{"id":17971,"date":"2023-07-16T19:50:47","date_gmt":"2023-07-16T16:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/tdcenter.org\/?p=17971"},"modified":"2025-09-02T18:00:33","modified_gmt":"2025-09-02T15:00:33","slug":"krimtataren-im-wirbel-des-krieges-ein-entscheidender-moment-fur-die-nation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdcenter.org\/es\/2023\/07\/16\/krimtataren-im-wirbel-des-krieges-ein-entscheidender-moment-fur-die-nation\/","title":{"rendered":"Krimtataren im Wirbel des Krieges: Ein entscheidender Moment f\u00fcr die Nation"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieser Artikel, verfasst von der TDC-Autorin <strong>Alina Horbenko<\/strong>, wurde urspr\u00fcnglich von der <a href=\"https:\/\/diplomaatia.ee\/\">Zeitschrift Diplomaatia<\/a> und dem International Centre for Defence and Security ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Krimtataren sind ein osteurop\u00e4isches Turkvolk, das zusammen mit Kar\u00e4ern und Krimtschaken die indigene Bev\u00f6lkerung der Krim sowie eines der indigenen V\u00f6lker der Ukraine bildet. Krimtataren geh\u00f6ren zu denen, die die \u201erussische Welt\u201c seit der Besetzung der Halbinsel durch russische Truppen im Jahr 2014 in vollem Umfang erfahren haben. Was wurde der Krim und ihren Bewohnern damals angetan, und was passiert dort jetzt?<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-annexionen-anerkennungen-und-deportationen\">Annexionen, Anerkennungen und Deportationen<\/h4>\n\n\n\n<p>Russland hat die Krimtataren zu verschiedenen Zeiten bedr\u00e4ngt. Im Jahr 1771, w\u00e4hrend des Russisch-T\u00fcrkischen Krieges, marschierte die russische Armee in das Khanat der Krim ein, und die Tataren mussten einen sogenannten B\u00fcndnisvertrag abschlie\u00dfen. Russland erkl\u00e4rte das Krim-Khanat einseitig zu einer unabh\u00e4ngigen staatlichen Einheit. Dem Historiker Bohdan Korolenko zufolge wurden die Tataren zuvor \u201ezum Frieden gezwungen\u201c, und es kam auch zu Hinrichtungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann, im Jahr 1783, wurde die Halbinsel vom Russischen Keiserreich annektiert, was \u00fcbrigens der heutigen \u201eAnerkennung\u201c der russischen Marionettenstaaten in der Ostukraine sehr \u00e4hnlich war. Die Mehrheit der Krimtataren (etwa 300.000 Menschen) verlie\u00df ihre Heimat und lie\u00df sich innerhalb der Grenzen des Osmanischen Reiches nieder. Die russische Regierung f\u00fchrte Verg\u00fcnstigungen f\u00fcr Einwanderer aus dem Norden ein und versuchte, die Halbinsel zu kolonisieren und zu \u201erussifizieren\u201c. Dennoch stellten die Krimtataren im Jahr 1897 immer noch die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung (36 %), wobei die Russen die zweitgr\u00f6\u00dfte Nation waren (33 %).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1944 kam es zu einer massiven Deportation. Die Truppen des Volkskommissariats f\u00fcr Innere Angelegenheiten der UdSSR beschuldigten die Einheimischen der Halbinsel des Hochverrats, der Kollaboration und der Desertion (obwohl die Kollektivstrafen nach Artikel 50 der damals g\u00fcltigen Haager Landkriegsordnung von 1907 verboten waren). Infolgedessen wurde die demografische Struktur der Halbinsel drastisch ver\u00e4ndert, wodurch die Bev\u00f6lkerungszahl der Krimtataren nach der sowjetischen Volksz\u00e4hlung von 1959 auf null Prozent sank. Im Gegensatz zu einigen anderen deportierten V\u00f6lkern, die Ende der 1950er Jahre in ihre Heimat zur\u00fcckkehrten, wurde den Krimtataren dieses Recht formell bis 1974, tats\u00e4chlich aber bis 1989 verwehrt. Die Massenr\u00fcckkehr auf die Krim begann erst 1989.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit der Unabh\u00e4ngigkeit hat die Ukraine st\u00e4ndig zur Entwicklung der Krim beigetragen. Nach Angaben des ehemaligen Ministers f\u00fcr Resorts und Tourismus der Krim Oleksandr Lijew investierten die ukrainischen Beh\u00f6rden im Jahr 2013 32,6 Mio. USD (gegen\u00fcber 5,4 Mio. USD, die Russland im Jahr 2014 bereitgestellt hat).