{"id":38415,"date":"2026-08-13T14:56:43","date_gmt":"2026-08-13T11:56:43","guid":{"rendered":"https:\/\/tdcenter.org\/?p=38415"},"modified":"2026-09-03T15:31:21","modified_gmt":"2026-09-03T12:31:21","slug":"wie-jordan-bardella-die-franzosische-extreme-rechte-neu-verpackt-und-was-das-fur-die-ukraine-und-europa-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tdcenter.org\/de\/2026\/08\/13\/wie-jordan-bardella-die-franzosische-extreme-rechte-neu-verpackt-und-was-das-fur-die-ukraine-und-europa-bedeutet\/","title":{"rendered":"Wie Jordan Bardella die franz\u00f6sische extreme Rechte neu verpackt \u2013 und was das f\u00fcr die Ukraine und Europa bedeutet"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-quick-download-button-download-button aligncenter qdbn-wrapper\"><div class=\"qdbn\" data-plugin-name=\"qdbn\" data-style=\"small\" data-file=\"hide-file\" data-size=\"hide-size\" data-icon-position=\"left\"><div class=\"qdbn-download-button-inner\"><button type=\"button\" data-button-type=\"small\" class=\"g-btn f-l\" style=\"background-color:#0e107b;color:#ffffff;border-radius:25px\" data-attachment-id=\"57112\" data-page-id=\"18850\" data-post-id=\"\" data-have-external=\"false\" data-external-url=\"\" data-wait-duration=\"0\" data-target-blank=\"true\" data-msg=\"Please wait...\" data-member=\"0\" data-has-icon-dark=\"false\" title=\"PDF herunterladen\"><span class=\"download-btn-icon\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewbox=\"0 0 24 24\" width=\"20\" height=\"20\" aria-hidden=\"true\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M18 11.3l-1-1.1-4 4V3h-1.5v11.3L7 10.2l-1 1.1 6.2 5.8 5.8-5.8zm.5 3.7v3.5h-13V15H4v5h16v-5h-1.5z\"><\/path><\/svg><\/span><span>PDF herunterladen<\/span><\/button><p class=\"up\" style=\"border-radius:0\"><i class=\"fi fi-pdf\"><\/i><\/p><p class=\"down\" style=\"border-radius:0\"><svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewbox=\"0 0 24 24\" width=\"20\" height=\"20\" aria-hidden=\"true\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M10 4H4c-1.1 0-1.99.9-1.99 2L2 18c0 1.1.9 2 2 2h16c1.1 0 2-.9 2-2V8c0-1.1-.9-2-2-2h-8l-2-2z\"><\/path><\/svg><span class=\"file-size\">660 KB<\/span><\/p><\/div><\/div><quick-download-button-info class=\"qdb-btn-info\"><\/quick-download-button-info><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"417\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4-1024x417.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38306\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4-1024x417.png 1024w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4-600x244.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4-768x313.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4-18x7.png 18w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-4.png 1194w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich, eine der tragenden S\u00e4ulen der europ\u00e4ischen strategischen Autonomie und der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine im Krieg, steht vor einer Phase politischer Ungewissheit. Angesichts der bevorstehenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2027 bleibt unklar, ob Paris seinen derzeitigen au\u00dfenpolitischen Kurs beibehalten oder sich einer neuen Vision von Frankreichs Rolle in Europa und der Welt zuwenden wird. Emmanuel Macron verl\u00e4sst den \u00c9lys\u00e9e und die etablierten liberalen Kr\u00e4fte <a href=\"https:\/\/www.ifop.com\/en\/article\/popularity-ratings-ifop-opinion-poll-june-2026?utm_source=chatgpt.com\">verlieren zugleich an Boden<\/a> \u2013 sowohl gegen\u00fcber dem Rassemblement National (RN) als auch gegen\u00fcber dem linken Nouveau Front Populaire. Die franz\u00f6sische Au\u00dfenpolitik k\u00f6nnte daher schon bald von Akteuren jenseits des traditionellen Regierungsestablishments gepr\u00e4gt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum dieser Analyse steht Jordan Bardella, Vorsitzender des RN und eine der folgenreichsten Figuren der franz\u00f6sischen Gegenwartspolitik. Lange galt er vor allem als n\u00fctzliches Instrument in der Gesamtstrategie Marine Le Pens; inzwischen ist er weit mehr als ein Kandidat f\u00fcr Protestw\u00e4hler oder ein treuer Proteg\u00e9. Indem er das \u00f6ffentliche Erscheinungsbild der Partei nach Jahrzehnten der Dominanz der Familie Le Pen \u00fcberarbeitete, trug er ma\u00dfgeblich dazu bei, den RN von einer politisch isolierten Kraft in eine Partei zu verwandeln, die sich auf die Regierungs\u00fcbernahme vorbereitet. Aktuelle Umfragen unterstreichen diesen Wandel: Einer Erhebung des Instituts Ifop zufolge k\u00f6nnte Bardella im ersten Wahlgang der Pr\u00e4sidentschaftswahl 2027 <a href=\"https:\/\/www.commission-des-sondages.fr\/notices\/files\/notices\/2026\/juin\/10211-pres-iv-ifop-le-figaro-25-juin.pdf\">rund 37 % der Stimmen<\/a> erreichen \u2013 mehr als seine Konkurrenten vom linken Rand wie aus der politischen Mitte und mehr als Marine Le Pen selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Frankreichs k\u00fcnftige Rolle in der europ\u00e4ischen Sicherheit und die Beziehungen der Ukraine zu Paris einsch\u00e4tzen will, muss daher verstehen, wie Bardella seine Au\u00dfenpolitik neu justiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-bardellas-modell-normalisierung-ohne-vollstandige-massigung\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Bardellas Modell: Normalisierung ohne vollst\u00e4ndige M\u00e4\u00dfigung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die politische Bedeutung Jordan Bardellas liegt weniger in ideologischer Originalit\u00e4t als in der politischen Verpackung. Geboren in den Pariser Vorst\u00e4dten, trat er mit 16 Jahren dem Front National bei, der sp\u00e4ter in Rassemblement National umbenannt wurde, und stieg rasch in der Parteihierarchie auf. Anfang zwanzig war er bereits eines der sichtbarsten jungen