubauen, das sich ausdr\u00fccklich auf ukrainische Erfahrungen vom Gefechtsfeld st\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Multilaterale Formate wie die Nordic-Baltic Eight (D\u00e4nemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden) bieten einen erg\u00e4nzenden minilateralen Ansatz, der auf der gemeinsamen geografischen N\u00e4he zu Russland und einer \u00e4hnlichen sicherheitspolitischen Bedrohungswahrnehmung beruht. Dieselbe Logik liegt der Entwicklung des d\u00e4nischen Modells zu einer multilateralen Finanzierungsplattform zugrunde, \u00fcber die auch Beitr\u00e4ge aus Schweden, Norwegen und den Niederlanden geb\u00fcndelt werden, obwohl dieser Mechanismus au\u00dferhalb eines formellen institutionellen Rahmens steht. Der Wert solcher Zusammenschl\u00fcsse liegt nicht nur in der Summe ihrer bilateralen Vereinbarungen, sondern vor allem im B\u00fcndelungseffekt durch gemeinsame Bedrohungsanalysen, koordinierte Beschaffung und kollektive Verhandlungsmacht, die einzelne bilaterale Beziehungen nicht erreichen k\u00f6nnen. Solche Ans\u00e4tze k\u00f6nnen eine mittlere Ebene zwischen rein bilateralen Vereinbarungen und umfassenderen EU- oder NATO-weiten Mechanismen bilden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erg\u00e4nzend zu diesen produktionsorientierten Vereinbarungen entwickelt sich zunehmend ein Integrationspfad im Bereich Forschung und Entwicklung, der nicht nur auf eine Ausweitung bestehender Produktion, sondern auf eine Beschleunigung gemeinsamer Innovationen abzielt. Brave-Norway, im Oktober 2025 mit einem Budget von 20 Millionen Euro gestartet, stellt F\u00f6rdermittel f\u00fcr die Entwicklung von Technologien mit unmittelbarer Gefechtsfeldrelevanz bereit, die direkt in der Ukraine getestet werden. Der im November 2025 angek\u00fcndigte gemeinsame Mechanismus NATO-Ukraine UNITE-Brave NATO soll Zusch\u00fcsse von bis zu 10 Millionen Euro f\u00fcr Projekte in den Bereichen Drohnenabwehr, Luftverteidigung und Kommunikation an der Front bereitstellen; nach Abschluss der Pilotphase besteht die M\u00f6glichkeit einer Aufstockung auf 50 Millionen Euro. Am 29. Juni 2026 b\u00fcndelte die ukrainische Regierung diese Initiativen unter dem gemeinsamen Rahmen Brave International, der bestehende und zuk\u00fcnftige Programme, darunter UNITE-Brave NATO, Brave Norway sowie neue Kooperationslinien mit Frankreich, Deutschland und Litauen, umfasst. Der Rahmen basiert auf gemeinsam finanzierten 50\/50-F\u00f6rderpools, gemeinsamen Leitungsgremien, offenen Wettbewerben f\u00fcr ukrainische und ausl\u00e4ndische Antragsteller sowie einer verpflichtenden Erprobung unter Gefechtsbedingungen \u00fcber die Plattform \u201eTest in Ukraine\u201c. Das anf\u00e4ngliche Budget \u00fcbersteigt 100 Millionen Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Ukraine gestaltet zunehmend selbst die Bedingungen ihrer industriellen Zusammenarbeit, w\u00e4hrend sie gleichzeitig das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen der Versorgung der eigenen Streitkr\u00e4fte und der Erschlie\u00dfung internationaler M\u00e4rkte bew\u00e4ltigen muss. <\/strong>Erstens fordert die ukrainische Regierung im Rahmen der Initiative \u201eBuild in Ukraine\u201c eine Lokalisierung ausl\u00e4ndischer Produktion: Ausl\u00e4ndische Unternehmen m\u00fcssen eine lokale Produktionspr\u00e4senz aufbauen, um langfristig Zugang zum ukrainischen Markt zu erhalten. Zweitens stellt die Ukraine im Rahmen von \u201eBuild with Ukraine\u201c geistiges Eigentum, Konstruktionsdaten und durch Kampferfahrung validierte operative Anforderungen f\u00fcr Produktionsst\u00e4tten in Partnerstaaten bereit. Anders als bei \u201eBuild in Ukraine\u201c verlangt Kyjiw hierbei keine lokale Pr\u00e4senz, sondern lizenziert ukrainische Entwicklungen an ausl\u00e4ndische Produktionsstandorte, bislang vor allem an europ\u00e4ische Partner. Dies entspricht eher einem klassischen Technologietransfermodell, mit dem entscheidenden Unterschied, dass der Technologiefluss nun von der Ukraine nach au\u00dfen erfolgt und nicht mehr wie in den fr\u00fchen Kriegsphasen \u00fcberwiegend in die Ukraine hinein. Parallel zu diesen Produktionsmodellen erm\u00f6glicht die bereits erw\u00e4hnte Plattform \u201eTest in Ukraine\u201c ausl\u00e4ndischen Unternehmen einen strukturierten Zugang zur ukrainischen Erprobungsumgebung unter realen Gefechtsbedingungen. Auch dies ist ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, dass Kyjiw zunehmend selbst die Bedingungen des Zugangs seiner Partner zu ukrainischen F\u00e4higkeiten bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das institutionelle Fundament dieser Initiative bildet ein Netzwerk von Memoranda of Understanding mit NATO-Partnern im Bereich der Qualit\u00e4tssicherung. Diese stellen sicher, dass ukrainische Verteidigungsprodukte bei ihrer Herstellung NATO-Standards erf\u00fcllen, wodurch Lieferungen beschleunigt und das Vertrauen in die Qualit\u00e4t der produzierten Systeme erh\u00f6ht werden. Dass \u201eBuild with Ukraine\u201c ausdr\u00fccklich auf NATO-Standards ausgerichtet ist, verdeutlicht die integrative Logik der wachsenden ukrainischen Verteidigungspartnerschaften mit Europa. Auf EU-Ebene wird diese Logik zus\u00e4tzlich durch strukturelle Finanzierungsinstrumente gest\u00e4rkt. Die Anforderung des SAFE-Instruments, wonach 65 % der Wertsch\u00f6pfung aus der EU, dem Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum oder der Ukraine stammen m\u00fcssen, bindet die Ukraine formell in europ\u00e4ische Verteidigungslieferketten ein. Gleichzeitig schafft die spezifische 300-Millionen-Euro-F\u00f6rderlinie innerhalb von EDIP direkte finanzielle Anreize f\u00fcr eine Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten und der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nach der Entscheidung im Jahr 2025, das Verbot ukrainischer Waffenexporte aufzuheben, hat Kyjiw schrittweise ein formelles Exportregime aufgebaut.<\/strong> Anfang 2026 erhielten ukrainische Unternehmen erste Genehmigungen, um Waffen \u00fcber zehn geplante \u201eExportzentren\u201c in Europa auszuf\u00fchren. Die erste Genehmigungswelle konzentriert sich jedoch zun\u00e4chst auf Komponenten, Ersatzteile und Dienstleistungen und weniger auf vollst\u00e4ndige Waffensysteme. Am 28. April 2026 bekr\u00e4ftigte Pr\u00e4sident Selenskyj erneut, dass Exporte stattfinden w\u00fcrden. In einigen Kategorien verf\u00fcge die Ukraine inzwischen \u00fcber bis zu 50 % \u00fcbersch\u00fcssige Produktionskapazit\u00e4ten, w\u00e4hrend die ukrainischen Streitkr\u00e4fte weiterhin vorrangigen Zugang zu allen ben\u00f6tigten Systemen behalten w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 1. Juli 2026 verabschiedete die Regierung ein formelles Exportregime, das w\u00e4hrend der Dauer des Kriegsrechts gelten soll. Exporte werden k\u00fcnftig im Rahmen des \u201eDrone Deal\u201c erfolgen \u2013 eines verteidigungsindustriellen Rahmens, der Bestandteil von \u201eBuild with Ukraine\u201c ist und den die Ukraine mit einer wachsenden Gruppe von Partnerstaaten vereinbart hat. Der staatliche Exportkontrolldienst soll Genehmigungen innerhalb von 30 Tagen nach Antragstellung erteilen. Voraussetzung ist, dass Hersteller gleichzeitig ukrainische Staatsauftr\u00e4ge und Exportvertr\u00e4ge erf\u00fcllen k\u00f6nnen. 20 % der Einnahmen aus Fertigprodukten und 30 % der Einnahmen aus Komponenten sollen in einen Fonds flie\u00dfen, der erneut in die ukrainische Verteidigungsindustrie investiert. Technologien werden ausschlie\u00dflich zur Nutzung durch Partner \u00fcbertragen; geistige Eigentumsrechte sind davon nicht umfasst. Dar\u00fcber hinaus bedarf jede Wiederausfuhr der schriftlichen Zustimmung der Ukraine, und Modernisierungsma\u00dfnahmen durch Partnerstaaten m\u00fcssen gegen\u00fcber der Ukraine dokumentiert werden. Wie der stellvertretende Sekret\u00e4r des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine, Davyd Alojan, erl\u00e4uterte, geht es bei dieser Initiative jedoch um mehr als \u201enur Drohnen\u201c, denn \u201enoch wichtiger sind die Erfahrung und das Wissen sowie der Zugang zu all den Komponenten, die hier in der Ukraine dieses System bilden\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Analyse des Defence Industries Initiative des Wirtschaftssicherheitsrats der Ukraine vom September 2025 stellte fest, dass das ukrainische Exportkontrollsystem unter einem <em>\u201ekritischen Mangel an Vorhersehbarkeit in seiner Anwendung w\u00e4hrend des Krieges\u201c<\/em> leidet. Die Produktionskapazit\u00e4ten wachsen zunehmend schneller als die inl\u00e4ndische Beschaffungsfinanzierung, w\u00e4hrend regulatorische Unsicherheit die notwendige Skalierung f\u00fcr internationale M\u00e4rkte hemmt. Auch nach der teilweisen Liberalisierung bleiben Exportkontrollen laut Orysja Luzevytsch ein <em>\u201eEngpass\u201c<\/em>. Die Ukraine m\u00fcsse weiterhin <em>\u201eein Gleichgewicht zwischen ihren Kriegsanforderungen und Exporten\u201c<\/em> finden. Auch mangelnde Verfahrens- und Genehmigungstransparenz bleibt ein erhebliches Hindernis: Ukrainische Verteidigungsunternehmen berichten, dass fehlende klare und nachvollziehbare Lizenzierungsmechanismen trotz des politischen Kurswechsels den Ausbau internationaler Gesch\u00e4fte erschweren. Ob der neue Rahmen vom Juli 2026 diese von Herstellern genannten Probleme der Planbarkeit tats\u00e4chlich l\u00f6st, bleibt abzuwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entsprechend der zuvor beschriebenen integrativen Logik betonen ukrainische Vertreter, dass Joint Ventures und gemeinsame Produktion Vorrang vor einfachen Exporten fertiger Produkte haben. Diese Modelle schaffen nachhaltigere Lieferketten und erm\u00f6glichen der Ukraine direkten Zugang zu Technologien und Finanzierungsquellen ihrer Partner. Die Nachfrageseite ist dabei stark ausgepr\u00e4gt: Eine Umfrage von Tech Force Ukraine unter 42 privaten Verteidigungsunternehmen ergab, dass 90 % der Unternehmen im ersten Quartal 2026 Kooperationsanfragen ausl\u00e4ndischer Regierungen erhielten. Die Hersteller nannten nicht mangelndes internationales Interesse, sondern vielmehr das staatliche Exportkontrollsystem als wichtigste H\u00fcrde bei der Umwandlung dieser Nachfrage in konkrete Vertr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<h6 id=\"h-vom-rahmenkonzept-zur-praxis\" class=\"wp-block-heading\">Vom Rahmenkonzept zur Praxis<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nachfolgend untersuchten vier bilateralen Partnerschaften zeigen, wie sich dieser Prozess zunehmend institutionell verfestigt. Es handelt sich um Beziehungen, in denen die zuvor beschriebenen Einschr\u00e4nkungen den \u00dcbergang von politischen Absichtserkl\u00e4rungen zu operativer Zusammenarbeit nicht verhindert, sondern teilweise sogar beschleunigt haben. Diese Beispiele markieren die fortgeschrittenste Phase der Umsetzung der Bilateralen Sicherheitsabkommen (BSAs) und verdeutlichen, wie die Partner der Ukraine den Schritt von allgemein formulierten Verpflichtungen hin zu konkreten Mechanismen der Zusammenarbeit vollziehen. <strong>In den Beziehungen der Ukraine zum Vereinigten K\u00f6nigreich, zu Deutschland, D\u00e4nemark und den Niederlanden zeigt sich dabei ein gemeinsames Muster: Zun\u00e4chst schaffen die BSAs den politischen Rahmen mit bewusst allgemein gehaltenen Verpflichtungen. Anschlie\u00dfend werden diese durch spezialisierte Instrumente in praktisch umsetzbare Mechanismen \u00fcberf\u00fchrt. Bis Anfang 2026 hatte jede dieser Partnerschaften bereits ein deutlich h\u00f6heres Reifestadium erreicht. <\/strong>Diese vier Beispiele stehen stellvertretend f\u00fcr einen umfassenderen Entwicklungstrend, der sich auch in den Beziehungen der Ukraine zu zahlreichen weiteren europ\u00e4ischen Partnern beobachten l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beziehungen zwischen der Ukraine und dem Vereinigten K\u00f6nigreich verdeutlichen besonders anschaulich die konzeptionelle Neuausrichtung der Zusammenarbeit \u2013 weg von einem Verh\u00e4ltnis zwischen Geber und Empf\u00e4nger hin zu einer strategischen Partnerschaft. Bereits kurz nach dem Abschluss des ersten BSA im Januar 2024 schufen beide L\u00e4nder durch ein Exportkreditabkommen vom Juli 2024 konkrete Finanzierungsmechanismen.[121] Ein Jahr nach Unterzeichnung des urspr\u00fcnglichen BSA schlossen sie das 100-Year Partnership Agreement, das ausdr\u00fccklich auf Dauer angelegt ist und als \u00fcbergeordneter Rahmen sowohl \u00fcber dem BSA als auch \u00fcber den spezialisierten Finanzierungsinstrumenten steht. Ziel dieses Abkommens ist es, die Beziehungen zwischen beiden Staaten generationen\u00fcbergreifend institutionell zu verankern. Charakteristisch f\u00fcr den gesamten Vertrag ist die konsequente Verwendung des Begriffs Partnerschaft anstelle von Unterst\u00fctzung oder Hilfe. Der Text von Artikel 8 (<em>\u201eSt\u00e4rkung von F\u00fchrungspositionen\u201c<\/em>) und Artikel 3 (Gr\u00fcndung einer <em>\u201ePartnerschaft f\u00fcr maritime Sicherheit\u201c<\/em>) behandelt die beiden L\u00e4nder als gleichberechtigte Partner, die gemeinsam F\u00e4higkeiten aufbauen, und nicht so, als w\u00fcrde das eine Land dem anderen etwas zur Verf\u00fcgung stellen. Zudem listet Artikel 1 zahlreiche Bereiche auf, in denen beide Seiten ihre Verteidigungszusammenarbeit vertiefen werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"526\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-15.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37780\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-15.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-15-600x337.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-15-768x432.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-15-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Kozatskyi, S. (25. Februar 2026). Ukrspecsystems nimmt die Produktion ukrainischer Drohnen in Gro\u00dfbritannien auf. Militarnyi. <a href=\"https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/ukrspecsystems-launches-production-of-ukrainian-drones-in-britain\/\">https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/ukrspecsystems-launches-production-of-ukrainian-drones-in-britain\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Keine andere bilaterale Beziehung bringt diesen Rollenwechsel so deutlich zum Ausdruck wie die Zusammenarbeit mit dem Vereinigten K\u00f6nigreich. Die Gemeinsame Erkl\u00e4rung vom M\u00e4rz 2026 bezeichnet die Ukraine und das Vereinigte K\u00f6nigreich ausdr\u00fccklich als <em>\u201ePartner bei der Entwicklung moderner Verteidigungsf\u00e4higkeiten auf der Grundlage ihrer gemeinsamen technologischen, industriellen, innovativen und operativen Kompetenzen sowie unter Einbeziehung der ukrainischen Gefechtserfahrung\u201c<\/em>. Damit enth\u00e4lt sie die wohl klarste Formulierung in einem bilateralen Dokument f\u00fcr den \u00dcbergang der Ukraine vom Empf\u00e4nger zu einem aktiven Anbieter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Initiative Project OCTOPUS veranschaulicht diese Entwicklung auf praktischer Ebene. In Anerkennung des etwa sechsw\u00f6chigen Innovations- und Lernzyklus der Ukraine auf dem Gefechtsfeld vereinbarten beide Staaten im September 2025 ein Programm zum Austausch von Drohnentechnologien. Das von dem britischen Verteidigungsminister John Healey als ein Projekt bezeichnete Vorhaben, das der britischen Industrie <em>\u201eeinen beispiellosen Zugang zu den neuesten Drohnenkonstruktionen\u201c<\/em> verschafft, sieht vor, dass die Ukraine Technologien und geistiges Eigentum f\u00fcr von ihr entwickelte Abfangdrohnen an britische Hersteller \u00fcbertr\u00e4gt. Diese produzieren die Systeme anschlie\u00dfend in gro\u00dfer St\u00fcckzahl, wobei monatlich Tausende Einheiten wieder an die Ukraine geliefert werden sollen. Die Abfangdrohne Octopus-100 wurde von den ukrainischen Streitkr\u00e4ften entwickelt und unter realen Gefechtsbedingungen erprobt, anschlie\u00dfend mit britischer technischer Unterst\u00fctzung weiterentwickelt und schlie\u00dflich an britische Produktionsunternehmen lizenziert. Das entsprechende Lizenzabkommen wurde im November 2025 unterzeichnet; die ersten in Gro\u00dfbritannien gefertigten Systeme absolvierten im Januar 2026 erfolgreich ihre Testfl\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im Bereich Daten und k\u00fcnstliche Intelligenz wurde die bilaterale Zusammenarbeit erheblich vertieft. Ein im Juni 2025 geschlossenes Battlefield Technology Data Sharing Agreement bindet ukrainische Datens\u00e4tze aus dem Frontgeschehen unmittelbar in britische Entwicklungs- und Produktionsprozesse ein. Erg\u00e4nzend dazu wurde im M\u00e4rz 2026 mit britischer Unterst\u00fctzung das Defence AI Center \u201eA1\u201c gegr\u00fcndet, in dem Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und Wissenschaftler gemeinsam Frontdaten auswerten und autonome Systeme entwickeln. Ziel dieser Zusammenarbeit ist nicht lediglich die Serienfertigung bereits existierender Systeme, sondern die gemeinsame Entwicklung der n\u00e4chsten Generation milit\u00e4rischer F\u00e4higkeiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"526\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-16.