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-feindliche-elemente\">Feindliche Elemente<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2014 ist die Krim ein Ort st\u00e4ndiger Einsch\u00fcchterungen und Bel\u00e4stigungen, Durchsuchungen, Verhaftungen, politisch motivierter Urteile und des Verschwindenlassens ohne faires und \u00f6ffentliches Verfahren. Krimtataren werden von den Russen als \u201eunzuverl\u00e4ssige Elemente\u201c angesehen, die mundtot gemacht oder entfernt werden sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2014 ist die Krim ein Ort der demografischen Katastrophe und der erzwungenen Passportisierung. Um die Bev\u00f6lkerung zu assimilieren, hat Russland das russische Milit\u00e4r, Spezialeinheiten und \u201eloyale\u201c russische Propagandisten auf die Krim \u201eimportiert\u201c. Gleichzeitig wurden \u201eilloyale\u201c B\u00fcrger zur Flucht gezwungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Mustafa Dschemiljew, einem der F\u00fchrer der krimtatarischen Nationalbewegung, zogen ab 2021 600.000 bis 1,5 Mio. Russen auf die Krim, w\u00e4hrend 30.000 Krimtataren gezwungen wurden, die Halbinsel zu verlassen. Eine solche Politik der russischen Kolonisierung und der Ausgrenzung \u201efeindlicher Elemente\u201c wurde im Interesse Russlands w\u00e4hrend des sogenannten Referendums auf der Krim im Jahr 2014 eingesetzt. Die russische Mehrheit wurde aufgerufen,&nbsp;der internationalen Gemeinschaft zu beweisen, dass die Halbinsel \u201eureigenes russisches Land\u201c ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun kann eine Person ohne russische Staatsb\u00fcrgerschaft keinen Job bekommen, keine medizinischen Leistungen in Anspruch nehmen, kein Bankkonto er\u00f6ffnen und keine Kreditkarte kaufen, kein Haus verkaufen und kein Nummernschild bekommen. Selbst tats\u00e4chliches Leben auf der Krim ist f\u00fcr nicht-russische Staatsb\u00fcrger problematisch, da sie ohne ausl\u00e4ndische Aufenthaltserlaubnis als Vertriebene gelten und deportiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"866\" height=\"487\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12662\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image.png 866w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-600x337.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-768x432.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 866px) 100vw, 866px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Angeklagten des Bachtschissarai-&#8220;Hizb ut-Tahrir-Falles&#8221; Rustem Seytmemetov, Seytumer Seytumerov, Osman Seytumerov wurden zu 13, 17 und 14 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis verurteilt. Foto: Crimean Solidarity<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-verfolgung-aus-religiosen-grunden\">Verfolgung aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2014 ist die Krim ein Ort ohne Meinungs- und Glaubensfreiheit. Muslimische Gemeinden, die Orthodoxe Kirche der Ukraine und Jehovas Zeugen stehen unter st\u00e4ndigem Druck der Russisch-Orthodoxen Kirche. Nach offiziellen Angaben waren vor der Besetzung mindestens 2.220 religi\u00f6se Organisationen auf der Krim, die mindestens 43 Konfessionen repr\u00e4sentierten, w\u00e4hrend es Ende 2020 nur 907 religi\u00f6se Organisationen gab, die etwa 20 Konfessionen vertraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Celal \u0130\u00e7ten, dem Vorsitzenden der Istanbuler Krim-Vereinigung, \u201ewerden die Krimtataren derzeit auf der Krim verfolgt und k\u00f6nnen nicht richtig beten. Selbst wenn in den H\u00e4usern der Krimtataren eine Brosch\u00fcre mit den grundlegendsten religi\u00f6sen Informationen gefunden wird, k\u00f6nnen sie unter dem Vorwurf des Terrorismus verhaftet werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden krimtatarische politische Gefangene in Untersuchungshaftanstalten aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden verfolgt, d.h. sie werden mit nicht-muslimischen Zellengenossen zusammengebracht, die Druck auf sie aus\u00fcben. Au\u00dferdem, so Oleksij Tilnenko, Vorstandsvorsitzender der NGO CrimeaSOS, \u201esind diejenigen, die mehr oder weniger an ihren religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen festhalten, [&#8230;] sehr oft unterern\u00e4hrt&#8230; denn dementsprechend k\u00f6nnen sie die ihnen angebotene Nahrung aufgrund ihrer religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen nicht zu sich nehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-medienfreiheit\">Medienfreiheit<\/h4>\n\n\n\n<p>Laut Freedom