Gesichter des RN und galt weithin als disziplinierter Proteg\u00e9 Marine Le Pens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine fr\u00fche politische Ausrichtung spiegelte das traditionelle Weltbild des RN wider. Lautstark kritisierte er die europapolitische Integrationsagenda von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron; an deren Stelle sollten Euroskeptizismus, Antiglobalismus, eine strikte Abwehr von Zuwanderung und ein seit Langem gepflegtes Misstrauen gegen\u00fcber dem Atlantizismus treten. Auch seine ersten au\u00dfenpolitischen Gesten entsprachen den historischen Sympathien der Partei f\u00fcr Russland. <a href=\"https:\/\/x.com\/J_Bardella\/status\/432215959319740417?t=YKOTgVTGnLl663FylaqVQA&amp;s=19\">Mit sarkastischer Rhetorik verteidigte<\/a> er die Zustimmungswerte Wladimir Putins in der russischen Bev\u00f6lkerung, und 2019 <a href=\"https:\/\/mind.ua\/en\/news\/20276177-a-great-pro-russian-politician-the-investigation-revealed-the-connections-of-le-pens-party-with#:~:text=On%2029%20March%202019%2C%20Jordan%20Bardella%20organised%20a%20meeting%20in%20Rome%20for%20the%20youth%20movements%20of%20far%2Dright%20European%20parties%2C%20to%20which%20a%20%27United%20Russia%27%20delegation%20was%20invited.\">organisierte <\/a>er in Rom eine Konferenz europ\u00e4ischer rechtsextremer Jugendorganisationen, an der auch Vertreter von Einiges Russland und anderen rechten Kreisen Russlands teilnahmen. Anders als manche \u00e4ltere RN-VertreterInnen hat Bardella es allerdings weitgehend vermieden, pers\u00f6nlich mit prorussischen Verbindungen identifiziert zu werden, obwohl seine politische Sozialisation in einer Partei stattfand, die lange von moskaufreundlichen Netzwerken gepr\u00e4gt war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"866\" height=\"476\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38307\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-5.png 866w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-5-600x330.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-5-768x422.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-5-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 866px) 100vw, 866px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Bardella zusammen mit dem Sohn des russischen Oligarchen Kirill Malofejew (Zweiter von rechts), dessen Vater die Hauptfinanzierung der prorussischen Separatisten in der Ukraine verantwortete, und mit Andrej Afanasjew (Dritter von rechts), damals Nachrichtenmoderator bei Malofejews Sender und heute Z-Blogger. Foto: Mediapart. Quelle: Xinhua\/SEPCO III\/picture alliance<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Wendepunkt wurde das Jahr 2019, als Marine Le Pen ihn zum Spitzenkandidaten der RN-Liste f\u00fcr die Europawahl machte. Die Partei wurde in Frankreich st\u00e4rkste Kraft, und der 23-J\u00e4hrige zog als einer der j\u00fcngsten Abgeordneten ins Europ\u00e4ische Parlament ein &#8211; mit landesweiter Sichtbarkeit. Seine Bilanz in Br\u00fcssel geriet wegen h\u00e4ufiger Abwesenheit <a href=\"https:\/\/linsoumission.fr\/2024\/03\/26\/aubry-bardella-parlement\/\">in die Kritik<\/a>; die linke Europaabgeordnete Manon Aubry etwa<a href=\"https:\/\/linsoumission.fr\/2024\/03\/26\/aubry-bardella-parlement\/\"> bezeichnete<\/a> ihn mit einigem Widerhall als \u201eGeisterabgeordneten\u201c, weil er nur selten an Parlamentssitzungen teilnahm. Politisch erf\u00fcllte das Mandat gleichwohl seinen Zweck: Bardella wurde zum jugendlichen, disziplinierten und medientauglichen Gesicht einer Partei, die ihren alten Ruf hinter sich lassen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie nutzte Bardella die \u00f6ffentliche Unzufriedenheit taktisch aus. Er wahrte strikte Parteidisziplin und griff die Ma\u00dfnahmen der Regierung scharf an. Verordnete Lockdowns und eine Impfpflicht lehnte er entschieden ab und wertete sie als Eingriffe in die B\u00fcrgerrechte; die Ablehnung des russischen Impfstoffs <a href=\"https:\/\/youtu.be\/KRgiFGIZx5E?si=mwlKklbxNA6vtQS6&amp;t=604\">f\u00fchrte<\/a> er auf geopolitische Ressentiments statt auf eine wissenschaftliche Bewertung zur\u00fcck. In der Summe waren es zwei Faktoren, die ihn von einer parteiintern anerkannten Figur zu einem der prominentesten Politiker Frankreichs aufsteigen lie\u00dfen: die F\u00fchrung des erfolgreichen RN-Europawahlkampfs 2019 und seine \u00f6ffentlichkeitswirksame Opposition gegen die Covid-19-Politik der Regierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seither gr\u00fcndet Bardella seine Anziehungskraft auf ein poliertes und zug\u00e4ngliches \u00f6ffentliches Bild. Seine Pr\u00e4senz in den sozialen Medien, die vor allem j\u00fcngere W\u00e4hlerInnen erreicht, und sein sorgf\u00e4ltig kontrollierter Auftritt erlauben es ihm, den RN als j\u00fcnger, professioneller und respektabler darzustellen. Franz\u00f6sische Medien haben ihn bisweilen als <a href=\"https:\/\/www.courrierinternational.com\/une\/une-du-jour-jordan-bardella-trop-lisse-pour-etre-vrai\">\u201eKen der franz\u00f6sischen Politik\u201c<\/a> bezeichnet \u2013 ein Etikett, das sowohl seine visuelle Wirkung erfasst als auch den Vorwurf, seine politische Oberfl\u00e4che wirke glatter als sein ideologischer Kern. W\u00e4hrend manche Politiker Hunderte von Seiten ben\u00f6tigen, um ihre \u00dcberzeugungen darzulegen, folgt Bardella schlicht der jeweiligen Grundstr\u00f6mung der franz\u00f6sischen Politik und liefert genau das, was sein Publikum von ihm h\u00f6ren will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Uneindeutigkeit ist f\u00fcr seine politische Funktion zentral. Eine au\u00dfenpolitische Doktrin, die von den strategischen Erfordernissen des RN unabh\u00e4ngig w\u00e4re, hat Bardella nur selten formuliert. <strong>Seine St\u00e4rke liegt nicht darin, neue Ideen hervorzubringen, sondern die Botschaft der Partei dem jeweiligen politischen Moment anzupassen.