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37781\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-16.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-16-600x337.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-16-768x432.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-16-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Rainsford, S., Mao, F. und Zeffman, H. (16. Januar 2025). Gro\u00dfbritannien sagt der Ukraine im Rahmen eines 100-Jahres-Abkommens Unterst\u00fctzung zu. BBC News. <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cvgem31jekvo\">https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cvgem31jekvo<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Beziehungen zwischen der Ukraine und Deutschland haben sich weit \u00fcber die im BSA von 2024 enthaltene Zusage hinaus entwickelt, <em>\u201eM\u00f6glichkeiten zur F\u00f6rderung und Erleichterung einer verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit zu pr\u00fcfen\u201c<\/em>. Im Mai 2026 bezeichnete der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius beide L\u00e4nder als <em>\u201estrategische Partner\u201c<\/em>, die <em>\u201ezunehmend eine strukturierte und langfristige Partnerschaft aufbauen, mit der zu rechnen ist.\u201c<\/em> Bereits im Oktober 2025 unterzeichneten beide Staaten ein Abkommen \u00fcber verteidigungsindustrielle Zusammenarbeit, das sich auf gemeinsame Projekte in der Ukraine konzentriert, darunter die Produktion von Sch\u00fctzenpanzern des Typs Lynx, Munition sowie Wartungsprogramme f\u00fcr die Flugabwehrsysteme Gepard und Kampfpanzer Leopard.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr\u00fchjahr 2026 erreichte diese Partnerschaft eine weitere Entwicklungsstufe durch ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das mehrere Durchf\u00fchrungsvereinbarungen umfasst. Dazu geh\u00f6ren Regelungen zur gemeinsamen Umsetzung der Mittelstreckendrohne Seth-X, der Langstreckendrohne Anubis sowie eine Vereinbarung \u00fcber die Lieferung von Drohnen an Drittstaaten, darunter ausdr\u00fccklich Staaten der Golfregion. Hinzu kommt die bereits erw\u00e4hnte verteidigungstechnologische Zusammenarbeit \u00fcber die ukrainische Plattform Brave1. Parallel dazu entstanden enge industriepolitische Verbindungen zwischen beiden L\u00e4ndern. So wurde beispielsweise eine Kooperation zur Herstellung der Logistikdrohne Linza aufgebaut. Im Juni 2026 gr\u00fcndeten Quantum Systems und der ukrainische Hersteller Tencore das Gemeinschaftsunternehmen Quantum Tencore Industries, das das in der Ukraine entwickelte unbemannte Bodenfahrzeug TerMIT in Deutschland produziert. Eine erste, von Deutschland finanzierte Bestellung \u00fcber 2.000 Fahrzeuge zur Lieferung an die Ukraine zeigt beispielhaft, wie das Konzept \u201eBuild with Ukraine\u201c auf den Bereich bodengebundener Robotik \u00fcbertragen wird. Die Partnerschaft umfasst zudem einen umfangreichen Mechanismus zum aktiven Datenaustausch im Rahmen einer Vereinbarung zur gemeinsamen Datennutzung, der den Transfer von Rohdaten aus dem Einsatzgebiet f\u00fcr die deutsche KI-Entwicklung erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-17.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37782\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-17.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-17-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-17-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-17-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Pr\u00e4sidialamt der Ukraine. (14. April 2026). Die Ukraine und Deutschland unterzeichneten 10 Dokumente auf verschiedenen Ebenen. <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/ukrayina-j-nimechchina-uklali-10-dokumentiv-na-riznih-rivnya-103841\">https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/ukrayina-j-nimechchina-uklali-10-dokumentiv-na-riznih-rivnya-103841<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">D\u00e4nemark und die Niederlande haben ihre Zusammenarbeit mit der Ukraine im Bereich der Drohnenentwicklung erheblich ausgebaut und verdeutlichen damit den \u00dcbergang von politischen Absichtserkl\u00e4rungen zu gemeinsamer Produktion. Nachdem das BSA zwischen der Ukraine und D\u00e4nemark die Unterst\u00fctzung im Drohnenbereich zun\u00e4chst als d\u00e4nische Hilfe f\u00fcr die Ukraine definiert hatte, k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Selenskyj im Juni 2025 an, dass D\u00e4nemark das erste Land sein werde, mit dem die Ukraine die gemeinsame Produktion von Langstreckendrohnen und Raketen au\u00dferhalb ihres Staatsgebiets aufnimmt. Im selben Jahr stellte D\u00e4nemark hierf\u00fcr 1,26 Milliarden Euro f\u00fcr die ukrainische Drohnenproduktion bereit. Die erste gemeinsame Produktionslinie f\u00fcr Drohnen nahm im September 2025 in D\u00e4nemark den Betrieb auf. Beim NATO-Gipfel in Ankara im Juli 2026 unterzeichneten beide Staaten zudem einen Drone Deal. Wie Selenskyj bei der Unterzeichnungszeremonie erkl\u00e4rte: <em>\u201eMit D\u00e4nemark haben wir im Rahmen des d\u00e4nischen Modells erstmals die gemeinsame Produktion in der Ukraine begonnen. Daher ist es nur folgerichtig, dass D\u00e4nemark nun Zugang zu ukrainischen Waffenexporten erh\u00e4lt, die unter Kriegsbedingungen erprobt wurden.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend im BSA zwischen der Ukraine und den Niederlanden <em>\u201eunbemannte Fahrzeuge\u201c<\/em> als ein Bereich genannt wurden, in dem <em>\u201edie Ukraine mit den Niederlanden hinsichtlich der industriellen Fertigung und des operativen Know-hows zusammenarbeiten wird\u201c<\/em>, hat sich die Partnerschaft seitdem beschleunigt: Im Oktober 2025 unterzeichneten die beiden L\u00e4nder ein Abkommen \u00fcber die gemeinsame Produktion von Deep-Strike-Drohnen im Wert von 110 Millionen Euro, wobei die Plattformen im Rahmen der Initiative \u201eBuild with Ukraine\u201c in den Niederlanden gebaut werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit erfolgte im April 2026, als beide Staaten mit der Ausarbeitung eines umfassenden bilateralen Drone Deal begannen. Diesen bezeichneten sie als <em>\u201estrategische Initiative, die die gemeinsame Entwicklung und Produktion von Drohnen, Raketen, Systemen der elektronischen Kampff\u00fchrung und weiteren Verteidigungstechnologien vorsieht\u201c<\/em>, ebenso wie <em>\u201ekoordinierte Investitionen in Verteidigungsinfrastruktur, Forschung, Innovation und einen systematischen Austausch operativer Erfahrungen, die die Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression gewonnen hat\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die niederl\u00e4ndisch-ukrainische Zusammenarbeit veranschaulicht dasselbe Entwicklungsmuster: Eine Klausel des bilateralen Sicherheitsabkommens vom M\u00e4rz 2024, in der ukrainisches operatives Wissen \u00fcber unbemannte Systeme ausdr\u00fccklich als Beitrag zur Partnerschaft genannt wurde, entwickelte sich innerhalb von zwei Jahren zu einem Lizenzabkommen, einem Drone Deal und einer Verpflichtung zum systematischen Austausch operativer Erfahrungen. Jedes dieser Instrumente war konkreter ausgestaltet als sein Vorg\u00e4nger und m\u00fcndete schlie\u00dflich in einen vollwertigen Drone Deal, der am 7. Juli 2026 beim NATO-Gipfel in Ankara unterzeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das gleiche Muster, wonach BSA-Verpflichtungen zu konkreten industriellen Mechanismen ausreifen und der Austausch operativer Erfahrungen zunehmend als vertraglicher Bestandteil verankert wird, l\u00e4sst sich in den Partnerschaften der Ukraine mit den meisten NATO-Staaten beobachten, wenn auch in unterschiedlichen Reifestadien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein im Oktober 2025 mit Schweden unterzeichneter Letter of Intent zur Zusammenarbeit im Bereich der Luftstreitkr\u00e4fte erkennt die ukrainische operative Erfahrung ausdr\u00fccklich als Ressource an, die Schweden nutzen m\u00f6chte. Das Dokument nennt insbesondere den<em> \u201eAustausch von Erfahrungen und Wissen \u00fcber Luftkriegf\u00fchrung und Luftverteidigung sowie \u00fcber den Einsatz fortschrittlicher F\u00e4higkeiten in diesen Bereichen\u201c.