House wurde die Zahl der Medien auf der Krim im Rahmen eines von Roskomnadsor \u00fcberwachten Neuregistrierungsverfahrens 2015 um mehr als 90 % reduziert, und die russischen Beh\u00f6rden haben den Zugang zum ukrainischen Fernsehen und zu anderen Medien eingeschr\u00e4nkt. Dies f\u00fchrte zu einer erheblichen Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit auf der Halbinsel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat Russland auch den Betrieb des krimtatarischen Fernsehsenders ATR eingestellt. Aufgrund der Position der Redation und der Journalisten des Senders, die darauf abzielte, die Ereignisse in den besetzten Gebieten, einschlie\u00dflich der Menschenrechtsverletzungen, unparteiisch zu beleuchten, drohten die russischen Beh\u00f6rden wiederholt mit der Schlie\u00dfung des Senders. Im Januar 2015 wurde der Server des Senders beschlagnahmt, was die Ausstrahlung unm\u00f6glich machte. Seit dem 17. Juni 2015 sendet ATR aus Kyjiw.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Manipulation des Medienraums setzt Russland auch andere Methoden der Propaganda ein. Jetzt hat die Besatzungsverwaltung auf der Krim ein Dekret erlassen, der den Schulunterricht \u00fcber \u201eHelden der Spezialoperation\u201c, \u201eFreunde und Feinde der Russischen F\u00f6deration\u201c und \u201eVorteile des Vertragsdienstes in Russland\u201c vorsieht. Auf der Krim wurden Studenten und Angestellte des \u00f6ffentlichen Dienstes gezwungen, an einer Kundgebung f\u00fcr den Krieg und die Mobilisierung teilzunehmen, Lehrer wurden gezwungen, Erkl\u00e4rungen \u00fcber die Einbehaltung eines Teils ihrer Geh\u00e4lter zur Unterst\u00fctzung des Krieges zu schreiben usw.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-suche-nach-inneren-feinden\">Suche nach inneren Feinden<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2014 existiert die Krim in der Atmosph\u00e4re der Suche nach \u201einneren Feinden\u201c. Eine solche Strategie wurde von Russland zu Zeiten der UdSSR eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der Bev\u00f6lkerung von den wirtschaftlichen und sozialen Problemen abzulenken. Das Freiwilligenbataillon von Noman \u00c7elebicihan, die Hizb ut-Tahrir (eine internationale islamische politische Partei, die in Russland als terroristische Organisation anerkannt wurde, in vielen anderen L\u00e4ndern aber legal t\u00e4tig ist) und Jehovas Zeugen wurden auf die schwarze Liste gesetzt und ihre Mitglieder werden des Extremismus beschuldigt, ebenso wie Mitglieder des Medschlis, des krimtatarischen Parlaments.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland nutzt seine Anti-Terror-Gesetze weitgehend nur mit dem Ziel, seine barbarischen Aktionen gegen bestimmte Gemeinschaften zu rechtfertigen. Bemerkenswert ist, dass das 2016 gegr\u00fcndete Freiwilligenbataillon von Noman \u00c7elebicihan erst im Juni 2022, nach Beginn des gro\u00dfangelegten Krieges, in Russland als terroristische Organisation anerkannt wurde. Es bedarf nur weniger Beweise, um beschuldigt zu werden; es reicht aus, ein Krimtatar zu sein, der sich illoyal verh\u00e4lt. Diese Anti-Terror-Gesetze ermutigen die russischen Sicherheitskr\u00e4fte, eine Person ohne rechtliche Grundlage festzunehmen, nur wegen des blo\u00dfen Verdachts der Beteiligung am \u201eTerrorismus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-enttatarisierung-und-russifizierung\">Enttatarisierung und Russifizierung<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2014 ist die Krim ein Ort kontinuierlicher erzwungener Enttatarisierung und Russifizierung. Global gesehen begann dieser Prozess im Jahr 1783, als Russland das Krim-Khanat annektierte. Die Russen begannen, neue St\u00e4dte nach russischen und nicht nach krimtatarischen Namen zu benennen oder umzubenennen. So wurde zum Beispiel 1784 das Dorf Kurman-Kemeltschi von den russischen Truppen zerst\u00f6rt und niedergebrannt, und an dieser Stelle wurde ein anderes Dorf, Krasnohwardijske, gegr\u00fcndet. Dies f\u00fchrte zur Ausl\u00f6schung des historischen Krim-Toponyms, zur physischen Zerst\u00f6rung des ehemaligen Dorfes und zur Vernichtung seiner Bewohner. W\u00e4hrend der Sowjetzeit wurden viele weitere historische Toponyme ausgel\u00f6scht. Nur wenige St\u00e4dte haben ihre krimtatarische Bedeutung ausnahmsweise nicht verloren, zum Beispiel Bachtschysaraj, Dschankoj, Inkerman und Kertsch.