<\/strong> Insofern ist er innerhalb des RN keine revolution\u00e4re Figur, sondern der wirksamste Repr\u00e4sentant der n\u00e4chsten Etappe: Eine alte Marke der extremen Rechten soll wahlpolitisch anschlussf\u00e4hig erscheinen, ohne dass ihr nationalistischer Kern grundlegend revidiert w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-das-erbe-des-rn-russland-euroskeptizismus-und-entdamonisierung\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Erbe des RN: Russland, Euroskeptizismus und Entd\u00e4monisierung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bedeutung von Bardellas Aufstieg erschlie\u00dft sich nur vor dem Hintergrund des Erbes, das er \u00fcbernommen hat. Der Rassemblement National geht auf den 1972 von Jean-Marie Le Pen gegr\u00fcndeten Front National zur\u00fcck. Jahrzehntelang blieb die Partei wegen ihres Nationalismus, ihrer einwanderungsfeindlichen Agenda und der wiederholten Kontroversen um ihren Gr\u00fcnder am Rand der franz\u00f6sischen Politik. Ein wichtiger Durchbruch gelang 2002, als Jean-Marie Le Pen \u00fcberraschend die Stichwahl um das Pr\u00e4sidentenamt erreichte \u2013 ein Beleg daf\u00fcr, dass die extreme Rechte nicht l\u00e4nger als politisch bedeutungslos abgetan werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marine Le Pen leitete sp\u00e4ter eine Strategie der <em>Entd\u00e4monisierung<\/em> ein, die die Partei f\u00fcr ein breiteres W\u00e4hlerspektrum akzeptabel machen sollte. Dazu geh\u00f6rten der Parteiausschluss ihres Vaters, die Umbenennung, ein moderaterer Ton und der schrittweise Verzicht auf einige der radikalsten Programmpunkte. Doch auch unter Marine Le Pen blieb der RN in der Wahrnehmung fest mit Euroskeptizismus, der Ablehnung des Atlantizismus und der N\u00e4he zu Russland verbunden. In den 2010er-Jahren kritisierte die Partei die NATO, wandte sich gegen eine vertiefte europ\u00e4ische Integration und pflegte politische wie finanzielle Verbindungen nach Moskau \u2013 am auff\u00e4lligsten 2014 mit einem Kredit \u00fcber 9 Millionen Euro von einer Moskau-nahen Bank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Russlands gro\u00dfangelegter Invasion der Ukraine wurde dieses Erbe politisch teuer. Was Teilen der franz\u00f6sischen W\u00e4hlerschaft in einer Phase der Euroskepsis und relativer Russlandsympathie noch akzeptabel erschien, wurde nach 2022 zur Belastung. Eine Mehrheit der Franzosen verurteilte die Invasion, und die Unterst\u00fctzung der Ukraine wurde Teil des politischen Mainstream-Konsenses. Bardella \u00fcbernahm den RN somit in einem Moment, in dem sich die Partei von ihrem alten russlandfreundlichen Image l\u00f6sen musste, ohne ihre Stammw\u00e4hlerschaft zu verprellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Antwort darauf war evolution\u00e4r, nicht revolution\u00e4r. Unter Bardellas F\u00fchrung hat der RN seine \u00f6ffentliche Linie zu Russland <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/2e2ceca6-4ab6-456b-b16c-01a0d5b3208f?utm_source=chatgpt.com&amp;syn-25a6b1a6=1\">angepasst<\/a>, die ausdr\u00fcckliche Frexit-Rhetorik aufgegeben, Unternehmens- und Investorenkreise umworben und seine Anziehungskraft \u00fcber die traditionellen Netzwerke der extremen Rechten hinaus erweitert. F\u00fcr eine vollst\u00e4ndige ideologische Transformation sollte man dies gleichwohl nicht halten. Nach wie vor steht der RN f\u00fcr ein nationalistisches Programm, in dessen Zentrum Souver\u00e4nit\u00e4t, Migrationskontrolle, Protektionismus und Skepsis gegen\u00fcber supranationalen Institutionen stehen. Bardellas Projekt besteht folglich nicht darin, die Partei von Grund auf neu zu erfinden, sondern darin, jene Hindernisse zu beseitigen, die sie von der Regierungsf\u00e4higkeit trennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der Kern des Modells Bardella: <strong>Normalisierung ohne vollst\u00e4ndige M\u00e4\u00dfigung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-bardella-und-die-ukraine-begrenzte-unterstutzung-klare-rote-linien\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Bardella und die Ukraine: Begrenzte Unterst\u00fctzung, klare rote Linien<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine ist der Bereich, in dem Bardellas Neuausrichtung der Au\u00dfenpolitik f\u00fcr Kyjiw von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung ist. Die historische N\u00e4he des RN zu Russland bescherte der Partei nach 2022 ein ernstes Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem. Bardella musste auf zwei Anforderungen zugleich reagieren: auf den proukrainischen Umschwung in der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit und auf die anhaltende Zur\u00fcckhaltung, Skepsis oder interventionsfeindliche Haltung in Teilen der RN-W\u00e4hlerschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Antwort ist eine sorgf\u00e4ltig konstruierte Mittelposition. Er hat die gro\u00dfangelegte Invasion Russlands verurteilt, die Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine anerkannt und Russland als Bedrohung f\u00fcr die franz\u00f6sische und europ\u00e4ische Sicherheit benannt. Zugleich hat er enge Grenzen daf\u00fcr gezogen, was Frankreich f\u00fcr die Ukraine tun sollte. Seine Haltung ist daher keine offene Gegnerschaft gegen\u00fcber Kyjiw, sondern eine konditionierte und zur\u00fcckhaltende Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein erster sichtbarer Wandel in Bardellas \u00f6ffentlichem Ton zeichnete sich 2023 ab. Die europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs, so seine Aussage, <a href=\"https:\/\/www.lopinion.fr\/politique\/jordan-bardella-il-y-a-eu-une-naivete-collective-a-legard-des-ambitions-de-vladimir-poutine?utm_source=twitter\">seien gegen\u00fcber den Ambitionen Wladimir Putins naiv gewesen<\/a>; man k\u00f6nne, argumentierte er, \u201enicht europ\u00e4ischer Patriot sein und gegen\u00fcber der Verletzung der Souver\u00e4nit\u00e4t eines europ\u00e4ischen Staates gleichg\u00fcltig bleiben\u201c. Zudem gab er zu verstehen, dass der Krieg ohne einen Abzug der russischen Truppen und die Wiederherstellung der ukrainischen Souver\u00e4nit\u00e4t nicht enden k\u00f6nne. Diese \u00c4u\u00dferungen markierten einen deutlichen Bruch mit der \u00e4lteren Rhetorik des RN, die Russland h\u00e4ufig als nat\u00fcrlichen Partner oder zumindest als Gegengewicht zum Einfluss der USA und der EU behandelt hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" width=\"758\" height=\"458\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-6.