<\/em> Im November 2025 unterzeichneten der schwedische R\u00fcstungskonzern Saab und ein ukrainischer Partner ein Memorandum of Understanding \u00fcber die Lokalisierung der Produktion von Gripen-Kampfflugzeugen in der Ukraine. Dies stellt eine Anwendung der Initiative \u201eBuild in Ukraine\u201c auf den Bereich der Kampfflugzeuge dar und geh\u00f6rt zu den bislang ehrgeizigsten Vorhaben zur industriellen Lokalisierung. Noch vor Beginn der lokalen Produktion schlossen die Ukraine und Schweden im Mai 2026 ein Abkommen \u00fcber die Beschaffung von bis zu 20 Gripen E\/F-Kampfflugzeugen, finanziert \u00fcber das EU Ukraine Support Loan, sowie \u00fcber die Lieferung von 16 Gripen C\/D als unmittelbare Milit\u00e4rhilfe. Zur Umsetzung dieses Rahmens unterzeichneten beide Regierungen am 30. Juni 2026 ein weiteres Abkommen \u00fcber die Beschaffung von 16 Gripen E, finanziert durch ein EU-Darlehen mit Unterst\u00fctzung des Vereinigten K\u00f6nigreichs. Die Auslieferung soll Anfang 2029 beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende April 2026 vereinbarte Norwegen die gemeinsame Produktion mehrerer Tausend Mittelstreckendrohnen auf norwegischem Territorium unter ukrainischer Lizenz. Polen k\u00fcndigte gleichzeitig ein nationales Drohnenentwicklungsprogramm an, das ausdr\u00fccklich auf ukrainischer Expertise aufbaut. Grundlage hierf\u00fcr ist eine bereits im September 2025 eingerichtete Joint Working Group on Unmanned Aerial Systems, die den Austausch operativen Wissens sowie die gemeinsame Entwicklung von UAS- und C-UAS-Konzepten f\u00f6rdern soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter s\u00fcdlich f\u00fchrte der bilaterale Gipfel zwischen Spanien und der Ukraine im M\u00e4rz 2026 zur Gr\u00fcndung mehrerer gemeinsamer Industrieprojekte. Dazu geh\u00f6ren Kooperationen zwischen dem spanischen Unternehmen Sener und den ukrainischen Raketen- und Luftverteidigungsunternehmen Luch, Fire Point und Radionix sowie zwischen Escribano und dem ukrainischen Hersteller unbemannter Systeme Skyeton zur gemeinsamen Entwicklung lasergelenkter Angriffssysteme auf Basis ukrainischer Drohnenplattformen. Ein Teil des spanischen Finanzierungspakets f\u00fcr diese Joint Ventures wird \u00fcber das SAFE-Instrument finanziert. Diese Vereinbarungen erweitern das beschriebene Kooperationsmuster auf die s\u00fcdliche Flanke der NATO und verankern es zugleich auf der Ebene privatwirtschaftlicher Unternehmen. Dadurch beruhen sie st\u00e4rker auf industriellen Interessen als ausschlie\u00dflich auf politischen Verpflichtungen und sind folglich weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Ver\u00e4nderungen infolge von Regierungswechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Allen diesen Beispielen ist gemeinsam, dass die Partner die Ukraine ausdr\u00fccklich nicht mehr als Empf\u00e4nger von Hilfe, sondern als Quelle von Wissen und als Anbieter milit\u00e4rischer F\u00e4higkeiten betrachten. <\/strong>Wie der estnische Ministerpr\u00e4sident Kristen Michal bei der Unterzeichnung des Ukraine\u2013Estonia Drone Deal auf dem NATO-Gipfel in Ankara im Juli 2026 erkl\u00e4rte: <em>\u201eDie Ukraine ist nicht l\u00e4nger nur Empf\u00e4nger von Sicherheit \u2013 sie wird zu einem Sicherheitsanbieter f\u00fcr Europa.\u201c <\/em>Der in diesem Bericht beschriebene \u00dcbergang der Ukraine zu einem Sicherheitsanbieter wird somit nicht auf die Zeit nach dem Krieg verschoben. Vielmehr wird er bereits jetzt, w\u00e4hrend der Krieg andauert, sowohl innerhalb der Ukraine als auch in den Partnerstaaten institutionell verankert, und zwar zunehmend zu Bedingungen, die von Kyjiw selbst gestaltet werden.<\/p>\n\n\n\n<h6 id=\"h-die-ukraine-als-ausbilder-in\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Ukraine als Ausbilder<\/strong>in <\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bereits Anfang 2026 begann die ukrainische Milit\u00e4rf\u00fchrung, die Teilnahme an grundlegenden Ausbildungsprogrammen im Ausland schrittweise zu reduzieren. Ein hochrangiger ukrainischer Milit\u00e4rvertreter begr\u00fcndete dies damit, dass die westliche Ausbildung <em>\u201evon unseren Realit\u00e4ten und den aktuellen Kampfhandlungen abgekoppelt\u201c<\/em> sei.<\/strong> Die Ukraine entwickelt sich zunehmend vom Empf\u00e4nger zum Vermittler relevanter Taktiken, Techniken und Verfahren (TTPs). Dieser Rollenwechsel wird durch die in diesem Abschnitt beschriebenen institutionellen Mechanismen erst allm\u00e4hlich formalisiert, w\u00e4hrend das Tempo, mit dem die Partner diese Erfahrungen aufnehmen und umsetzen, bislang noch nicht Schritt halten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die ukrainischen Streitkr\u00e4fte \u00fcbernehmen zunehmend die Rolle eines Ausbilders und Beraters f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte ihrer Partner auf Grundlage ihrer umfassenden Gefechtserfahrung.<\/strong> Mehrere BSAs spiegeln ausdr\u00fccklich die Erkenntnis wider, dass die aktive Weitergabe ukrainischer Kampferfahrungen f\u00fcr die Verb\u00fcndeten von wachsender Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"556\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-18.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37783\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-18.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-18-600x356.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-18-768x456.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-18-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Khomenko, V. (23. April 2026). Ukrainische Ausbilder beginnen mit der Ausbildung deutscher Soldaten in Bundeswehr-Ausbildungszentren. Militarnyi. <a href=\"https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/ukrainian-instructors-begin-training-german-troops-at-bundeswehr-centers\/\">https:\/\/militarnyi.com\/en\/news\/ukrainian-instructors-begin-training-german-troops-at-bundeswehr-centers\/<\/a><br><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So h\u00e4lt das BSA zwischen der Ukraine und Estland fest, dass <em>\u201edie Ukraine \u00fcber einzigartige und hochrelevante Erfahrungen und Fachkenntnisse des modernen konventionellen Gefechtsfeldes verf\u00fcgt, die f\u00fcr Estland und andere Verb\u00fcndete bei der Weiterentwicklung ihrer Sicherheits- und Verteidigungskr\u00e4fte erforderlich sind\u201c<\/em>, sowohl im Hinblick auf milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten als auch auf die operative Planung. Dar\u00fcber hinaus betont das Abkommen, dass <em>\u201eder Informationsaustausch in Bereichen von der Luftverteidigung und der elektronischen Kampff\u00fchrung bis hin zu Lagebild- und Gefechtsf\u00fchrungssystemen von entscheidender Bedeutung ist\u201c<\/em>. Auch das entsprechende BSA mit Kanada hebt hervor, dass <em>\u201edie Ukraine bedeutende Erfahrungen und Fachkenntnisse erworben hat, die zur weiteren Modernisierung der kanadischen Streitkr\u00e4fte beitragen k\u00f6nnen, insbesondere bei der Entwicklung und milit\u00e4rischen Nutzung neuer Technologien und aufkommender F\u00e4higkeiten\u201c<\/em>. Ebenso nennt das BSA zwischen der Ukraine und Spanien ausdr\u00fccklich <em>\u201edie aus den Erfahrungen auf dem ukrainischen Gefechtsfeld gewonnenen Erkenntnisse sowie Ausbildungsindikatoren\u201c<\/em> als Grundlage f\u00fcr die gemeinsame Entwicklung von Ausbildungsprogrammen, anstatt Ausbildung ausschlie\u00dflich als eine Leistung Spaniens gegen\u00fcber der Ukraine zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Wandel der Ukraine vom Auszubildenden zum Ausbilder zeigt sich bereits in der Praxis. <\/strong>Deutschland vereinbarte Anfang 2026, dass ukrainische Ausbilder deutsches Milit\u00e4rpersonal an deutschen Ausbildungseinrichtungen im Bereich der Drohnenkriegf\u00fchrung schulen. Deutsche Offiziere erkl\u00e4rten gegen\u00fcber <em>Der Spiegel:<\/em> <em>\u201eNiemand in der NATO verf\u00fcgt derzeit \u00fcber mehr Kampferfahrung als die Ukraine \u2013 wir m\u00fcssen diese nutzen.