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2014 wurden Enttatarisierung und Russifizierung auf eine neue Ebene gehoben. Nach Angaben des Leiters des Krimtatarischen Ressourcenzentrums Eskender Barijew gab es vor der Besetzung 16 Schulen und 384 Klassen mit der krimtatarischen Unterrichtssprache auf der Krim. Dann, im Jahr 2021, gab es nur noch 119 solcher Klassen. Es gibt ein Verbot, die krimtatarische Sprache in staatlichen Institutionen zu sprechen: W\u00e4hrend der Gerichtsverhandlungen wurden Krimtataren st\u00e4ndig aus dem Gerichtssaal verwiesen, da ihre Sprache mit \u201eVerletzung von Vorschriften\u201c gleichzusetzen wurde. Damit wird ihnen ein grundlegendes Recht auf Teilnahme an einer Gerichtsverhandlung generell verweigert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krimtataren setzen sich auch gegen Verbote und Verfolgung zum Gedenken an den Jahrestag der Deportation vom 18. Mai 1944. An diesem Tag finden in der gesamten Ukraine zahlreiche Veranstaltungen wie Kundgebungen, thematischer Unterricht in Schulen und \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentationen statt. Auf der Krim fanden bei dieser Anlass fr\u00fcher j\u00e4hrlich Massenveranstaltungen statt, insbesondere eine Trauerkundgebung im Zentrum von Simferopol. Aber nach der Besetzung im Jahr 2014 wurden solche Manifestationen eingeschr\u00e4nkt, und jetzt m\u00fcssen alle damit verbundenen Aktionen streng mit der pro-russischen Marionettenregierung abgestimmt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Russland versucht, die Identit\u00e4t der Krimtataren auf jede erdenkliche Weise zu zerst\u00f6ren, auch wenn es um kulturelle Geb\u00e4ude geht. Der Khanpalast von Bachtschissarai, ein einzigartiges Beispiel krimtatarischer Architektur, wird aufgrund der barbarischen \u201eRestaurierungsarbeiten\u201c der Russen fast zerst\u00f6rt. Im Dezember 2022 rief der ukrainische Minister f\u00fcr Kultur und Informationspolitik Oleksandr Tkatschenko die UNESCO auf, sich mit der Zerst\u00f6rung des Palastes zu befassen, da die Strategie der Russen nach seinen Angaben darin besteht, die historische Erinnerung zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"924\" height=\"314\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12664\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-1.png 924w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-1-600x204.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-1-768x261.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-1-18x6.png 18w\" sizes=\"(max-width: 924px) 100vw, 924px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Der Khanpalast ist ein Teil des Museumsreservats Bachtschyssaraj auf der Krim. Laut UNESCO wird dieses historische Monument nicht renoviert, sondern \u201eabsichtlich zerst\u00f6rt und durch umfangreiche illegale Arbeiten besch\u00e4digt\u201c. Fotos: Alexej Konowalow \/ TASS \/ Getty Images<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-nach-dem-beginn-der-invasion-2022\">Nach dem Beginn der Invasion 2022<strong> <\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die Situation eskaliert. Neue Verhaftungen. Neue Vermissten. Neue politisch motivierte Urteile. Seit 2022 besteht die gesamte russische Politik in der aggressiven Propaganda Russlands gegen die Ukraine, die die ukrainische Armee diskreditiert und ein \u201eFeindbild\u201c schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Olha Skrypnyk, Vorstandsvorsitzende der Menschenrechtsgruppe Krim, waren bis Ende 2022 mindestens 149 ukrainische Staatsb\u00fcrger aufgrund politisch motivierter Verfolgung inhaftiert. Zudem wurden im Jahr 2022 mindestens 15 politische Gefangene auf der Krim in russische Gef\u00e4ngnisse \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im April 2022 trat Artikel 20.3.3 des Strafgesetzbuches der Russischen F\u00f6deration \u00fcber die \u201eDiskreditierung der russischen Armee\u201c in Kraft, der es den Beh\u00f6rden erm\u00f6glicht, Personen wegen blo\u00dfer \u201ebeleidigender \u00c4u\u00dferungen\u201c gegen\u00fcber der russischen Armee strafrechtlich zu verfolgen. Im M\u00e4rz 2023 wurden auf der Halbinsel mindestens 284 Verfahren nach diesem Artikel eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem Bericht von CrimeaSOS vom September wurden 76 Gerichtsentscheidungen in F\u00e4llen der angeblichen Diskreditierung der russischen Streitkr\u00e4fte getroffen. Zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Verhaftungen geh\u00f6rten Ver\u00f6ffentlichungen im Internet, Proteste, Meinungs\u00e4u\u00dferungen privat oder \u00f6ffentlich, Anti-Z-Aktivismus und Auto-Proteste.