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38308\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-6.png 758w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-6-600x363.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-6-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 758px) 100vw, 758px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>RN-Parteichef Jordan Bardella, der Sozialistenchef Olivier Faure und der franz\u00f6sische Premierminister Gabriel Attal in einer Debatte des Fernsehsenders France 2 am 27. Juni 2024 in Paris, im Vorfeld der vorgezogenen Neuwahlen in Frankreich. DIMITAR DILKOFF \/ AFP<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bardellas Unterst\u00fctzung war allerdings von Anfang an begrenzt. Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr die Ukraine lehnte er nicht rundweg ab, begr\u00fcndete sie aber in erster Linie defensiv. Auf Fragen nach Waffen wie Panzern, Flugzeugen oder Raketensystemen gro\u00dfer Reichweite, die die Ukraine f\u00fcr ambitioniertere Operationen an der Front ben\u00f6tigte, vermied er jede Festlegung auf deren Lieferung. Dieses Z\u00f6gern bediente zugleich die traditionell interventionsfeindlichen Instinkte des RN und die Pr\u00e4ferenzen seiner W\u00e4hlerschaft. Ein erheblicher Teil der RN-W\u00e4hlerInnen <a href=\"https:\/\/www.ifop.com\/article\/le-regard-des-francais-sur-le-conflit-russo-ukrainien\">verfolgte den Krieg damals aufmerksam<\/a> und bef\u00fcrwortete ein gewisses Ma\u00df an Hilfe f\u00fcr die Ukraine, blieb einer Eskalation oder einer direkten franz\u00f6sischen Beteiligung gegen\u00fcber aber zutiefst skeptisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Wahlzyklus 2024 traten diese Grenzen noch sch\u00e4rfer hervor. Vor der Europawahl wie vor den franz\u00f6sischen Parlamentswahlen konzentrierte sich der Wahlkampf des RN im Wesentlichen <a href=\"https:\/\/rassemblementnational.fr\/documents\/202406-programme.pdf\">auf innenpolitische Themen<\/a>: Zuwanderung, Kaufkraft, institutionelle Reformen und die Kritik am Macronismus. F\u00fcr die Sicherheit der Ukraine lie\u00df das Programm kaum Raum, abgesehen von allgemeinen Verweisen auf die franz\u00f6sische Souver\u00e4nit\u00e4t und die Notwendigkeit, die nationale Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die nukleare Abschreckung zu wahren. Gerade diese Leerstelle ist aufschlussreich: Bardella war bereit, Russland zu verurteilen, wo es n\u00f6tig schien; eine proaktive Ukraine-Politik in die Regierungsagenda des RN einzubauen, strebte er jedoch nicht an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">vZugleich blieb der Krieg in Frankreich politisch pr\u00e4sent, insbesondere nachdem Pr\u00e4sident Macron die Entsendung westlicher Truppen in die Ukraine ins Spiel gebracht hatte. Bardella <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/french-far-right-talks-tough-russia-draws-line-escalation-ukraine-2024-06-24\/\">reagierte mit einer seiner deutlichsten \u201eroten Linien\u201c<\/a>: keine franz\u00f6sischen Soldaten auf ukrainischem Boden. Eine direkte milit\u00e4rische Beteiligung Frankreichs, so seine Begr\u00fcndung, berge das Risiko einer Eskalation mit einer Atommacht; jedes Szenario, in dem Frankreich zur Kriegspartei w\u00fcrde, lehnte er ab. H\u00e4tte er sich zur Notwendigkeit eines direkten franz\u00f6sischen Milit\u00e4reinsatzes bekannt, w\u00e4re er damit <a href=\"https:\/\/www.ifop.com\/article\/regards-sur-la-place-de-la-france-dans-le-conflit-en-ukraine\">nur 15 % der RN-W\u00e4hlerschaft entgegengekommen<\/a>. Die Absage erlaubte es ihm somit, sich als verantwortungsbewusster Sachwalter franz\u00f6sischer Interessen zu pr\u00e4sentieren, ohne in den Verdacht der Moskau-Sympathie zu geraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zweite rote Linie betraf weitreichende Waffen. Die Lieferung von Raketen gro\u00dfer Reichweite an die Ukraine lehnte Bardella ab oder <a href=\"https:\/\/ukrreporter.com.ua\/war\/kandydat-u-prem-yery-frantsiyi-zhordan-bardella-zayavyv-shho-ne-vidpravlyatyme-v-ukrayinu-dalekobijnu-zbroyu-i-vijska.html?utm_source=chatgpt.com\">vermied es zumindest, sie zu bef\u00fcrworten<\/a> \u2013 erneut mit Verweis auf das Eskalationsrisiko. Aus Kyjiwer Sicht ist dies eine der gravierendsten Einschr\u00e4nkungen. F\u00fcr die Ukraine sind weitreichende F\u00e4higkeiten zentral, um die russische Milit\u00e4rlogistik zu zerm\u00fcrben, die Infrastruktur der Besatzung zu treffen und Russlands F\u00e4higkeit zur Kriegf\u00fchrung zu verringern. Bardellas Zur\u00fcckhaltung deutet daher darauf hin, dass die franz\u00f6sische Unterst\u00fctzung unter seiner F\u00fchrung politisch sichtbar bleiben, milit\u00e4risch aber eng begrenzt sein k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"880\" height=\"460\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-7.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38309\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-7.png 880w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-7-600x314.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-7-768x401.