\u201c<\/em> Auch Lettland integrierte im Januar 2026 erstmals die Erfahrungen ukrainischer Streitkr\u00e4fte in seine multinationalen \u00dcbungen, deren Ausbildungsprogramm ausdr\u00fccklich auf den Lehren des ukrainischen Gefechtsfeldes aufbaute. Im Mai 2026 best\u00e4tigte zudem die kanadische Generalstabschefin General Jennie Carignan, dass die kanadischen Streitkr\u00e4fte <em>\u201esehr viel<\/em>\u201c direkt von ihren ukrainischen Partnern lernen. Sie betonte, dass diese Erkenntnisse bereits in die Modernisierung der kanadischen Streitkr\u00e4fte einflie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neben der unmittelbaren Ausbildung bietet die Ukraine ihren NATO-Partnern auch<\/strong> <strong>M\u00f6glichkeiten eines indirekten Wissenstransfers. <\/strong>Ukrainische Soldaten \u00fcbernehmen regelm\u00e4\u00dfig die Rolle der gegnerischen Kr\u00e4fte (\u201eRed Team\u201c) bei milit\u00e4rischen Planspielen und \u00dcbungen und demonstrieren dabei die Wirksamkeit ihrer operativen Konzepte. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die \u00dcbung Robotic Experimentation and Prototyping using Maritime Unmanned Systems (REPMUS) Dynamic Messenger 2025 in Portugal. Dort besiegten ukrainische Teilnehmer ihre NATO-Gegenspieler in f\u00fcnf verschiedenen Szenarien. Mithilfe der ukrainischen Marinedrohne Magura V7 simulierten sie das Versenken einer NATO-Fregatte so schnell, dass die NATO-TeilnehmerInnen <em>\u201ef\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter im gemeinsamen Chat noch fragten, ob der Angriff \u00fcberhaupt schon begonnen habe\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00e4hnlicher indirekter Wissenstransfer zeigte sich auch bei einer weiteren NATO-\u00dcbung mit ukrainischer Beteiligung. Bei Hedgehog 2025 luden estnische Offiziere gezielt ukrainische Soldaten ein, um ein <em>\u201eumk\u00e4mpftes und hochverdichtetes\u201c<\/em> Gefechtsfeld zu simulieren und <em>\u201eReibung, Stress f\u00fcr die Einheiten und kognitive \u00dcberlastung m\u00f6glichst fr\u00fch zu erzeugen\u201c<\/em>. Zehn ukrainische Soldaten simulierten innerhalb von etwa einem halben Tag die Zerst\u00f6rung von 17 gepanzerten Fahrzeugen und f\u00fchrten 30 Angriffe durch \u2013 ein Szenario, das der Vernichtung von zwei Bataillonen entsprach und von mehreren Teilnehmern der NATO-Streitkr\u00e4fte als <em>\u201eerschreckend\u201c<\/em> und <em>\u201eschockierend\u201c<\/em> beschrieben wurde. Dasselbe Muster zeigte sich erneut bei der \u00dcbung Aurora 26, der gr\u00f6\u00dften nationalen Milit\u00e4r\u00fcbung Schwedens im Zeitraum April-Mai 2026, an der 18.000 Soldaten aus zw\u00f6lf NATO-Mitgliedstaaten sowie der Ukraine teilnahmen. Ukrainische Drohnenoperateure durchbrachen dort wiederholt die Stellungen der alliierten Kr\u00e4fte und zwangen die \u00dcbungsleitung mehrfach zu Unterbrechungen, damit die schwedischen Streitkr\u00e4fte ihre eingesetzten Taktiken neu bewerten konnten.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-jungste-ubungen-unter-beteiligung-der-ukraine\"><strong>J\u00fcngste \u00dcbungen unter Beteiligung der Ukraine<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"653\" height=\"294\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-4.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38129\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-4.png 653w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-4-600x270.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-4-18x8.png 18w\" sizes=\"(max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>NATO-Verantwortliche integrieren die aus dem Krieg in der Ukraine gewonnenen Erkenntnisse zunehmend aktiv in ihre Planungsprozesse.<\/strong> Der erste Besuch von Admiral Pierre Vandier, dem Supreme Allied Commander Transformation (SACT) der NATO, in Kyjiw im M\u00e4rz 2026 stellt m\u00f6glicherweise die rangh\u00f6chste formelle Anerkennung dieses indirekten Wissenstransfers auf Ebene des B\u00fcndnisses dar. Vandier hob dabei zwei zentrale Lehren f\u00fcr die NATO hervor: Zum einen m\u00fcsse das B\u00fcndnis in der Lage sein, die aus der Ukraine gewonnenen Erkenntnisse wesentlich schneller aufzunehmen und umzusetzen; zum anderen m\u00fcsse die industrielle Basis der Allianz ein Leitbild der <em>\u201efrugal lethality\u201c<\/em> entwickeln. Der passive Wissenstransfer findet damit nicht nur im Rahmen bilateraler \u00dcbungen statt, sondern wird inzwischen auch auf h\u00f6chster NATO-Ebene ausdr\u00fccklich anerkannt und konzeptionell aufgearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Erreichen seiner vollst\u00e4ndigen Einsatzf\u00e4higkeit k\u00f6nnte das NATO-Ukraine Joint Analysis, Training and Education Centre (JATEC) in Bydgoszcz zu einem zentralen Mechanismus werden, \u00fcber den ukrainische Erfahrungen innerhalb der NATO geb\u00fcndelt, ausgewertet und weitergegeben werden. In vielen F\u00e4llen haben sich jedoch die bilateralen Austauschkan\u00e4le zwischen der Ukraine und einzelnen B\u00fcndnispartnern bislang schneller entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus integriert sich die Ukraine zunehmend in NATO-nahe Kooperationsstrukturen. So unterzeichnete sie im November 2025 ein Abkommen \u00fcber eine vertiefte Partnerschaft mit der Joint Expeditionary Force (JEF), einem von Gro\u00dfbritannien gef\u00fchrten Zusammenschluss von zehn nordeurop\u00e4ischen Staaten. Derartige Formate schaffen zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Zusammenarbeit und Wissenstransfer. Parallel dazu bilden Gruppen von NATO-Mitgliedstaaten weitere ad-hoc-Koalitionen zur Umsetzung spezifischer Projekte. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist das Programm LEAP, das vom Vereinigten K\u00f6nigreich, Frankreich, Deutschland, Italien und Polen getragen wird. Ziel des Programms ist die <em>Entwicklung kosteng\u00fcnstiger Abfangdrohnen innerhalb eines Jahres<\/em>, wobei ausdr\u00fccklich auf den Erfahrungen der Ukraine auf dem Gefechtsfeld aufgebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>W\u00e4hrend ukrainische TTPs durch solche \u00dcbungen, Besuche und Kooperationsformate zunehmend ihren Weg in die Streitkr\u00e4fte der Partnerstaaten finden, gestaltet sich die Umsetzung der umfassenderen doktrin\u00e4ren und institutionellen Ver\u00e4nderungen, die f\u00fcr ihre vollst\u00e4ndige \u00dcbernahme erforderlich w\u00e4ren, deutlich langsamer. Dies betrifft insbesondere Anpassungen milit\u00e4rischer Doktrinen, der Streitkr\u00e4ftestruktur sowie der Verteidigungsbeschaffung. Solche Reformen k\u00f6nnen schwierige Entscheidungen erfordern, etwa die Aufl\u00f6sung bestehender Truppengattungen zugunsten neuer Verb\u00e4nde f\u00fcr Drohnen- und elektronische Kampff\u00fchrung.<\/strong> Weitere Hindernisse ergeben sich aus Geheimhaltungsvorschriften, die den Informationsaustausch zwischen der NATO und der Ukraine einschr\u00e4nken.[162] Dadurch besteht die Gefahr, dass die Partner ukrainische Innovationen erst zu einem Zeitpunkt \u00fcbernehmen, an dem sich das Gefechtsfeld bereits weiterentwickelt hat und diese Erkenntnisse teilweise \u00fcberholt sind.<\/p>\n\n\n\n<h5 id=\"h-uber-europa-hinaus-der-wirtschaftlich-strategische-ansatz\" class=\"wp-block-heading\">\u00dcber Europa hinaus: Der wirtschaftlich-strategische Ansatz<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Engagement der Ukraine au\u00dferhalb Europas folgt einer anderen Logik als ihre Integration in die euro-atlantischen Strukturen. Es basiert \u00fcberwiegend auf wirtschaftlich-strategischen Beziehungen, in deren Rahmen Kyjiw seine kampferprobten F\u00e4higkeiten und seine umfangreichen Gefechtserfahrungen gegen konkrete materielle oder strategische Gegenleistungen anbietet. <\/strong>Ein Teil dieser Kooperationen entwickelt sich innerhalb eines sogenannten <em>\u201eBypass-Netzwerks\u201c<\/em> von Partnern, das sowohl als Reaktion auf als auch aufgrund struktureller Ver\u00e4nderungen infolge der Politik der Vereinigten Staaten entstanden ist. Der R\u00fcckzug der USA aus ihrer bisherigen F\u00fchrungsrolle in der europ\u00e4ischen Sicherheitsordnung schafft eine Nachfrage nach Partnern, die \u00fcber eigenst\u00e4ndige, kampferprobte milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen und diese ohne Zustimmung oder Genehmigung Washingtons weitergeben k\u00f6nnen. Die Aufhebung des ukrainischen Exportverbots f\u00fcr Waffen er\u00f6ffnet diesen Kooperationen zudem eine deutlich st\u00e4rkere kommerzielle Dimension, auch wenn Exportkontrollen bestehen bleiben werden, um ukrainisches geistiges Eigentum zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Besonders attraktiv sind die ukrainischen F\u00e4higkeiten dort, wo Partner entweder kosteng\u00fcnstige, drohnengest\u00fctzte F\u00e4higkeiten aufbauen oder wirksame L\u00f6sungen zur Drohnenabwehr entwickeln wollen, h\u00e4ufig treffen beide Anforderungen gleichzeitig zu.