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-verschwindenlassen\">Verschwindenlassen<\/h4>\n\n\n\n<p>Obwohl es schwierig ist, die genaue Zahl der vermissten Personen zu ermitteln, wurden laut CrimeaSOS allein in den Jahren 2014-2020 44 F\u00e4lle von Verschwindenlassen registriert. Derzeit hei\u00dft es, dass etwa 90 % der Opfer von Verschwindenlassen ohne Anklage festgehalten werden. Es wurde auch \u00fcber die Folter von Zeugen, die schlechte Behandlung politischer Gefangener und die Verletzung ihrer Rechte (unangemessene Haftbedingungen und unzureichende medizinische Versorgung, psychischer Druck w\u00e4hrend der Zeugenaussagen usw.) bekannt. &nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" width=\"277\" height=\"364\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12665\" style=\"width:268px;height:352px\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-2.png 277w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-2-9x12.png 9w\" sizes=\"(max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Foto: Krim-Prozess<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Iryna Danylowytsch, eine Krankenschwester und Zivilaktivistin aus Feodosia (Krim), wurde am 29. April 2022 vom russischen Sicherheitsdienst (FSB) festgenommen. Danylowytsch behauptete, dass sie seither acht Tage lang (bis 7. Mai) ohne jeglichen Rechtsbeistand im Keller des FSB-Hauptquartiers in Simferopol festgehalten wurde. Nach Angaben des Menschenrechtszentrums ZMINA wurde sie sp\u00e4ter in eine Untersuchungshaftanstalt in Simferopol \u00fcberf\u00fchrt, wo sie des illegalen Umgangs mit Sprengstoffen gem\u00e4\u00df Artikel 222.1, Teil 1 des russischen Strafgesetzbuches angeklagt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem Artikel drohen ihr bis zu 8 Jahre Gef\u00e4ngnis. Zus\u00e4tzlich zum phy\u0441hologischen Druck f\u00fchrten unangemessene Haftbedingungen zu einer schweren Verschlechterung ihres Gesundheitszustands. Iryna litt mehrere Monate lang unter starken Kopfschmerzen und einer akuten Entz\u00fcndung des Mittel- und Innenohrs, die ohne Behandlung zu einer Entz\u00fcndung des Gehirns und zum Tod f\u00fchren kann. Unter solchen Umst\u00e4nden kann der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung als unmenschliche Behandlung und Folter angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 21. M\u00e4rz 2023 k\u00fcndigte Iryna Danylowytsch einen trockenen Hungerstreik an, um auf die mangelnde ad\u00e4quate Behandlung in der Untersuchungshaftanstalt aufmerksam zu machen: Sie erkl\u00e4rte, dass sie den Streik bis \u201ezum Beginn der Behandlung oder bis zu ihrem biologischen Tod\u201c fortsetzen werde. Das Au\u00dfenministerium der Ukraine forderte ihre sofortige Einweisung ins Krankenhaus und machte auch auf fr\u00fchere F\u00e4lle von Kostjantyn Schyring und Dschemil Hafarow, politischen Gefangenen von der Krim, aufmerksam, die w\u00e4hrend ihrer Haft aufgrund mangelnder medizinischer Behandlung starben. Iryna ist nun eine von vierzehn ukrainischen Journalisten, die auf der besetzten Krim inhaftiert sind.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-mobilmachung-und-nationalisierung-im-russischen-arsenal\">Mobilmachung und Nationalisierung im russischen Arsenal<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2014 werden Jugendliche auf der Krim zum Milit\u00e4rdienst in der russischen Armee gezwungen&nbsp; und mit Geldstrafen belegt, falls sie den Wehrdienst verweigern oder sich ihm entziehen. Dies ist ein Versto\u00df gegen das IV. Genfer Abkommen, da nach Artikel 51 \u201edie Besetzungsmacht gesch\u00fctzte Personen nicht zwingen kann, in ihren bewaffneten Kr\u00e4ften oder Hilfskr\u00e4ften Dienst zu leisten\u201c. Indem Russland die B\u00fcrger der Ukraine zwingt, an Feindseligkeiten gegen ihren eigenen Staat teilzunehmen, verst\u00f6\u00dft es gegen das Abkommen (IV) betreffend die Gesetze und Gebr\u00e4uche des Landkriegs (Haager Landkriegsordnung) und ihrer Anlage, Ordnung der Gesetze und Gebr\u00e4uche des Landkriegs, Artikel 23 (h): \u201eDen Kriegf\u00fchrenden ist ebenfalls untersagt, Angeh\u00f6rige der Gegenpartei zur Teilnahme an den Kriegsunternehmungen gegen ihr Land zu zwingen; dies gilt auch f\u00fcr den Fall, da\u00df sie vor Ausbruch des Krieges angeworben waren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Beginn der gro\u00dfangelegten Invasion steht sowohl offizielle als auch verdeckte Mobilmachung auf der Tagesordnung. Nach Angaben von CrimeaSOS haben die Besatzungsgerichte auf der Krim bis Ende 2022 etwa 130 Strafverfahren wegen Wehrdienstverweigerung eingeleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besatzungsbeh\u00f6rden in Sewastopol planen, den Teilnehmern des Krieges gegen die Ukraine bis zu tausend kostenlose Grundst\u00fccke und andere Verg\u00fcnstigungen zukommen zu lassen. Solche \u201eGeschenke\u201c sind ein Versto\u00df gegen die Landrechte. Soldaten aus Jalta erhielten von Russland einen Aufschub f\u00fcr die Zahlung von Miete f\u00fcr die Nutzung von Stadteigentum und Land f\u00fcr die Dauer ihres Dienstes. Landrechtsverletzungen sind auch mit der allgemeinen Nationalisierung durch das Besatzungsregime verbunden. Im November wurden mehr als 130 Objekte von \u201eausl\u00e4ndischen Staatsb\u00fcrgern oder unfreundlichen Staaten\u201c zur Nationalisierung angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12666\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1-600x400.jpg 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1-18x12.jpg 18w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/47rs230415b423-1536x1024-1.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine Frau h\u00e4lt eine Attrappe eines AK-74 Kalaschnikow-Sturmgewehrs in einem mobilen Rekrutierungszentrum f\u00fcr den Milit\u00e4rdienst in der russischen Armee in Simferopol, Krim, 15. April 2023. Reuters\/Scanpix.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-deportation-erschopfung-zerstorung\">Deportation, Ersch\u00f6pfung, Zerst\u00f6rung<\/h4>\n\n\n\n<p>Seit 2022 wurde die Krim zu einer Drehscheibe f\u00fcr deportierte B\u00fcrger und zu einem Lagerhaus f\u00fcr geraubtes Eigentum aus den neu besetzten Gebieten. Laut Kateryna Raschewska, Anw\u00e4ltin des Regionalen Zentrums f\u00fcr Menschenrechte, haben die russischen Angreifer seit Beginn der gro\u00dfangelegten Invasion bis Januar 2023 mindestens 6.000 Kinder aus den vor\u00fcbergehend besetzten Gebieten des ukrainischen Festlandes auf die besetzte Krim deportiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem gab es zuvor nur eine Untersuchungshaftanstalt in der Hauptstadt der Krim, im Fr\u00fchjahr 2022 wurde aber eine zweite Untersuchungshaftanstalt er\u00f6ffnet, und zwar, wie einige Juristen glauben, speziell f\u00fcr ukrainische B\u00fcrger. Laut Olha Skrypnyk hielt Russland im Januar 2023 mindestens 200 Deportierten aus den Regionen Cherson und Saporischschja in Simferopol fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Artikel 11 des \u00dcbereinkommens \u00fcber Ma\u00dfnahmen zum Verbot und zur Verh\u00fctung der unzul\u00e4ssigen Einfuhr, Ausfuhr und \u00dcbereignung von Kulturgut gilt \u201edie erzwungene Ausfuhr und \u00dcbereignung von Kulturgut, der sich unmittelbar oder mittelbar aus der Besetzung eines Landes durch eine fremde Macht ergeben, als unzul\u00e4ssig\u201c. Und doch nahmen die Russen zwischen Oktober und November 2022 die Ausstellungsst\u00fccke aus den beiden gr\u00f6\u00dften Museen der Region Cherson mit, n\u00e4mlich dem Heimatmuseum von Cherson und dem regionalen Oleksij-Schowkunenko-Kunstmuseum Cherson. Mindestens 20.000 Exponate wurden weggenommen. 