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-7-18x9.png 18w\" sizes=\"(max-width: 880px) 100vw, 880px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Jordan Bardella auf der R\u00fcstungsmesse Eurosatory am 19. Juni 2024 \u2013 Sipa Press<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch einem beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europ\u00e4ischen Union hat Bardella <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UhswxdnmWpc\">widersprochen<\/a>. Ein Schnellverfahren, so sein Argument, k\u00f6nne die EU unmittelbarer in den Krieg hineinziehen und ihre inneren Lasten vergr\u00f6\u00dfern. Diese Haltung f\u00fcgt sich in die europapolitische Linie des RN insgesamt: F\u00fcr einen Frexit wirbt die Partei nicht mehr; Erweiterung, weitere F\u00f6deralisierung und die \u00dcbertragung zus\u00e4tzlicher Kompetenzen an die EU-Institutionen lehnt sie jedoch nach wie vor entschieden ab. <strong>F\u00fcr die Ukraine bedeutet dies, dass ein von Bardella gef\u00fchrtes Frankreich nicht nur in der Milit\u00e4rpolitik, sondern auch auf dem Weg zum EU-Beitritt zu einem erheblichen Hindernis werden k\u00f6nnte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Bilanz im Europ\u00e4ischen Parlament verst\u00e4rkt diese Uneindeutigkeit. Bardella hat einzelne Ukraine-Resolutionen <a href=\"https:\/\/howtheyvote.eu\/members\/131580?q=ukraine&amp;page=2\">mitgetragen<\/a>, \u00fcberwiegend jedoch solche, die humanit\u00e4re Fragen oder die Verantwortlichkeit betrafen, nicht dagegen weiterreichende milit\u00e4rische Zusagen. Dazu z\u00e4hlen Initiativen zur R\u00fcckf\u00fchrung der von Russland deportierten ukrainischen Kinder, zum Schutz vom Krieg betroffener Frauen und Zivilisten sowie zur Ahndung russischer Angriffe auf die ukrainische Zivilbev\u00f6lkerung. Solche Stimmen zeigen, dass Bardella der Ukraine grunds\u00e4tzlich nicht die Unterst\u00fctzung verweigert, zumal dort, wo die moralische Lage eindeutig und die Frage politisch unstrittig ist. Zugleich markieren sie die Grenzen seiner Unterst\u00fctzung: <strong>Humanit\u00e4re Solidarit\u00e4t f\u00e4llt dem RN leichter als eine strategische milit\u00e4rische Eskalation oder die EU-Erweiterung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bardellas Position ist nicht als blo\u00dfe Fortsetzung der alten prorussischen Linie des RN zu lesen. Seit 2022 hat er Russland wiederholt kritisiert, die von ihm ausgehende Bedrohung anerkannt und versucht, die Partei von ihrem fr\u00fcheren moskaufreundlichen Image abzur\u00fccken. \u00d6ffentlich ist er zudem von Teilen der alten Garde des RN abgewichen, auch in symbolischen Fragen \u2013 etwa, ob Wladimir Putin als akzeptabler diplomatischer Gast gelten kann, solange sich die Ukraine gegen die russische Invasion verteidigt. Diese Gesten sind bedeutsam, weil sie zeigen: Der RN unter Bardella kennt die politischen Kosten eines offenen Prorussentums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wandel hat allerdings klare Grenzen. Bardellas Ukraine-Politik ist weniger eine strategische Festlegung auf einen ukrainischen Sieg<strong> als der Versuch, das Mindestma\u00df an Unterst\u00fctzung zu bestimmen<\/strong>, das mit der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit und der Wahlarithmetik des RN vereinbar ist. Moskau verurteilen, die ukrainische Souver\u00e4nit\u00e4t st\u00fctzen, humanit\u00e4re Initiativen mittragen \u2013 all das kann er. Zur\u00fcckhaltend bleibt er dort, wo das politische Risiko steigt: bei weitreichenden Waffen, direkter milit\u00e4rischer Abschreckung, einem beschleunigten EU-Beitritt und bei jeder Deutung, die die Verteidigung der Ukraine zu einer verbindlichen strategischen Verpflichtung Frankreichs erkl\u00e4rt. Seine Haltung l\u00e4sst sich als <strong>Unterst\u00fctzung innerhalb politisch sicherer Grenzen<\/strong> zusammenfassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"787\" height=\"524\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38416\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image.png 787w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-600x399.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-768x511.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/image-18x12.png 18w\" sizes=\"(max-width: 787px) 100vw, 787px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das realistischste Risiko f\u00fcr Kyjiw besteht demnach nicht darin, dass ein von Bardella gef\u00fchrtes Frankreich abrupt auf russischen Kurs einschwenkt. Gr\u00f6\u00dfer ist die Gefahr, dass die franz\u00f6sische Unterst\u00fctzung schmaler, st\u00e4rker an Bedingungen gekn\u00fcpft und enger auf politisch unbedenkliche Felder zugeschnitten wird. Frankreich k\u00f6nnte die Ukraine rhetorisch und diplomatisch weiter unterst\u00fctzen und zugleich die folgenreichsten Formen der Hilfe meiden. Konkret hie\u00dfe das: mehr Gewicht auf humanit\u00e4re Hilfe, den Schutz von Zivilisten, den Wiederaufbau und die Ahndung russischer Verbrechen, aber weniger Bereitschaft, bei modernen Waffensystemen, Sicherheitsgarantien oder der EU-Integration der Ukraine voranzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die ukrainische Diplomatie entsteht daraus ein schwieriges, aber nicht aussichtsloses Umfeld. Weil Bardella stark auf die \u00f6ffentliche Meinung reagiert, hinge die Stellung der Ukraine in Frankreich nicht allein von Kontakten auf Elitenebene ab, sondern ebenso von der breiteren franz\u00f6sischen Debatte. Verbinden die franz\u00f6sischen W\u00e4hlerInnen die Ukraine vor allem mit Eskalation, Kosten oder Erweiterungsm\u00fcdigkeit, hat Bardella wenig Anreiz, \u00fcber eine begrenzte Unterst\u00fctzung hinauszugehen. Gilt die Ukraine dagegen als zentral f\u00fcr die europ\u00e4ische Sicherheit, die franz\u00f6sische Souver\u00e4nit\u00e4t und die Abwehr des russischen Imperialdrucks, d\u00fcrfte der politische Spielraum f\u00fcr Zusammenarbeit