<\/strong> Dieses Engagement ist zugleich Teil einer bewusst verfolgten Strategie: Durch den Ausbau von Sicherheitskooperationen au\u00dferhalb Europas diversifiziert die Ukraine ihre au\u00dfenpolitischen Abh\u00e4ngigkeiten, demonstriert ihren Mehrwert gegen\u00fcber Staaten, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine andernfalls vor allem als finanzielle Belastung betrachten k\u00f6nnten, und erzielt materielle Gegenleistungen, die unmittelbar ihre eigene Verteidigungsf\u00e4higkeit im Krieg st\u00e4rken. Die sich entwickelnden Partnerschaften der Ukraine mit den Golfstaaten stellen derzeit ihre ehrgeizigste sicherheitspolitische Initiative au\u00dferhalb Europas dar. Sie beruhen auf einem konkreten und dringenden operativen Bedarf, den die Ukraine aufgrund ihrer einzigartigen Erfahrungen besonders gut decken kann. Seit Beginn der Luftangriffe der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran Ende Februar 2026 sind die Golfstaaten nahezu t\u00e4glich der Bedrohung durch iranische Drohnenangriffe ausgesetzt. Bei diesen Drohnen handelt es sich um das Ergebnis einer fortlaufenden, kampfbedingten Weiterentwicklung iranischer Shahed-Drohnen, die urspr\u00fcnglich in den Jahren 2022-2023 an Russland geliefert wurden. Russland entwickelte diese Systeme durch ihren Einsatz gegen die Ukraine weiter und liefert die modernisierten Versionen inzwischen wieder an den Iran zur\u00fcck. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzte Russland den Iran im Bereich der Cyberf\u00e4higkeiten und der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit. Die Golfstaaten sehen sich somit einer von Russland weiterentwickelten Bedrohung gegen\u00fcber, gegen die die Ukraine seit vier Jahren unter wesentlich gr\u00f6\u00dferer Intensit\u00e4t und in erheblich gr\u00f6\u00dferem Umfang k\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um dieser Bedrohung zu begegnen, bietet die Ukraine ihre F\u00e4higkeiten und Erfahrungen im Bereich der Drohnenabwehr im Austausch gegen Flugabwehr- und Raketenabwehrlenkflugk\u00f6rper, Finanzmittel, Energielieferungen und weitere Gegenleistungen an. Zur Absicherung dieses Austauschs haben Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate bereits zehnj\u00e4hrige Kooperationsabkommen mit der Ukraine unterzeichnet; mit Bahrain, Kuwait und Oman laufen vergleichbare Verhandlungen. Der institutionelle Rahmen dieser Zusammenarbeit entwickelt sich derzeit mit hoher Dynamik. Zudem deutet die Strategische Partnerschaftserkl\u00e4rung zwischen Deutschland und der Ukraine vom April 2026, die eine spezifische Durchf\u00fchrungsvereinbarung zur Lieferung von Drohnen an Golfstaaten enth\u00e4lt, darauf hin, dass sich die europ\u00e4ischen Kooperationsmodelle im Bereich der gemeinsamen R\u00fcstungsproduktion zunehmend mit dem kommerziell-strategischen Ansatz der Ukraine au\u00dferhalb Europas \u00fcberschneiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Angaben von Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj entsandte die Ukraine milit\u00e4rische Ausbilder mit Spezialisierung auf Drohnenabwehr und elektronische Kampff\u00fchrung in den Nahen Osten. <em>\u201eHaben wir iranische Shaheds zerst\u00f6rt?\u201c<\/em>, fragte Selenskyj w\u00e4hrend einer Presseunterrichtung zu diesem Einsatz. <em>\u201eJa, das haben wir. Haben wir das nur in einem Land getan? Nein, in mehreren. Und aus meiner Sicht ist das ein Erfolg.\u201c<\/em> Dass sogar die USA zu den insgesamt elf Staaten geh\u00f6rten, die ukrainische Unterst\u00fctzung im Bereich der Drohnenabwehr anforderten, obwohl US-Pr\u00e4sident Donald J. Trump erkl\u00e4rte, <em>\u201ewir brauchen [die Hilfe der Ukraine] bei der Drohnenabwehr nicht\u201c<\/em>, verdeutlicht die wachsende Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieter, dessen F\u00e4higkeiten sich f\u00fcr viele Partner nicht ohne Weiteres anderweitig beschaffen lassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"389\" height=\"334\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38130\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-5.png 389w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/DE_The-Arsenal-of-Experience-5-14x12.png 14w\" sizes=\"(max-width: 389px) 100vw, 389px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Asien baut die Ukraine ihre verteidigungspolitischen Beziehungen aus. Die Zusammenarbeit mit Japan gewann ab April 2026 erheblich an Dynamik, nachdem Japan sein seit dem Zweiten Weltkrieg bestehendes Verbot des Exports t\u00f6dlicher Waffen aufgehoben hatte. Das japanische Unternehmen Terra Drone, das zuvor \u00fcber seine niederl\u00e4ndische Tochtergesellschaft milit\u00e4risch relevante Technologien an die Ukraine geliefert hatte, k\u00fcndigte an, k\u00fcnftig direkt mit der Ukraine bei der Entwicklung von Abfangdrohnen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig bem\u00fcht sich Kyjiw um japanische staatliche Finanzmittel f\u00fcr die Entwicklung eigener Luftabwehrsysteme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus steht die Ukraine kurz vor dem Abschluss eines Sicherheitskooperationsabkommens mit Indien, das Teil einer umfassenderen Strategie zum Export von Verteidigungstechnologien nach Asien ist. Allerdings d\u00fcrfte die enge und weiter wachsende Verteidigungszusammenarbeit zwischen Indien und Russland die bilaterale Kooperation auf einzelne Nischenbereiche, insbesondere Technologien zur Drohnenabwehr, beschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch f\u00fcr Taiwan besitzt die ukrainische Erfahrung im asymmetrischen Kampf gegen einen milit\u00e4risch \u00fcberlegenen Gegner einen hohen Erkenntniswert. Da jedoch keine offiziellen zwischenstaatlichen Beziehungen bestehen, fehlen die politischen Voraussetzungen f\u00fcr eine engere staatliche Zusammenarbeit. Kurzfristig d\u00fcrfte sich die Kooperation daher vor allem \u00fcber Unternehmen, die Privatwirtschaft und zivilgesellschaftliche Kontakte weiterentwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der kommerziell-strategische Ansatz der Ukraine au\u00dferhalb Europas unterscheidet sich grundlegend vom integrationsorientierten Ansatz gegen\u00fcber Europa. Er st\u00fctzt sich nicht auf bilaterale Sicherheitsabkommen (BSA), sondern wird \u00fcberwiegend durch kurzfristige operative Nachfrage und konkrete sicherheitspolitische Bed\u00fcrfnisse bestimmt. Dieses wachsende Netzwerk stellt jedoch keine Alternative zur europ\u00e4ischen Integrationsarchitektur dar, sondern erg\u00e4nzt sie vielmehr: W\u00e4hrend Europa die Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieter durch politische Vereinbarungen, spezialisierte Instrumente und Modelle gemeinsamer R\u00fcstungsproduktion institutionell verankert, zeigt die Zusammenarbeit au\u00dferhalb Europas, dass gerade jene kampferprobten F\u00e4higkeiten und Erfahrungen, die die Integration der Ukraine in die euro-atlantische Sicherheitsarchitektur vorantreiben, zugleich weit \u00fcber Europa hinaus auf gro\u00dfes Interesse sto\u00dfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"936\" height=\"624\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-19.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37785\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-19.png 936w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-19-600x400.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-19-768x512.