80 % der Gem\u00e4lde des Kunstmuseums wurden gestohlen, und Augenzeugen zufolge wurden Exponate aus diesem Museum in das Zentralmuseum von Taurien in Simferopol gebracht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gipfel der Krim-Plattform schloss sich der Ermittlungen zur Pl\u00fcnderung der Chersoner Museen an. Nach Ansicht von Experten sollte sich die Ukraine um den Ausschluss der Russischen F\u00f6deration aus der UNESCO bem\u00fchen, da das Vorgehen Russlands den Grundprinzipien der Organisation im Bereich des Kulturg\u00fcterschutzes widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem wurde Sewastopol zum Zentrum des Getreideschmuggels aus den vor\u00fcbergehend besetzten ukrainischen Gebieten. Im Juni 2022 gaben die Russen zu, dass Getreide aus dem besetzten Melitopol f\u00fcr den weiteren Export auf die Krim ging. Nach der Analyse von Satellitenfotos und Frachtdokumenten fand die Financial Times heraus, dass allein im Mai 2022 140.000 Tonnen Getreide vom Getreideterminal in Sewastopol exportiert wurden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"816\" height=\"454\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-3.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-12667\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-3.png 816w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-3-600x334.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-3-768x427.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/image-3-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 816px) 100vw, 816px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Die russischen Angreifer brachten die aus dem Kunstmuseum von Cherson gestohlenen Ausstellungsst\u00fccke in das vor\u00fcbergehend besetzte Simferopol. Fotos: tverezo.info<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-umweltterrorismus\">Umweltterrorismus<\/h4>\n\n\n\n<p>Russland versucht, die Krim mit allen Mitteln zu ersch\u00f6pfen, einschlie\u00dflich der Zerst\u00f6rung ihrer Natur. Schon vor der gro\u00dfangelegten Invasion haben milit\u00e4rische \u00dcbungen und Schie\u00df\u00fcbungen der lokalen Umwelt schwere Schaden zugef\u00fcgt, ebenso wie russische Infrastrukturprojekte wie die Kertsch-Br\u00fccke und die Tawrida-Autobahn. Nach Angaben der vom Kreml kontrollierten Krim-Beh\u00f6rden wurden 100.000 B\u00e4ume und 116.000 Str\u00e4ucher gef\u00e4llt, nur um die Autobahn zu bauen. Auch in den Gew\u00e4ssern des Schwarzen und des Asowschen Meeres wurden enorme Sch\u00e4den angerichtet. Seit 2022 starben mehr als 50.000 Delfine im Schwarzen Meer durch russische Aggression: Kriegsschiffe und U-Boote erzeugen starke Schallsignale, die die Delfine aufschrecken. Infolgedessen k\u00f6nnen Tiere nicht mehr orientieren, sie werden blind und fallen auf Landminen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 6. Juni 2023 sprengte Russland den Damm des Kachowka-Stausees, wodurch die unmittelbare Umgebung \u00fcberflutet wurde und mehrere Regionen in der S\u00fcdukraine und auf der Halbinsel Krim unter S\u00fc\u00dfwasserknappheit litten. Dieser barbarische Akt hat wieder einmal die Brutalit\u00e4t Russlands und seine Vernachl\u00e4ssigung der vor\u00fcbergehend besetzten Gebiete und ihrer Bev\u00f6lkerung gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es gibt keine Wasserversorgung f\u00fcr die Krim, da der Wasserstand im Kachowka-Reservoir bereits viel niedriger ist als f\u00fcr den Krim-Kanal erforderlich. Daher kann mindestens ein Jahr lang kein Wasser auf die Krim flie\u00dfen&#8221;, sagte Ihor Syrota, Generaldirektor von Ukrhydroenergo, dem gr\u00f6\u00dften ukrainischen Wasserkraftunternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oleksij Danilow, Sekret\u00e4r des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, betonte au\u00dferdem, dass diese Katastrophe die Entwicklung der Krim &#8220;f\u00fcr die n\u00e4chsten 3-5-7 Jahre aufhalten wird, bis ein neuer Damm gebaut wird&#8221;. Er ist der Ansicht, dass die Wiederherstellung der S\u00fc\u00dfwasserinfrastruktur erst nach der R\u00fcckgabe dieses Gebiets m\u00f6glich sein wird. In der Zwischenzeit versucht die russische Besatzungsverwaltung auf der Krim, die Aufmerksamkeit der Medien auf die Krise zu minimieren, indem sie \u00fcber deren Auswirkungen auf die Halbinsel schweigt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-zeichen-des-widerstands\"><strong>Zeichen des Widerstands<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Seit Beginn der gro\u00dfangelegten Invasion im Februar 2022 nutzt Russland die Krim als Sprungbrett f\u00fcr den Einmarsch in das ukrainische Festland. Die Krim wurde von einem einst beliebten Ferienort, der f\u00fcr sein subtropisches Klima und seine heilende Umgebung ber\u00fchmt war, in einen