gr\u00f6\u00dfer ausfallen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den zug\u00e4nglichsten Einstieg d\u00fcrften humanit\u00e4re Themen bieten. Die R\u00fcckf\u00fchrung deportierter ukrainischer Kinder, der Schutz von Zivilisten, die Ahndung von Kriegsverbrechen und die Unterst\u00fctzung des Wiederaufbaus sind f\u00fcr den RN nur schwer offen abzulehnen und lassen sich zugleich in den Kategorien von Gerechtigkeit, Souver\u00e4nit\u00e4t und Schutz europ\u00e4ischer Zivilisten formulieren. Die Ukraine sollte allerdings vermeiden, dass sich das Verh\u00e4ltnis auf einen rein humanit\u00e4ren Konsens verengt. Die \u00fcbergeordnete Botschaft muss bleiben: Die Verteidigung der Ukraine ist Teil der Verteidigung Europas \u2013 und Russlands F\u00e4higkeit zur Kriegf\u00fchrung zu beschneiden ist kein Gefallen an Kyjiw, sondern liegt im strategischen Interesse Frankreichs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insofern stellt Bardella eine komplexere Herausforderung dar als die \u00e4ltere franz\u00f6sische extreme Rechte. Er wiederholt nicht schlicht die Narrative Moskaus, bietet der Ukraine aber auch keine verl\u00e4ssliche strategische Partnerschaft. Am treffendsten l\u00e4sst sich seine Position als<strong> kontrollierte Unterst\u00fctzung<\/strong> beschreiben: genug, um das Stigma des Prorussentums zu vermeiden, und begrenzt genug, um f\u00fcr eine nationalistische, eskalationsskeptische W\u00e4hlerschaft akzeptabel zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-europa-reform-von-innen-statt-austritt\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Europa: Reform von innen statt Austritt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bardellas Europapolitik folgt demselben Muster der Anpassung. Der RN wirbt nicht l\u00e4nger f\u00fcr einen Austritt Frankreichs aus der Europ\u00e4ischen Union oder der Eurozone. Stattdessen<a href=\"https:\/\/europeanconservative.com\/articles\/news\/bardella-politico-eu-completely-obsolete-nationalist-reforms\/?utm_source=chatgpt.com\"> propagiert <\/a>Bardella ein loseres \u201eEuropa der Nationen\u201c, das auf Souver\u00e4nit\u00e4t, nationalen Vetorechten, Grenzkontrollen und eingeschr\u00e4nkten Kompetenzen der EU-Institutionen aufbaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein erheblicher Wechsel der Methode, nicht zwingend des Weltbilds. Der alte RN stellte die europ\u00e4ische Integration meist als etwas dar, dem Frankreich <strong>entkommen<\/strong> sollte. Bardella stellt sie als etwas dar, das Frankreich <strong>umgestalten<\/strong> sollte. Einen Frexit lehnt er ab und argumentiert stattdessen, die EU sei in ihrer heutigen Form <a href=\"https:\/\/europeanconservative.com\/articles\/news\/bardella-politico-eu-completely-obsolete-nationalist-reforms\/?utm_source=chatgpt.com\">\u201eobsolet\u201c<\/a> und brauche eine neue Architektur, die die nationale Souver\u00e4nit\u00e4t in Migrations-, Regulierungs-, Energie- und Wirtschaftsfragen wiederherstellt. Zudem fordert er, den franz\u00f6sischen Beitrag zum EU-Haushalt zu senken und die Befugnisse der Europ\u00e4ischen Kommission zu beschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Rede \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qyrwvC0gOaQ\">Building the 21st-century Europe<\/a>\u201c 2024 erkl\u00e4rte Bardella die Europawahl zu einem Referendum \u00fcber Macrons F\u00fchrung und umriss die Vorstellung des RN von einem Europa, das \u201esch\u00fctzt, produziert und die nationale Souver\u00e4nit\u00e4t achtet\u201c. Dazu z\u00e4hlten sch\u00e4rfere Einwanderungskontrollen, die Ablehnung des Migrations- und Asylpakts der EU, wirtschaftlicher Protektionismus, Energiesouver\u00e4nit\u00e4t, Vorrang f\u00fcr die franz\u00f6sische Kernenergie, die Ablehnung weiterer Erweiterungsschritte und die Bewahrung des franz\u00f6sischen Vetorechts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wahlkampfslogan des RN von 2024 \u2013 \u201eJa zu Frankreich, ja zu Europa\u201c \u2013 brachte diese Neupositionierung auf den Punkt. Die Partei will nicht l\u00e4nger antieurop\u00e4isch wirken in dem Sinne, dass sie Europa als solches ablehnt. Vielmehr pr\u00e4sentiert sie sich als Verteidigerin eines anderen Europas: nationaler, protektionistischer, weniger f\u00f6deral und ablehnender gegen\u00fcber supranationalen Bindungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Europa ist Bardellas Strategie deshalb von Bedeutung, weil sich an ihr eine allgemeinere Lehre ablesen l\u00e4sst, die die extreme Rechte nach dem Brexit und der russischen Invasion der Ukraine gezogen hat: Ein offener EU-Austritt hat an Attraktivit\u00e4t verloren. Wahlpolitisch tragf\u00e4higer ist es, im institutionellen Rahmen zu bleiben und ihn von innen umzulenken. Bardella will die EU nicht von au\u00dfen zerst\u00f6ren. Er will von innen neu definieren, was sie sein soll.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"906\" height=\"500\" src=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-8.