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-19-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 936px) 100vw, 936px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Schiavi, F. S. (27. M\u00e4rz 2026). Der Drohnenkrieg der Ukraine ver\u00e4ndert die Verteidigungspolitik am Golf. Gulf International Forum. <a href=\"https:\/\/gulfif.org\/ukraines-drone-war-is-reshaping-gulf-defense\/\">https:\/\/gulfif.org\/ukraines-drone-war-is-reshaping-gulf-defense\/<\/a><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-das-ukrainische-erfahrungsarsenal-nach-dem-krieg\"><strong>Das ukrainische Erfahrungsarsenal nach dem Krieg<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auch wenn sich die genaue Rolle der Ukraine in der Zeit nach dem Krieg angesichts der Vielzahl ma\u00dfgeblicher Einflussfaktoren und ihrer Abh\u00e4ngigkeit von der konkreten Ausgestaltung einer Nachkriegsordnung nicht vorhersagen l\u00e4sst, werden die institutionellen Rahmenbedingungen, die die Ukraine und ihre Partner bereits heute schaffen, den Handlungsspielraum der Zukunft entscheidend bestimmen. <\/strong>Eines steht jedoch fest: Der Wandel der Ukraine vom Sicherheitsempf\u00e4nger zum Sicherheitsanbieter wird nicht auf einen Friedensschluss verschoben, sondern bereits w\u00e4hrend des andauernden Krieges institutionell verankert. Die in den vorangegangenen Kapiteln beschriebenen Strukturen bilden genau jene Mechanismen, durch die sich dieser kurzfristige Transformationsprozess in eine dauerhafte Sicherheitsarchitektur der Nachkriegszeit \u00fcberf\u00fchren l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"822\" height=\"400\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-21.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-37843\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-21.png 822w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-21-600x292.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-21-768x374.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/image-21-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 822px) 100vw, 822px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: Maxim Subotin (3. April 2024) Ein ukrainischer Soldat h\u00e4lt eine \u201ePunisher\u201c-Drohne in der Hand \u2013 ein Beispiel f\u00fcr die wachsende Rolle der Ukraine als Anbieter kampferprobter Verteidigungsf\u00e4higkeiten. Foto: Wikimedia Commons \/ PUNISHER drone file.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl dieser Abschnitt die Entwicklung der Ukraine unter dem Gesichtspunkt eines \u00dcbergangs in die Nachkriegszeit betrachtet, ist kaum davon auszugehen, dass sich eine klare Z\u00e4sur zwischen Krieg und Frieden ergeben wird. Vielmehr werden die gegenw\u00e4rtig entstehenden institutionellen Strukturen die Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieter voraussichtlich unter Bedingungen einer fortdauernden und m\u00f6glicherweise sogar zunehmenden Bedrohung aufrechterhalten m\u00fcssen und nicht unter den Voraussetzungen eines stabilen Friedens. Selbst ein erfolgreicher Waffenstillstand k\u00f6nnte neue Risiken mit sich bringen: etwa innenpolitischen Druck zur Demobilisierung der ukrainischen Streitkr\u00e4fte, die M\u00f6glichkeit einer milit\u00e4rischen Reorganisation Russlands sowie eine nachlassende Unterst\u00fctzungsbereitschaft europ\u00e4ischer Partner. Gerade deshalb ist es von zentraler Bedeutung, die in diesem Bericht beschriebenen institutionellen Strukturen bereits jetzt dauerhaft zu verankern, bevor ein solches Szenario eintritt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Nutzen der von der Ukraine gesammelten Kampferfahrungen und F\u00e4higkeiten wird nicht an dem Tag verschwinden, an dem der Krieg endet, sondern er wird zeitlich begrenzt sein. Kurz gesagt: Diese werden zu an Wert verlierenden Verm\u00f6genswerten, sobald der existenzielle Zwang zur Innovation nachl\u00e4sst. <\/strong>Das Tempo des Wertverlusts h\u00e4ngt jedoch davon ab, worum es sich handelt. Hardware-Vorteile schwinden, wenn Partnerindustrien aufholen, doch operativ fundiertes institutionelles Wissen verliert langsamer an Wert und dieser Prozess beschleunigt sich erst, wenn die Partnerkr\u00e4fte selbst vergleichbare Kampferfahrung sammeln. Wie Fabian Hoffmann hervorhebt, arbeiten europ\u00e4ische Unternehmen bereits an autonomen Abfangsystemen, die den technologischen Vorsprung der Ukraine schm\u00e4lern k\u00f6nnten. Zugleich weisen Maksym Besnosjuk und William Dixon darauf hin, dass<em> \u201emit dem Aufholen internationaler R\u00fcstungsunternehmen der Wert der ukrainischen Gefechtsdaten und Kampferfahrungen zwangsl\u00e4ufig sinken wird\u201c<\/em>. Daraus ergibt sich ein struktureller Handlungsdruck: Die institutionellen Beziehungen und Kooperationsstrukturen, die die Ukraine derzeit aufbaut, m\u00fcssen dauerhaft abgesichert werden, bevor sich dieses Zeitfenster schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Umstellung der Ukraine auf eine exportorientierte Verteidigungsindustrie wird ihre volle Wirkung entfalten, sobald die kriegsbedingten Beschr\u00e4nkungen gelockert werden und die Produktionskapazit\u00e4ten von der Versorgung der Front auf die Exportm\u00e4rkte umgelenkt werden. <\/strong>Mittelfristige Koproduktionsprojekte, wie sie in diesem Bericht er\u00f6rtert werden, sind ein wichtiger Mechanismus f\u00fcr diesen \u00dcbergang. Sie sorgen f\u00fcr die Exportnachfrage und die Finanzierung durch Partner, die die ukrainische R\u00fcstungsindustrie st\u00fctzen k\u00f6nnen, falls die inl\u00e4ndische Beschaffungsnachfrage nach dem Krieg zur\u00fcckgeht. In einer Nachkriegssituation k\u00f6nnte Kyjiw zudem beschlie\u00dfen, Beschr\u00e4nkungen in Bereichen wie der Lizenzvergabe weiter zu lockern, um den Technologieaustausch mit einem breiteren Spektrum an Partnern zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beitritt der Ukraine zur NATO bleibt formal das Endziel ihres Wandels zum Sicherheitsanbieter, da sich ihre Rolle damit von einem Staat, der Sicherheitsgarantien erh\u00e4lt, zu einem B\u00fcndnismitglied mit Verpflichtungen nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Zugleich geh\u00f6rt die NATO-Mitgliedschaft zu den umstrittensten und politisch unsichersten Fragen jeder k\u00fcnftigen Friedensordnung. Bis dahin nehmen die in zahlreichen bilateralen Sicherheitsabkommen enthaltenen Klauseln \u00fcber gegenseitige Unterst\u00fctzung diesen Wandel bereits vorweg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verpflichten sich Belgien und die Ukraine im bilateralen Sicherheitsabkommen dazu, <em>\u201esicherzustellen, dass die milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der Ukraine im Falle einer \u00e4u\u00dferen milit\u00e4rischen Aggression gegen Belgien ausreichend sind, um Belgien wirksame milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung leisten zu k\u00f6nnen\u201c.<\/em> Das entsprechende Abkommen mit Kanada formuliert als Ziel, <em>\u201edie milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der Ukraine auf ein Niveau zu bringen, das es ihr im Falle einer \u00e4u\u00dferen milit\u00e4rischen Aggression gegen Kanada erm\u00f6glicht, wirksame milit\u00e4rische Hilfe zu leisten\u201c.<\/em> Die zeitliche Einschr\u00e4nkung im polnisch-ukrainischen BSA bietet die pr\u00e4ziseste Formulierung:<em> \u201eim Falle einer externen Aggression gegen Polen in der Zeit vor dem Beitritt der Ukraine zur NATO\u201c<\/em>, wodurch die Verpflichtung zur gegenseitigen Hilfe ausdr\u00fccklich als vor\u00fcbergehende Regelung definiert wird. Zusammengenommen stellen diese Bestimmungen eine formelle rechtliche Vorwegnahme der k\u00fcnftigen Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieter dar, die bereits w\u00e4hrend des Krieges in bilateralen Vertragswerken verankert wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die Europ\u00e4ische Union regelm\u00e4\u00dfig bekr\u00e4ftigt, dass <em>\u201edie Zukunft der Ukraine und ihrer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in der Europ\u00e4ischen Union liegt\u201c<\/em>, bleibt auch der Weg zum EU-Beitritt aufgrund des komplexen Beitrittsverfahrens sowie m\u00f6glicher zus\u00e4tzlicher politischer Herausforderungen infolge einer Nachkriegsordnung mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Die in diesem Bericht dargestellte finanzielle und industrielle Integrationsarchitektur d\u00fcrfte k\u00fcnftig durch eine vertiefte milit\u00e4rische Zusammenarbeit auf EU-Ebene erg\u00e4nzt werden und dadurch zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, ukrainische F\u00e4higkeiten bereits vor einem formellen EU-Beitritt in die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur einzubinden. Zugleich k\u00f6nnten bestehende Instrumente wie SAFE in zuk\u00fcnftigen Ausbaustufen erweitert werden, um die Integration der Ukraine in den europ\u00e4ischen Binnenmarkt weiter zu vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Unsicherheit hinsichtlich des Zeitplans sowohl f\u00fcr einen NATO- als auch f\u00fcr einen EU-Beitritt hat dazu gef\u00fchrt, dass parallel nach M\u00f6glichkeiten gesucht wird, die ukrainischen Verteidigungsf\u00e4higkeiten bereits vorher enger in die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur einzubinden. Anstatt den Ausgang dieser Prozesse abzuwarten, gestaltet die Ukraine diese minilateralen Kooperationsformate aktiv mit.