gro\u00dfen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt verwandelt, der als russischer Kontrollpunkt im Schwarzen Meer diente. Solche eklatanten und emp\u00f6renden russischen Aktionen gaben dem Widerstand auf der Krim Auftrieb. Derzeit ist es chaotisch und steht eher f\u00fcr Einzelf\u00e4lle als f\u00fcr eine umfassende Offensive, es symbolisiert jedoch den Druck der Krim-Bev\u00f6lkerung auf die Russen wegen ihrer massiven Gr\u00e4ueltaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Samen des Widerstands wurden bereits ges\u00e4t, als sich einige Bewegungen bildeten. Unter ihnen ist <em>Yellow Ribbon <\/em>(2022), das friedliche Proteste, Online-Kundgebungen und Flashmobs organisiert; Publikationen zur Unterst\u00fctzung der Ukraine ver\u00f6ffentlicht; Daten durchsickern l\u00e4sst und Ziele f\u00fcr das ukrainische Milit\u00e4r anpasst sowie versucht, Volksabstimmungen in vor\u00fcbergehend besetzten Regionen zu st\u00f6ren. Mit Stand vom 30. Januar hatte <em>Yellow Ribbon<\/em> mehr als 1.200 Personen in seinen Reihen. Aktivisten arbeiten t\u00e4glich in allen gro\u00dfen St\u00e4dten der Halbinsel, darunter Kertsch, Feodosia, Jalta, Sewastopol und Simferopol.<\/p>\n\n\n\n<p>Im September 2022 begann ein neuer Untergrundwiderstand <em>Crimean Fighting Seagulls<\/em> zu operieren, indem er Flugbl\u00e4tter auf der Halbinsel aush\u00e4ngte, in denen zur Verbrennung des Milit\u00e4rkommissariats aufgerufen wurde. Im Oktober wurde eine weitere Untergrundbewegung <em>Atesh<\/em> gegr\u00fcndet. Ihr Motto &#8220;Das Trojanische Pferd wurde ausgef\u00fchrt&#8221; vermittelt ihr Ziel, die russische Armee von innen zu vernichten. Tats\u00e4chlich haben sie im Februar 2023 2.000 Agenten in die Reihen der russischen Armee und der russischen Garde aufgenommen, wo die Teilnehmer der Bewegung Befehle sabotieren, Informationen durchsickern lassen und milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung au\u00dfer Betrieb setzen. Zuvor, im Dezember, setzten die Atesh-Partisanen Kasernen mit russischen Soldaten in Brand. Sie haben auch einen Teil der Eisenbahn auf der Krim in der N\u00e4he des Dorfes Poschtowe in die Luft gesprengt.<\/p>\n\n\n\n<p>All das ist ein klares Zeichen f\u00fcr das Aufkommen eines Guerillakriegs ist. Gleichzeitig begehen einige Personen individuelle Widerstandshandlungen, indem sie sich der Einberufung in die russische Armee entziehen oder Daten an den ukrainischen Chatbot eEnemy senden, pro-ukrainische Graffiti malen sowie antirussische Slogans verbreiten usw.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Seit 2014 sind Krimtataren in die \u201erussische Welt\u201c eingetaucht. Von Anfang an versucht Russland, die Krim von innen zu regulieren, da der Kreml versteht, dass alles mit den Menschen beginnt. Einige Einheimische wurden durch die Gehirnw\u00e4sche russischer Fernsehsender beeinflusst, w\u00e4hrend andere unter Verfolgung,<strong> <\/strong>Bel\u00e4stigungen, Einsch\u00fcchterung, Folter und Verurteilungen zu leiden hatten. F\u00fcr die Krimtataren geht es in diesem Krieg um mehr als um die territoriale Integrit\u00e4t der Ukraine, Gerechtigkeit und Frieden; f\u00fcr sie ist dieser Krieg ein entscheidender Moment f\u00fcr ihre gesamte Existenz als Nation.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Ansichten, Gedanken und Meinungen, die in den auf dieser Website ver\u00f6ffentlichten Artikeln zum Ausdruck gebracht werden, sind ausschlie\u00dflich die der Autoren und nicht unbedingt die des Transatlantic Dialogue Center, seiner Aussch\u00fcsse oder seiner Partnerorganisationen. Die Artikel sollen den Dialog und die Diskussion f\u00f6rdern und stellen keine offiziellen politischen Positionen des Transatlantic Dialogue Center oder anderer Organisationen dar, mit denen die Autoren m\u00f6glicherweise verbunden sind.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel, verfasst von der TDC-Autorin Alina Horbenko, wurde urspr\u00fcnglich von der Zeitschrift Diplomaatia und dem International Centre for Defence and Security ver\u00f6ffentlicht. Die Krimtataren sind ein osteurop\u00e4isches Turkvolk, das zusammen mit Kar\u00e4ern und Krimtschaken die indigene Bev\u00f6lkerung der Krim sowie eines der indigenen V\u00f6lker der Ukraine bildet. 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