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-38312\" srcset=\"https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-8.png 906w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-8-600x331.png 600w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-8-768x424.png 768w, https:\/\/tdcenter.org\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/image-8-18x10.png 18w\" sizes=\"(max-width: 906px) 100vw, 906px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Jordan Bardella im Europ\u00e4ischen Parlament in Stra\u00dfburg, 23. Oktober 2024. FREDERICK FLORIN\/AFP<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Ukraine hat das unmittelbare Folgen. Ein Frankreich, das von einer solchen Vorstellung geleitet wird, d\u00fcrfte der EU-Erweiterung skeptischer gegen\u00fcberstehen, nationale Vetorechte entschiedener verteidigen und weniger geneigt sein, den Beitritt der Ukraine als geopolitische Priorit\u00e4t zu behandeln. Selbst wenn Frankreich Teil des europ\u00e4ischen Konsenses zur Ukraine bliebe, k\u00f6nnte es auf dem EU-Weg zu einem vorsichtigeren und st\u00e4rker blockierenden Akteur werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-jenseits-des-atlantiks-selektiver-trumpismus-und-strategische-autonomie\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Jenseits des Atlantiks: Selektiver Trumpismus und strategische Autonomie<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch gegen\u00fcber den USA agiert Bardella eher reaktiv und interessengeleitet als doktrin\u00e4r. Eine ausgearbeitete Strategie f\u00fcr Washington enthalten die Programme des RN nicht. Stattdessen greift die Partei auf die vertrauten Motive zur\u00fcck: franz\u00f6sische Souver\u00e4nit\u00e4t, europ\u00e4ische strategische Autonomie und Widerstand gegen \u00e4u\u00dferen Druck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcckkehr Donald Trumps ins Pr\u00e4sidentenamt <a href=\"https:\/\/www.leparisien.fr\/politique\/je-me-rejouis-que-les-americains-aient-fait-ce-choix-jordan-bardella-vante-la-methode-trump-27-01-2025-LLC27RD3T5B2LGGOQYFOCSFU4Q.php?utm_source=chatgpt.com\">begr\u00fc\u00dfte<\/a> Bardella zun\u00e4chst als Entscheidung der amerikanischen W\u00e4hlerschaft und lobte Elemente von dessen Wirtschaftspatriotismus. Zugleich ist er auf Distanz zu einer automatischen Gefolgschaft gegen\u00fcber Washington gegangen. Auf Trumps Zolldrohungen <a href=\"https:\/\/www.tf1info.fr\/politique\/la-crise-politique-internationale-pousse-le-rassemblement-national-a-modifier-sa-ligne-sur-donald-trump-et-l-union-europeenne-2420047.html?utm_source=chatgpt.com\">reagierte er mit der Forderung nach einer entschlossenen europ\u00e4ischen Antwort<\/a> und mit dem Argument, das Verh\u00e4ltnis zu den USA m\u00fcsse sich an strategischen Interessen ausrichten, nicht an ideologischer N\u00e4he. Berichten zufolge<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/le-pens-far-right-french-party-rebuffed-us-offer-support-sources-say-2025-06-24\/?utm_source=chatgpt.com\"> lehnte der RN zudem offene politische Unterst\u00fctzung <\/a>aus Trump-nahen Kreisen ab, um den Eindruck ausl\u00e4ndischer Einmischung in die franz\u00f6sische Politik zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Distanzierung verst\u00e4rkte sich, als die N\u00e4he zu Teilen der amerikanischen Rechten politisch teuer wurde. Von einer konservativen Gro\u00dfveranstaltung in Washington zog Bardella seine Teilnahme zur\u00fcck, nachdem Steve Bannon dort eine Geste gezeigt hatte, die vielfach als nationalsozialistisch anmutend verurteilt wurde. Auch einzelne Ma\u00dfnahmen der US-Politik hat er als imperial oder sprunghaft kritisiert , vor allem dort, wo sich diese Kritik mit der Skepsis der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit gegen\u00fcber amerikanischer Macht deckte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich hat Bardella Teile der traditionellen NATO-Position des RN abgeschw\u00e4cht. Solange der Krieg in der Ukraine andauere, <a href=\"https:\/\/euractiv.com\/fr\/news\/otan-jordan-bardella-soppose-a-une-sortie-du-commandement-integre-en-periode-de-guerre\/\">werde die Partei einen Austritt aus der integrierten Kommandostruktur der NATO nicht unterst\u00fctzen<\/a>, erkl\u00e4rte er. Zu einer atlantizistischen Partei wird der RN dadurch nicht. Vielmehr zeigt sich einmal mehr, dass Bardella bereit ist, \u00e4ltere Parteipositionen auszusetzen oder anzupassen, sobald sie strategisch unbequem werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine USA-Politik best\u00e4tigt damit das Grundmuster seiner Au\u00dfenpolitik: selektive Anlehnung, starke Betonung der Souver\u00e4nit\u00e4t und sorgf\u00e4ltige Anpassung an die Stimmung im Inland. Er kann den Wirtschaftsnationalismus Trump\u2019scher Pr\u00e4gung bewundern, ohne zum franz\u00f6sischen Trumpisten zu werden. Er kann die Sprache der strategischen Autonomie sprechen, ohne sich damit auf eine ambitioniertere europ\u00e4ische Sicherheitsrolle in der Ukraine festzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Kyjiw ist diese Uneindeutigkeit von Gewicht. Strategische Autonomie unter Bardella k\u00f6nnte eine st\u00e4rkere eigenst\u00e4ndige Handlungsf\u00e4higkeit Europas bedeuten. Sie k\u00f6nnte aber ebenso als Begr\u00fcndung f\u00fcr ein transaktionaleres Frankreich dienen, das weniger bereit ist, f\u00fcr die Ukraine Risiken einzugehen, und st\u00e4rker darauf achtet, externe Verpflichtungen zu begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-politische-implikationen-fur-die-ukraine\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Politische Implikationen f\u00fcr die Ukraine<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bardellas Aufstieg bedeutet nicht, dass die Ukraine mit einem offen feindseligen Frankreich rechnen m\u00fcsste. Wohl aber sollte sie sich auf eine m\u00f6gliche franz\u00f6sische F\u00fchrung einstellen, deren Unterst\u00fctzung st\u00e4rker an Bedingungen gekn\u00fcpft, symbolischer und abh\u00e4ngiger von innenpolitischen Anreizen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens sollte die ukrainische Kommunikation die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kyjiw mit franz\u00f6sischer und europ\u00e4ischer Souver\u00e4nit\u00e4t verkn\u00fcpfen. Bardellas politische Sprache kreist um Souver\u00e4nit\u00e4t, nationales Interesse und Schutz vor \u00e4u\u00dferem Druck. Die Ukraine sollte Unterst\u00fctzung deshalb nicht als moralische Forderung oder als eine von Br\u00fcssel auferlegte Pflicht darstellen. Sie sollte vielmehr betonen, dass <strong>der Widerstand gegen die russische Aggression die europ\u00e4ische Sicherheit st\u00e4rkt, die strategische Autonomie Frankreichs sch\u00fctzt