<\/strong> In einem Nachkriegskontext k\u00f6nnte diese Struktur eine tiefere Integration mit weniger internen Einschr\u00e4nkungen erm\u00f6glichen, wie sie beispielsweise bei gr\u00f6\u00dferen Formaten durch Vetorechte entstehen. So k\u00f6nnte die Ukraine beispielsweise der JEF als Vollmitglied beitreten \u2013 ein Schritt, f\u00fcr den das Kriegsende angesichts der freiwilligen Struktur der Truppe als \u201eKoalition der Willigen\u201c keine Voraussetzung sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber den Export von Hardware und lizenzierten Konstruktionen hinaus k\u00f6nnte die Rolle der Ukraine als Sicherheitsanbieter in der Nachkriegszeit auch die direkte Bereitstellung kampferprobter Verteidigungsdienstleistungen umfassen, die Partner allein auf der Grundlage von Friedenszeiten nicht mit vergleichbarer Geschwindigkeit oder Glaubw\u00fcrdigkeit entwickeln k\u00f6nnen. In der ehrgeizigsten Vision der Rolle der Ukraine als Sicherheitsgarant k\u00f6nnten die ukrainischen Streitkr\u00e4fte selbst einen direkten Beitrag zur europ\u00e4ischen Verteidigung leisten, indem sie auf dem Territorium von Partnern als Abschreckungs- oder Verteidigungskraft stationiert werden, anstatt lediglich Wissen und Hardware zu transferieren. Die Beistandsklauseln des BSA verankern diese Logik bereits in vertraglicher Form; was noch fehlt, ist der politische Wille, sie in die Praxis umzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachfrage seitens der Partner, die mit asymmetrischen Bedrohungen konfrontiert sind, wird auch nach Kriegsende anhalten. Der auf zehn Jahre angelegte Zeithorizont der Sicherheitsabkommen im Golfraum zeigt, dass diese L\u00e4nder eine langfristige Bedeutung der F\u00e4higkeiten und des Fachwissens der Ukraine erkennen, w\u00e4hrend die Beziehungen, die die Ukraine durch Sicherheitskooperationsvereinbarungen mit L\u00e4ndern wie Indien aufbaut, den Rahmen f\u00fcr eine vertiefte Zusammenarbeit nach dem Krieg bilden werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\" id=\"h-fazit\"><strong>Fazit<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Beginn der gro\u00df angelegten Invasion war die Ukraine Europas gr\u00f6\u00dfter Abnehmer von Sicherheitsleistungen. Mehr als vier Jahre sp\u00e4ter entwickelt sich die Ukraine zu einem der bedeutendsten Sicherheitsakteure des Kontinents, w\u00e4hrend sie weiterhin um ihr \u00dcberleben k\u00e4mpft. Der in diesem Bericht dokumentierte Wandel ist kein Zukunftsziel: Er wird bereits in bilaterale Abkommen, Koproduktionspl\u00e4ne, Ausbildungsvereinbarungen und institutionelle Vorschl\u00e4ge eingebettet, die w\u00e4hrend des andauernden Krieges entwickelt werden. \u00dcber bilaterale Vereinbarungen hinaus k\u00f6nnte dieser Wandel auch eine Chance bieten, eine Fragmentierung in bestimmten Schl\u00fcsselbereichen zu vermeiden, indem die kampferprobten Konzepte und operativen Erfahrungen der Ukraine zusammen mit europ\u00e4ischen Finanzmitteln und F&amp;E-Kapazit\u00e4ten als Grundlage f\u00fcr paneurop\u00e4ische Plattformen und die damit verbundenen \u00d6kosysteme genutzt werden. Die Frage ist nicht mehr, ob die Ukraine die Rolle eines Sicherheitsgaranten \u00fcbernehmen kann, sondern ob sich die derzeit im Aufbau befindliche institutionelle Architektur als ausreichend stabil erweisen wird, um Bestand zu haben, sobald die existenziellen Anforderungen des Krieges, die die ukrainische Innovation vorantreiben, nachlassen und sich die politische Aufmerksamkeit anderen Themen zuwendet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort auf diese Frage h\u00e4ngt vor allem von zwei Faktoren ab. Erstens davon, ob es der Ukraine gelingt, ihren zeitlich begrenzten Vorteil auf dem Schlachtfeld in feste Koproduktionsbeziehungen, Lizenz- und Exportvereinbarungen sowie Rahmenwerke f\u00fcr gegenseitige Unterst\u00fctzung umzuwandeln, bevor dieser Vorteil an Wert verliert und es f\u00fcr die Partner einfacher wird, die Erfahrungen der Ukraine zu \u00fcbernehmen, als Partnerschaften mit der Ukraine aufrechtzuerhalten. Wie der Verlauf dieses Krieges zeigt, verbreitet sich Technologie schneller als die institutionellen Beziehungen, die erforderlich sind, um ihren Wert f\u00fcr die milit\u00e4rischen Organisationen zu erhalten, die sie \u00fcbernehmen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens: Ob sich die Partner der Ukraine bereit zeigen, ihre im Krieg eingegangenen Verpflichtungen auch dann einzuhalten, wenn der Kriegsdruck nachl\u00e4sst. Die Ukraine hat bewiesen, dass sie ihre Versprechen einhalten kann, und ihre zunehmende Integration in die Verteidigungs\u00f6kosysteme ihrer Partner wird diesen Vorteil noch verst\u00e4rken. Gleichzeitig ist Russlands Abh\u00e4ngigkeit von einer schrumpfenden Technologiebasis, die durch chinesische, iranische und nordkoreanische Beitr\u00e4ge erg\u00e4nzt wird, kurzfristig nicht umkehrbar. Die schwierigere Aufgabe f\u00fcr Kyjiw und seine Partner gleicherma\u00dfen besteht darin, sicherzustellen, dass der Erfahrungsschatz, der in Jahren eines existenziellen Krieges gesammelt wurde, als Grundlage f\u00fcr eine dauerhafte Sicherheitsarchitektur dient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Architektur muss nicht in der relativen Stabilit\u00e4t einer Nachkriegsordnung Bestand haben, sondern unter Bedingungen einer anhaltenden und sich m\u00f6glicherweise versch\u00e4rfenden Bedrohung. Die n\u00e4chste Phase besteht nicht darin, dass die Partner ukrainische Konzepte nachahmen, sondern darin, gemeinsam F\u00e4higkeiten zu entwickeln, die jede Seite besser gemeinsam als getrennt aufbauen kann, wodurch die Partner durch gemeinsame Produktion und nicht nur durch guten Willen noch enger an die Ukraine gebunden werden. Das Sicherheitsumfeld wird nicht darauf warten, dass diese Architektur ausgereift ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die in diesem Bericht ge\u00e4u\u00dferten Ansichten sind ausschlie\u00dflich die der Autoren und spiegeln nicht unbedingt die Positionen des Transatlantic Dialogue Center oder anderer Organisationen wider, denen die Autoren m\u00f6glicherweise angeh\u00f6ren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>John Drennan ist Externer Fellow am Transatlantic Dialogue Center und unterst\u00fctzt die Forschungsarbeit und Initiativen des TDC zu Verteidigungs- und Sicherheitsfragen zwischen den USA, der EU und der Ukraine. Er ist Visiting Fellow im Programm \u201eEurope in the World\u201c am Egmont \u2013 Das K\u00f6nigliche Institut f\u00fcr Internationale Beziehungen in Br\u00fcssel, Belgien, wo er zum Krieg in der Ukraine, zur B\u00fcndnispolitik, zum Eskalationsmanagement und zu den transatlantischen Beziehungen forscht. Zuvor war er bei der RAND Corporation, dem U.S. Institute of Peace und dem International Institute for Strategic Studies in verschiedenen Funktionen in den Bereichen Forschung und Programmmanagement t\u00e4tig. Von Mai 2024 bis Mai 2025 war er im Rahmen des Intergovernmental Personnel Act (IPA) an das US-Verteidigungsministerium abgeordnet, wo er im B\u00fcro des Unterstaatssekret\u00e4rs f\u00fcr Verteidigungspolitik als L\u00e4nderdirektor f\u00fcr die Ukraine t\u00e4tig war. Er hat einen MA in Strategischen Studien und Internationaler Wirtschaft von der Johns Hopkins School of Advanced International Studies (SAIS) sowie einen BA in Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften und Internationalen Studien von der Case Western Reserve University.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Autor bedankt sich bei Marianna Fakhurdinova, Maksym Chebotarov und Stanislav Boiko f\u00fcr ihre hilfreichen Anmerkungen und die sorgf\u00e4ltige Durchsicht fr\u00fcherer Entw\u00fcrfe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ukraine befindet sich in einem grundlegenden Wandel ihrer Sicherheitsidentit\u00e4t: von einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Abh\u00e4ngigkeit von externer Unterst\u00fctzung hin zum Aufbau eigener F\u00e4higkeiten und zunehmend auch zum Export dieser F\u00e4higkeiten sowie ihrer beispiellosen operativen Erfahrungen an Partnerstaaten. 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