und Moskau daran hindert, den Kontinent mit Gewalt neu zu ordnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens sollte die Ukraine <strong>mit der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit arbeiten<\/strong>, nicht nur mit den politischen Eliten. Reagiert Bardellas Au\u00dfenpolitik so stark auf innenpolitische Anreize, dann h\u00e4ngt die langfristige Tragf\u00e4higkeit der franz\u00f6sischen Unterst\u00fctzung davon ab, ob die Franzosen die Sicherheit der Ukraine als mit ihrer eigenen verbunden begreifen. \u00d6ffentlichkeitsdiplomatie, kulturelle Ansprache, die Einbindung von Fachleuten und die Kommunikation mit konservativen und rechts orientierten Milieus in Frankreich d\u00fcrften an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens <strong>k\u00f6nnen humanit\u00e4re Themen als Einstieg dienen, die Sicherheitsagenda d\u00fcrfen sie jedoch nicht ersetzen<\/strong>. Bei der R\u00fcckf\u00fchrung deportierter ukrainischer Kinder, dem Schutz von Zivilisten, der Ahndung russischer Kriegsverbrechen und dem Wiederaufbau d\u00fcrfte es Bardella und dem RN leichter fallen, die Ukraine zu unterst\u00fctzen, ohne ihre W\u00e4hlerschaft zu verprellen. Kyjiw sollte allerdings nicht zulassen, dass sich die Zusammenarbeit allein auf humanit\u00e4re Fragen verengt. Das \u00fcbergreifende Argument muss bleiben: Die Verteidigung der Ukraine ist Teil der Verteidigung Europas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viertens <strong>sollte sich die Ukraine auf ein st\u00e4rker transaktionales Verh\u00e4ltnis einstellen<\/strong>. Ein von Bardella gef\u00fchrtes Frankreich d\u00fcrfte die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kyjiw am franz\u00f6sischen politischen Nutzen, an der \u00f6ffentlichen Meinung und am nationalen Interesse messen. Unm\u00f6glich wird Zusammenarbeit dadurch nicht. Sie verlangte jedoch eine sorgf\u00e4ltigere Argumentation, mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr die innerfranz\u00f6sischen Debatten und mehr Nachdruck darauf, warum Hilfe f\u00fcr die Ukraine mit dem Souver\u00e4nit\u00e4ts- und Autonomievokabular des RN vereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h4 id=\"h-schlussfolgerungen\" class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlussfolgerungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale Schlussfolgerung dieser Analyse lautet: Bardellas Au\u00dfenpolitik ist in erster Linie durch das Prisma der Innenpolitik zu deuten. Seine Positionen zur Ukraine, zur Europ\u00e4ischen Union, zu den USA und zur NATO haben sich nicht aufgrund einer koh\u00e4renten geopolitischen Doktrin gewandelt, sondern weil er den RN an die vorherrschenden Str\u00f6mungen der franz\u00f6sischen \u00f6ffentlichen Meinung heranf\u00fchren und zugleich die nationalistische Identit\u00e4t der Partei bewahren will.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bardella ist weder ein prorussischer Radikaler alten Schlags noch ein verl\u00e4sslicher proukrainischer Partner. Unter seiner F\u00fchrung hat der RN die mit ukrainischen Interessen am ehesten vereinbare Position seiner Geschichte eingenommen: Er verurteilt die russische Invasion, erkennt die Souver\u00e4nit\u00e4t der Ukraine an und benennt die russische Bedrohung. Begrenzt und an Bedingungen gekn\u00fcpft bleibt diese Position gleichwohl. Bardella lehnt eine direkte milit\u00e4rische Beteiligung Frankreichs ab, verweigert oder umgeht die Unterst\u00fctzung f\u00fcr weitreichende Waffen, sperrt sich gegen einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine und richtet die Au\u00dfenpolitik an den Pr\u00e4ferenzen seiner W\u00e4hlerschaft aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Europapolitik folgt derselben Logik. Die Frexit-Rhetorik hat Bardella abgelegt, das souver\u00e4nistische Weltbild des RN nicht. Er will die EU nicht mehr verlassen, sondern zu einem loseren Europa der Nationen umbauen. Ebenso selektiv verf\u00e4hrt er gegen\u00fcber den USA: Er kann Anleihen bei Trumps Wirtschaftspatriotismus nehmen und zugleich auf Distanz zu Washington gehen, sobald diese N\u00e4he politisch unbequem wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das entscheidende Risiko f\u00fcr die Ukraine ist keine pl\u00f6tzliche Hinwendung Frankreichs zu Moskau. Wahrscheinlicher ist eine Verengung der franz\u00f6sischen Unterst\u00fctzung: weniger Ambition, weniger Risikobereitschaft, h\u00e4rtere rote Linien und eine st\u00e4rkere Abh\u00e4ngigkeit von der \u00f6ffentlichen Meinung. Zugleich er\u00f6ffnet Bardellas Bed\u00fcrfnis, verantwortungsbewusst, patriotisch und widerst\u00e4ndig gegen\u00fcber russischem Druck zu erscheinen, einen begrenzten Spielraum f\u00fcr Zusammenarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufgabe f\u00fcr die Ukraine besteht folglich darin, sich auf ein europ\u00e4isches politisches Umfeld einzustellen, in dem Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kyjiw immer weniger aus stabiler ideologischer \u00dcberzeugung erw\u00e4chst und immer mehr aus wechselnden innenpolitischen Kalk\u00fclen. In einem solchen Umfeld muss die Ukraine daf\u00fcr sorgen, dass die Unterst\u00fctzung ihrer Verteidigung politisch n\u00fctzlich, strategisch schl\u00fcssig und \u00f6ffentlich vertretbar wird, auch f\u00fcr F\u00fchrungsfiguren, deren Instinkte nationalistisch, vorsichtig und wahltaktisch gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph translation-block\"><em>Die in den auf dieser Website ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4gen ge\u00e4u\u00dferten Ansichten, Gedanken und Meinungen stammen ausschlie\u00dflich von den Autorinnen und Autoren und spiegeln nicht zwangsl\u00e4ufig die Ansichten des Transatlantic Dialogue Center, seiner Aussch\u00fcsse oder seiner angeschlossenen Organisationen wider. 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